1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Erloschener Glanz - Diamanten in Botswana

Botswana ist seinen Diamanten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Doch seit einem Jahr ist der Markt drastisch eingebrochen. Darunter leidet auch die Kleinstadt Jwaneng zu der die größte Diamantenmine im Land gehört.

default

Verkäuferin Lebogang Kesenkilwe wartet im B.G.A. Bottle Store oft vergeblich auf Kundschaft

Es ist zwölf Uhr. Beste Zeit für ein Mittagessen oder zumindest für einen schnellen Imbiss. Doch das kleine Restaurant Jwaneng Take Away ist leer. An den acht Tischen sitzt kein einziger Kunde. Die Speisekarte ist auf ein Minimum zusammen gestrichen worden. Reis und Pommes hat die Wirtin schon lange nicht mehr und kann nur ein paar lauwarme Hühnerbeine anbieten. "Keine Gäste“, entschuldigt sie das magere Angebot und verschwindet in die Küche. Eine Straße weiter wartet auch Lebogang Kesenkilwe auf Kunden. Doch kaum jemand kauft in dem Getränkemarkt B.G.A. Bottle Store noch Bier und Schnaps.

"Wegen der Rezession sind die Umsätze gesunken. Unser Chef hat sogar die Löhne gekürzt, und das Leben hier war extrem schwer. Die Kunden sind ausgeblieben. Alles ist den Bach runter gegangen.“

Harter Rückschalg für die Boomtown

Verdammte Diamanten

Jwaneng soll weltweit die Mine sein, die am meisten Diamanten hat

Jwaneng hat die weltweite Krise ganz besonders hart getroffen. Im Dezember vergangenen Jahres und von Ende Februar bis Mitte April wurde die Mine, die mehr als 2000 Menschen Arbeit bietet, dicht gemacht. Mittlerweile ist sie zwar wieder in Betrieb. Doch Jwaneng hat sich noch nicht wieder erholt. Deshalb ist es am Freitagnachmittag so extrem ruhig in dem Getränkeladen, in dem die Kunden höchstens noch Bier und ein paar alkoholfreie Getränke kaufen. Schnaps und teure Weine werden hingegen zu Ladenhütern. Und so musste Verkäuferin Lebogang Kesenkilwe auch persönliche Konsequenzen aus der wirtschaftlichen Misere ziehen: "Ich habe eine Tochter, die einen Kindergarten besucht hat. Aber ich musste sie abmelden. Aber ab Januar 2010 soll sie wieder gehen."

Doch ob sich bis dahin die wirtschaftliche Lage verbessert hat? Die Zeichen dafür sind schlecht. Gleich neben dem Getränkemarkt sind die Fensterscheiben eines ehemaligen Restaurants mit vergilbten Zeitungsseiten verklebt. Viele kleine Marktstände entlang der Einkaufsstraße stehen leer. Dort liegt auch die Downtown Link Pharmacy von Sarah Matthare. Auch ihr hat die Schließung der Mine im Früjhar jede Menge Kopfschmerzen bereitet: "Die Kunden sind einfach nicht mehr gekommen, haben kein Geld mehr ausgegeben und waren sehr preisbewusst. Mit dem bisschen Geld haben Essen und notwendige Dinge bezahlt."

Stammkunden sichern das Überleben

Verdammte Diamanten

Nach wochenlangem Stillstand in der Mine rollen die Lastwagen wieder

Ihr Geschäft gerettet hätten ihr Kunden aus den umliegenden Dörfern. Die hätten nicht in der Mine gearbeitet und somit zumindest ein bisschen Geld für Einkäufe übrig gehabt. Doch auch mit der Wiedereröffnung der Mine hat sich die Situation nicht wieder verbessert, sagt Sarah Matthare: "Es ist nicht so, wie es war. Wir alle gehen viel vorsichtiger mit unserem Geld um.“

Und das verdienen nach wie vor die meisten der Einwohner nur ein paar Kilometer vom Stadtzentrum entfernt in der riesigen Mine. Sie soll sogar das höchste Diamantenvorkommen auf der ganzen Welt haben. Betrieben wird sie von Debswana, das ein Joint Venture der botswanischen Regierung und des südafrikanischen Diamantenkonzerns De Beers ist. Noch im Geschäftsbericht 2008 hat es kräftig Lob für die Jwaneng-Mine gegeben. "Sie hat ein gutes Ergebnis erzielt“, heißt es dort. Doch im Spätherbst 2008 hat sich die Situation auf dem Diamantenmarkt schlagartig geändert, sagt Esther Kanaimba, die Sprecherin von Debswana: "Unsere Diamanten gehen in die Vereinigten Staaten, die am stärksten von er weltweiten Rezession betroffen sind. Deshalb hat uns die fehlende Nachfrage im vergangenen November extrem hart getroffen, weil 45 Prozent unserer Produkte nach Amerika gehen.“

Langsam geht es wieder aufwärts

Daher entschied sich das Unternehmen für die zeitweilige Schließung von mehreren Minen im Land. Immer noch davon betroffen ist Damtshaa in der Nähe von Francistown. Wann die Mine wieder geöffnet wird, kann Esther Kanaimba nicht sagen. Zum Jahreswechsel soll über die weitere Vorgehensweise beraten werden. Dann wird es auch neue Unternehmenszahlen geben, die alles andere als rosig aussehen werden, schätzt die Unternehmenssprecherin ein: "Generell sind wir ein 3-Billionen-Dollar Unternehmen und produzieren rund 34 Millionen Karat. Letztes Jahr waren es 32 Millionen Karat. In diesem Jahr produzieren wir vielleicht die Hälfte oder sogar noch weniger."

Autorin: Katrin Gänsler

Redaktion: Dirk Bathe