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Kultur

Erleichterung: Deutsche Geisel ist wohlauf

Groß sind Erleichterung und Freude bei der Bundesregierung über die Freilassung von Rudolf Blechschmidt: 85 Tage war er in der Hand afghanischer Geiselnehmer.

Krisenstab des Auswärtigen Amtes in Berlin (AP)

Geiseldrama gesund überstanden - der deutsche Ingenieur Rudolf Blechschmidt

Mit großer Erleichterung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Nachricht von der Freilassung der deutschen Geisel in Afghanistan aufgenommen: Sie dankte dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes unter der Leitung von Steinmeier sowie der afghanischen Regierung für ihre erfolgreiche Arbeit. Steinmeier erklärte: "Wir sind froh und erleichtert." Steinmeier dankte der Regierung in Kabul "für ihren unermüdlichen und letztlich erfolgreichen Einsatz".

Vater und Ehefrau von Sinan Krause, der noch immer nicht auf freiem Fuß ist, Foto: AP

Warten auf die Freilassung: Familie Krause

Nach fast drei Monaten in den Händen seiner Kidnapper war der deutschen Ingenieur Rudolf Blechschmidt am Mittwoch (10.09.) frei gekommen. Mit 85 Tagen Geiselhaft war es die bisher längste Entführung eines Ausländers in Afghanistan. Am Mittwochabend traf Blechschmidt nach Angaben des Auswärtigen Amtes in der deutschen Botschaft in Kabul ein. Er war zuvor in der Provinz Wardak an afghanische Sicherheitskräfte übergeben worden, wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin sagte. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kabul war der 62-Jährige müde, aber wohlauf, er sei "in erstaunlich guter geistiger und körperlicher Verfassung".

Druck auf die Entführer

Der deutsche Ingenieur wurde zusammen mit seinen fünf entführten afghanischen Begleiter offenbar von seinen Kidnappern freigelassen, nachdem die Behörden in Kabul vier zuvor festgesetzte Afghanen auf freien Fuß gesetzt hatten. Bei den vier Männern handele es sich um den Vater und drei Helfer des flüchtigen Mullah Nesamuddin, der für die Entführung des Deutschen in der Provinz Wardak verantwortlich sei, sagte der Verwaltungschef des Distrikts Jaghatu, Haji Naeem Khan. Die vier Männer waren den Angaben zufolge am 27. September festgenommen worden, um den Druck auf die Entführer zu erhöhen.

Am 27. September war eine offenbar vereinbarte Freilassung des deutschen Ingenieurs und der mit ihm entführten Afghanen in letzter Sekunde gescheitert. Die Geiseln sollen sich damals bereits in der

Obhut von vier Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) befunden haben, als die Gruppe erneut entführt wurde. Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter kamen jedoch zwei Tage später wieder frei. Ein Taliban-Sprecher hatte ihre Geiselnahme als "Missverständnis" bezeichnet.

Taliban oder Kriminelle?

Bei den Entführern soll es sich um eine örtliche Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund handeln, die nur lose Verbindungen zu den straff organisierten radikalislamischen Extremisten unterhält und nicht unter der Befehlsgewalt des Taliban-Führungsrates steht. Dennoch hatten die Entführer wiederholt den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gefordert. Erst am Dienstag hatte der afghanische Fernsehsender Tolo TV Ausschnitte eines Videos verbreitet, das Blechschmidt in Gefangenschaft zeigte. Die Geiselnehmer hatten mehrfach Videoaufnahmen in Umlauf gebracht, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Die Bundesregierung hatte jedoch stets betont, dass Deutschland nicht erpressbar sei.

Zugleich hatte Steinmeier nach der Befreiung an den mit Blechschmidt verschleppten Rüdiger D. erinnert, der wenige Tage nach der Entführung am 18. Juli von den Geiselnehmern erschossen wurde: "Wir sollten in diesem Augenblick der Erleichterung aber auch innehalten und an das Schicksal des in der Geiselhaft verstorbenen Deutschen erinnern", sagte Außenminister Steinmeier. "Ich möchte dran erinnern, dass sich im Irak noch immer Sinan Krause, der Sohn von Hannelore Krause, in den Händen seiner Entführer befindet." Die Regierung arbeite weiter mit aller Kraft auch an seiner Freilassung, versicherte der SPD-Politiker.

Freude herrschte am Mittwoch in Blechschmidts früherem Heimatort Bad Brückenau (Landkreis Bad Kissingen). "Wir freuen uns riesig", sagte die 2. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Bayerns neuer Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sagte: "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich freue mich, dass diese Tragödie eine gute Wendung genommen hat."

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