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Kultur

Erinnerung zum Anfassen

Studenten der Bauhaus-Universität in Weimar beschäftigen sich mit einer Frage, der sich vorher noch niemand ernsthaft gewidmet hat: Was für Souvenirs könnten in einem ehemaligen Konzentrationslager verkauft werden?

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Auf dem schmalen Grad zwischen Geschmack und Respektlosigkeit

Abgesehen von einigen Büchern, Postkarten und der Erinnerung an die gespenstische, kahle Grasnarbe des Hügels auf dem die Verbrechen des Holocaust stattfanden, gibt es wenig, was der Besucher vom Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald mitnehmen kann. Das könnte sich im nächsten Jahr ändern. Rechtzeitig zum 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers sollen hier von Bauhaus-Studenten entworfene Erinnerungsstücke im Museumsshop zu finden sein.

Neuland für KZ-Gedenkstätten

Das Souvenir-Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Förder-Verein, der die Gedenkstätte betreibt und der Universität. Die Einnahmen sollen dem Verein, der dringend Geld braucht, zugute

Weimar Bauhaus-Universität

Bauhaus-Universität Weimar

kommen und neue Diskussionen anregen. "Es gibt keine anderen Konzentrationslager, die so etwas machen“, sagt Olaf Theuerkauf, Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Buchenwald. "Die trauen sich wahrscheinlich nicht.“

"Die Besucher nehmen Erinnerungen oder vielleicht Fotos mit“, sagt Jarek Mansfeld vom Auschwitz-Birkenau Museum gegenüber DW-WORLD. "Wir haben keine Bleistifte, die mit 'Auschwitz' bedruckt sind oder so etwas. Und wir wollen das auch nicht. Wir wollen das Museum nicht kommerzialisieren.“

Die Verantwortlichen der Buchenwald-Gedenkstätte sahen das ähnlich, bis Besucher fragten, warum sie keine Erinnerungsstücke verkaufen würden. Die Anfrage entzündete eine Diskussion zwischen dem Verein und der Bauhaus-Design-Universität, die schließlich ein zwölfwöchiges Seminar nach sich zog.

Intensive Vorbereitung

"Ich war skeptisch, dass es überhaupt möglich sein könnte, so etwas wie ein Souvenir zu erstellen. Für mich ist alles, was einen Menschen verletzen könnte, tabu“, sagt die 21 Jahre alte Sabine Hipp bei einer Ausstellung der Studentenarbeiten.

Theuerkauf und Professoren der Bauhaus-Universität führten die Studenten zunächst drei Tage lang durch das Konzentrationslager. Sie brüteten über den Archiven des Lagers, hörten Vorlesungen zu Buchenwald und sammelten erste Eindrücke, von denen viele zu ersten Souvenir-Ideen führten.

Der Mensch im Mittelpunkt

Sabine Hipp entwarf ein kleines Booklet mit einem Schwarz-Weiß-Foto von einem der Opfer aus Zeiten vor dem Konzentrationslager und seiner Lebensgeschichte. Beides hatte sie im Archiv der Gedenkstätte gefunden. "Ich wollte eine Person aus dieser Masse von Menschen und Zahlen hervorheben. Und ich wollte ein Foto nehmen, dass das Opfer selbst ausgewählt hätte“, sagt Hipp.

Andere Studenten ließen sich von der deutschen Nachkriegsverfassung inspirieren: Sie kopierten Zitate aus den Menschenrechten auf kleine Plaketten und Armbänder.

Die richtige Generation für den Auftrag

KZ Souvenir

Buchen-Setzling von Tom Hanke

Tom Hanke, ein 23jähriger Design-Student, pflanzte Buchen-Setzlinge in kleine Töpfe, die von den Besuchern mit nach Hause genommen werden können. Nach Zweifeln zu Beginn, freundete auch er sich mit dem Gedanken an, den Besuchern etwas Greifbares aus Buchenwald mitzugeben.

"Manchmal ist es einfacher, nicht nur das Wissen, sondern auch das Gefühl, das man hat, in ein Objekt statt in Schrift zu übersetzen“, sagt Hanke.

Diese Generation von Deutschen sei vielleicht am ehesten geeignet, um so ein emotionales Projekt anzugehen. Die Vergangenheit und die Verantwortung sich zu erinnern, laste auch auf heutigen Generationen, sagt Theuerkauf. "Aber nicht so schwer, als dass man ihnen die nötige Distanz für die pragmatische Arbeit an diesem Projekt absprechen müsste."

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