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Politik

Erinnerung an die Väter der Europäischen Union

Lange war ein geeintes Europa eine Vision, Krieg bestimmte die Realität. Heute ist das Vergangenheit, dank der Energie und der Ideen einiger hartnäckiger Politiker, den Gründungsvätern der EU.

Richard Coudenhove-Kalergi, der Begründer der Paneuropa-Bewegung

Richard Coudenhove-Kalergi gilt als Begründer der Paneuropa-Bewegung

Zuerst war Europa nur ein Gedanke. Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg und seinen verheerenden Folgen wurde die Suche nach europäischen Lösungen von Intellektuellen, Politikern und Wirtschaftsführern vorangetrieben. Besonders hervor tat sich der kosmopolitische Graf Richard Coudenhove-Kalergi. In seiner 1923 veröffentlichten Schrift "Paneuropa" entwarf er den Plan einer Konföderation, in der sich alle europäischen Kontinentalstaaten zusammenschließen sollten. "Denn Paneuropa ist nicht ein Werkzeug der heutigen europäischen Politik, sondern deren Gegenbild. Es ist eine neue Kraftquelle, ein neuer Strom von Ideen, der von Jahr zu Jahr mächtiger wird", schrieb er. Würden alle führenden Staatsmänner die Notwendigkeit des europäischen Zusammenschlusses so klar erkennen, wäre Paneuropa in sechs Monaten Wirklichkeit.

So schnell ging es dann jedoch nicht - obwohl die Paneuropa-Bewegung quer durch Europa viele Anhänger fand und auch prominente Politiker sich für den Gedanken stark machten. Das Thema blieb zwar während des Zweiten Weltkrieges präsent, konnte aber erst nach dessen Ende wieder an Fahrt gewinnen. Die Weltmächte drifteten immer weiter auseinander und so tat sich für Europa ein Raum als dritte Kraft zwischen Ost und West auf.

Churchill: Kleine, wie große Nationen

Winston Churchill war 1946 Oppositionsführer der britischen Unterhauses

Winston Churchill machte die Idee eines geeinten Europas nach dem Krieg wieder bekannt

In dieser Situation war es im September 1946 der damalige Oppositionsführer des britischen Unterhauses, Winston Churchill, der dem Europagedanken neue Schubkraft gab. Churchill, der zeitlebens nicht unbedingt als "überzeugter Europäer" galt, rief dazu auf, die Nachkriegstragödie im Herzen Europas zu beenden und eine "Art Vereinigte Staaten von Europa" zu schaffen. "Wenn Europa eines Tages vereinigt sein wird, wird es keine Grenzen für das Glück, den Reichtum und den Ruhm geben, den seine 300 oder 400 Millionen Einwohner erleben werden." Der erste Schritt beim Wiederaufbau der Europäischen Familie müsse dabei eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein, sagte Churchill. Es könne kein Wiederaufleben Europas geben ohne ein geistig reiches Frankreich und ein geistig reiches Deutschland. Kleine Nationen würden genauso viel zählen wie große und den Respekt durch ihren Beitrag erwerben.

Die Europa-Rede, die Churchill in Zürich hielt, brachte die Idee der europäischen Einigung wieder in die internationale Presse. Außerdem gab sie ihr den Anschein, machbar zu sein - nicht zuletzt weil eine der drei großen Siegerpersönlichkeiten des Zweiten Weltkriegs sie formulierte.

Schuman: Ein gemeinsames Schicksal

Konrad Adenauer und Robert Schuman bei der Unterzeichnung der Montanunion 1951

Konrad Adenauer (2. v.l.)und Robert Schuman (r.) bei der Unterzeichnung der Montanunion 1951

Der eigentliche Startschuss zur Europäischen Einigung ging jedoch von einem Franzosen aus: Robert Schuman. Am 9. Mai 1950 trat der damalige Außenminister in Paris vor die Presse und schlug vor, "die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion unter eine gemeinsame Oberste Aufsichtsbehörde zu stellen." Damit leitete er die Montanunion ein, die erstmals vorsah, dass nationale Souveränitätsrechte übertragen wurden. "Dieses Europa ist offen für alle freien Staaten Europas. Wir hoffen fest, dass andere Länder sich uns anschließen werden", sagte Schuman. Alle diese Bemühungen seien von der wachsenden Überzeugung gesteuert, dass die freien Staaten Europas solidarisch miteinander sind und an einem gemeinsamen Schicksal teilhaben. "Wir werden dieses Gefühl verstärken, indem wir unsere Energien und unseren Willen bündeln und indem wir unser Handeln durch häufige Treffen und immer vertrauensvolleren Umgang aufeinander abstimmen."

Monnet: Unverzichtbar für den Erhalt des Friedens

Erdacht worden war der Schuman-Plan von einem anderen französischen Politiker: Jean Monnet. Er war eine weltläufige Persönlichkeit mit vielen internationalen Erfahrungen. Anstatt ungünstige Bedingungen hinzunehmen, wollte er sie verändern. Monnet war davon überzeugt, dass man die wirtschaftliche Entwicklung Europas organisieren müsse, da von ihr auch das Wohl Frankreichs abhing. "Zum ersten Mal in unserer Geschichte beginnen die Schranken zu fallen, die die Nationen Europas zwischen unseren Völkern errichtet hatten." Abgesehen vom materiellen Fortschritt, der für jeden einzelnen Staat im täglichen Leben nötig gewesen sei, öffne sich diese Gemeinschaft dieser Vereinigung, sagte Monnet. Diese Vereinigung sei unverzichtbar für die Rennaissance der europäischen Zivilisation und für den Erhalt des Friedens.

Monnet und Schuman gelten heute als die Gründungsväter eines geeinten Europas. Zahlreiche Lehrstühle an Universitäten, die sich mit europäischen Fragen beschäftigen, sind nach ihnen benannt.

Spaak: Blockaden vermeiden

Weniger im Gedächtnis geblieben ist hingegen ein anderer Zeitgenosse, der ebenfalls großen Anteil daran hatte, dass Europa das wurde, was es heute ist: Der Belgier Paul-Henri Spaak. Den Spitznamen "Monsieur Benelux" bekam er, weil er federführend die Zollunion Belgiens mit den Niederlanden und Luxemburg vorangetrieben hatte. Spaak spielte eine Schlüsselrolle beim Zustandekommen des Vertrags von Rom. Schon damals bewies er Weitsicht, als er forderte, dass Regelungen in Europa durch Mehrheits-Beschlüsse zustande kommen müssten, um Blockaden zu verhindern. Europa entschied damals anders - noch immer müssen Beschlüsse in der EU einstimmig erfolgen. Doch Paul-Henri Spaak wird noch heute in Brüssel in Ehren gehalten, und sein Name begegnet zumindest den EU-Parlamentariern beinahe täglich: eines der beiden Gebäude des EU-Parlaments ist nach dem unermüdlichen Europäer benannt.

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