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Deutschland

Erinnerung an den brutalen Überfall von Eberswalde

Vor 19 Jahren wurde der Angolaner Amadeu Antonio das erste Todesopfer rassistischer Gewalt nach dem Fall der Mauer.

Amadeu Antonio

Eberswalde am 25. November 1990: Deutschland ist seit ein paar Wochen wiedervereinigt. In einem Gasthof in der brandenburgischen Gemeinde sitzt Amadeu Antonio aus Angola, zusammen mit anderen afrikanischen Freunden. Der Wirt schließt plötzlich das Lokal und rät den Schwarz-Afrikanern, schnell nach Hause zu gehen. Er ahnt, dass Gefahr droht. Die Polizei hat ihn informiert. Denn 50 einheimische Skinheads sind auf dem Weg.

Die rechtsextremen Jugendlichen wollen "Neger klatschen", wie sie sagen. Auf der Straße treffen sie auf die Schwarzen. Einer stürmt als erster mit einem Baseballschläger los. Eher zufällig erwischt er Amadeu Antonio. Schläge und Tritte der anderen folgen. Zwei Zivilfahnder der Polizei beobachten die Tat, greifen aber nicht ein. Das wehrlose Opfer fällt ins Koma. Amadeu Antonio wird nicht wieder erwachen. Elf Tage später stirbt er an seinen Verletzungen. Zwei von der gleichen Meute angegriffene Mosambikaner hatten Glück. Sie konnten schwer verletzt flüchten.

Täter ohne Reue

Im September 1992 verurteilt das Bezirksgericht Frankfurt an der Oder die fünf Haupttäter zu Freiheitsstrafen von bis zu vier Jahren. Einer von ihnen ist Steffen Hübner. "Für mich ist die Sache gegessen" sagt er - Jahre später, nachdem er seine Haft verbüßt hatte. Von Reue keine Spur: "Ich bin heute noch der Meinung, dass ich unschuldig war, ich wurde dafür zu Unrecht von diesem Staat verurteilt. Darüber bin ich extrem sauer - extrem sauer auch auf die Presse, weil die die Sache so hochgebauscht hat."

Gegen 21 weitere Männer und Frauen wurden zwar Strafanzeigen gestellt, doch sie alle blieben straffrei. Die vielen einzelnen Tritte ließen sich nicht einzelnen Personen zuordnen, heißt es in der Begründung der Strafverfolgungsbehörden.

Gedenktafel und Menschen mit Kerzen am Tatort (Quelle: DPA)

Gedenken am Tatort (Archivbild)

Amadeu Antonios Familie in Angola und seinen Angehörigen in Deutschland sind außer Erinnerungen kaum etwas geblieben. Seine Witwe Gabriele Mukendi muss den gemeinsamen Sohn alleine groß ziehen. "Was mir von Amadeu geblieben ist", sagt Mukendi verbittert, "ist sein Kind, das ihm sehr ähnelt und auch seinen Namen trägt, sowie eine Kassette und ein Foto".

Auf einem Friedhof am Rande von Luanda, der Hauptstadt Angolas, liegt Amadeu Antonio begraben. Er wurde 28 Jahre alt.

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