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Deutschland

Erika Steinbach - die Unbeugsame

Sie ist die wohl umstrittenste Figur in der aktuellen deutschen Politik; ihre Äußerungen rufen immer wieder Kritik und Proteste hervor. Dabei wollte Erika Steinbach endlich weg vom Image der Ewiggestrigen.

Erika Steinbach (Foto: AP)

Erika Steinbach hat sich schon viele Diffamierungen anhören müssen. Dass sie für die Polen ein "Rotes Tuch" sei, gehört noch zu den milden Formen der Kritik, die ihr Revisionismus, Geschichtsklitterung und Ressentiments vorwirft. 2003 wurde sie - in SS-Uniform, und auf dem damaligen Bundeskanzler Schröder reitend - zur Hassfigur auf dem Titelblatt eines polnischen Nachrichtenmagazins. Merkwürdig, wie äußerlich gelassen sie diese und andere Beleidigungen immer weggesteckt hat.

Unerschütterliche Lobbyistin

Die CDU-Politikerin Erika Steinbach - seit 1998 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen - wirkt stets über die Maßen kontrolliert, verbindlich im Ton, aber eben auch kompromisslos in der Sache. Wenn man ihr zuhört, geht von ihr eine seltsame Unerschütterlichkeit aus, ein Eindruck von Rechthaberei, manche sprechen auch von einem Mangel an echter Empathie, weil sie die großen, gelegentlich irrationalen Ängste der Polen und Tschechen nie wirklich verstanden habe. Die 66-jährige Vertriebenen-Lobbyistin zieht ihre Sache durch – selbstbewusst und mit "terminatorhafter Entschlossenheit", wie die Wochenzeitung "Die Zeit" einmal formulierte.

Wandlungen einer Widersprüchlichen

Das ist freilich nicht nur kritisch gemeint. Entschieden und zäh hat sie den Bund der Vertriebenen vom rechten politischen Rand in die Mitte der Gesellschaft geführt, aus einem Verein Ewiggestriger einen Verband gemacht, der auch die Aussöhnung mit den einst geschmähten Nachbarn in Mittel- und Osteuropa sucht. Sie hat den Heimatvertriebenen Selbstbewusstsein und einen neuen – durchaus konfrontativen – Stil verpasst.

Tag der Heimat 2009 (Foto: DW)

"Tag der Heimat" 2009

Und sie hat sich dabei selbst gewandelt: 1990 kam Steinbach in den Bundestag und profilierte sich zunächst als Aushängeschild des rechten CDU-Flügels gegen einen angeblich herrschenden linken Zeitgeist. So votierte sie auch gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen mit dem Argument, man könne nicht für einen Vertrag stimmen, der "einen Teil unserer Heimat" abtrenne. Und immer wieder hat die Funktionärin durch fragwürdige politische Äußerungen Ängste, Befürchtungen, Kritik bei den Nachbarn genährt. So wollte Steinbach beispielsweise den EU-Beitritt Polens und Tschechiens verhindern. So trat sie mit unerfüllbaren Entschädigungs- und Rückkehrforderungen an die Öffentlichkeit - Positionen, die sie allerdings im Laufe der Zeit wieder geräumt hat. Heute sagt sie: "Ich bin sehr froh, dass wir diese Grenzfrage inzwischen nicht mehr behandeln müssen, aber die Vertreibung als Vertreibungsgeschehen hat mit Grenzen überhaupt nichts zu tun."

Schicksal der Heimatvertriebenen

Erika Steinbach wirbt für das Zentrum gegen Vertreibung (Bild: Rosalia Romaniec)

Das Zentrum gegen Vertreibungen ist Steinbachs Lebensprojekt

Erika Steinbach ist es zudem gelungen, ein lange tabuisiertes Thema ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit zu heben: das Leid von rund 13 Millionen vertriebenen Deutschen. Sie hat dafür Verbündete auch außerhalb ihres Verbandes gewonnen. "Es war verkehrt, in Deutschland mit diesem Thema so umzugehen, dass man es einfach unterdrückt hat oder dass man die Vertreibungsopfer sogar lächerlich gemacht hat – es war ein unmenschlicher Umgang zeitweise", sagt Steinbach, die heute auch an die Leiden anderer Vertreibungsopfer erinnert.

Umstrittene Reformerin

Zweifel an ihrer politischen Aufrichtigkeit sind dennoch nicht ausgeräumt. Historiker bemängeln ihr Geschichtsbild. Das sei nationalkonservativ und rücke die Heimatvertriebenen fälschlich in die Nähe der Opfer von Völkermorden. Die Kämpferin ist eine Umstrittene geblieben.

Steinbach wurde 1943 in Rahmel im damaligen Westpreußen geboren, wohin ihre Eltern im Zweiten Weltkrieg gezogen waren - was ihr immer wieder den seltsam anmutenden Vorwurf eintrug, sie sei gar keine "echte Vertriebene". Sie wuchs im hessischen Hanau auf, arbeitete als Verwaltungswirtin, machte Karriere in der CDU. Über ihr Privatleben weiß man nicht viel. Sie ist eine passionierte Geigerin, verheiratet mit einem Dirigenten, kinderlos. Die Politik, so scheint es, ist das Lebensthema von Erika Steinbach geblieben. So etwas wie ihr Lebenswerk ist das "Zentrum gegen Vertreibungen."

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Dеnnis Stutе