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Projekt Zukunft

Eric Kandel - Auf der Suche nach dem Gedächtnis

Jedes Jahr, wenn die Nobelpreise verliehen werden, wartet so mancher Wissenschaftler auf den ersehnten Anruf aus Stockholm. Einer, der den Preis schon hat, ist Eric Kandel.

Nobelpreisträger Eric Kandel Bild: DW-TV

Er gilt als Popstar der Neurowissenschaften und bedeutendster Hirnforscher unserer Zeit. Eric Kandel fand heraus, wie das Gedächtnis funktioniert. Er entdeckte das Protein, mit Hilfe dessen eine Erinnerung aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis überführt wird - und erhielt dafür 2000 den Nobelpreis. Wie Forscher heute seine neurobiologischen Grundlagen nutzen, um Alzheimer, Depressionen und andere Krankheiten zu heilen, zeigen Forschungsprojekte am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen.

Bild: DW-TV

"Die Erinnerung ist der Schlüssel. Wir sind, was wir sind, weil wir erinnern, was wir erlebt haben."

Geboren wurde Kandel in Wien, wo er bis zu seinem 9. Lebensjahr seine Kindheit verbrachte. Dort liegen auch die Wurzeln seiner Wissenschaft.

„Ich wollte mich auf das zentrale Problem der Psychoanalyse konzentrieren: die Erinnerung. In der Psychotherapie werden Erinnerungen noch mal in einem sicheren Umfeld durchlebt. So kam es, dass ich Erinnerungen erforsche.“

1939 floh die jüdische Familie Kandel vor den Nazis in die USA. Das hat sich auf sein Forscherleben ausgewirkt: „Die Lehre aus dem Holocaust ist: Vergesse nie. Und hier bin ich und erforsche die Erinnerung. Muss ich mehr sagen?“

Bild: DW-TV

An Meeresschnecken, sehr einfach aufgebauten Organismen, hat Kandel das Prinzip des Abspeicherns von Erinnerungen entdeckt. Was er an den Meeresbewohnern herausfand, untersuchen heute Forscher in Tübingen an Larven von Fruchtfliegen.

Bild: DW-TV

Die Forscher können den biochemischen Prozess beobachten, der abläuft, wenn sich Nervenzellen miteinander verbinden. Das ist die Voraussetzung für das Abspeichern von Erinnerungen im Langzeitgedächtnis. Der Schlüssel zu diesem Prozeß: ein aktiviertes Protein Namens CRAB.

Bild: DW-TV

Im Versuchslabor: Eine Maus lernt einen unangenehmen Reiz mit einem Ton zu verbinden.

Die Wissenschaftler können diese Wissensspur im Gehirn einer verstorbenen Maus noch stundenlang verfolgen. Dazu reizen sie eine Zelle und messen, ob die synaptischen Verbindungen zu den anderen Zellen noch funktionieren.

Bild: DW-TV

Ingrid Ehrlich, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Tübingen: „Das war sicherlich die große Leistung, warum Eric Kandel auch den Nobelpreis bekommen hat. Er hat sehr viele Sachen herausgefunden, die jetzt auf höhere Organismen wie die Maus, wie dem Menschen übertragbar sind. Diese synaptische Plastizität ist ein ganz wichtiges Element von Lernen und Gedächtnis.“

Bild: DW-TV

Neue Medikamente gegen Hirnkrankheiten, Angststörungen, Depressionen sind nun möglich. Und welche Visionen für die Zukunft hat der Forscher selbst?

„Die gleichen wie Sie, keine Speziellen. Die Leute denken, Nobelpreisträger wären Propheten, könnten sehen, was andere nicht sehen. Meine Intelligenz und Kreativität haben sich nicht verändert durch den Nobelpreis. Ich möchte mein Leben genießen, solange ich kann. So wie jetzt und ich genieße es ungemein. ich mag meine Familie und ich will meine wissenschaftliche Arbeit weiterführen."

Bild: DW-TV

Noch immer forscht der 82-jährige zusammen mit seiner Frau in New York und reist durch die Welt, um seine neuesten Ergebnisse zu präsentieren.

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Hirnforschung in Deutschland:

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen gehört zu den wichtigsten europäischen Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Neurologie.

Die Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer zählt zu den dringlichsten Aufgaben des Instituts. Es geht aber auch um Schlaganfälle, Tumorerkrankungen und Multiple Sklerose.

Hirnbezogene Erkrankungen verursachen jährlich allein in Deutschland mehr als 50 Milliarden Euro Kosten für das Gesundheitswesen. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist ein Durchbruch in der Behandlung von Demenz-Erkrankungen dringend erforderlich.

In Zusammenarbeit mit der Neurologischen Klinik Tübingen verfolgt die Hertie-Stiftung das Ziel die Forschungsergebnisse im Labor möglichst schnell in Behandlungsstrategien für am Gehirn erkrankte Patienten umzusetzen.

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