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Aktuell Asien

Erhalten die Taliban eine Vertretung in Katar?

Die afghanischen Taliban sind an einer Niederlassung am Persischen Golf interessiert. Sie soll Friedensgespräche für Afghanistan erleichtern. Vermutlich hat auch Präsident Karsai in Katar über das Vorhaben gesprochen.

Das Palasttor des Emirs von Katar (Archivfoto 2008, dpa)

Katar Regierungspalast

In einer offiziellen Verlautbarung nach dem Treffen des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai mit dem Emir des Golfstaats Katar in Doha wurde das heikle Thema der Taliban-Vertretung nicht erwähnt. Wie die staatliche katarische Nachrichtenagentur QNA meldet, erörterten Karsai und Emir Hamad Ben Chalifa al-Thani die Beziehungen zwischen ihren Staaten und "Fragen von beiderseitigem Interesse". Auch über "Friedensperspektiven in Afghanistan" sei gesprochen worden. Karsai, der von einer hochrangigen Delegation begleitet wurde, kam zudem mit dem katarischen Botschafter in Pakistan sowie mit katarischen Investoren zusammen.

Der afghanisch Präsidente Hamid Karsai zeigt sich gesprächsbereit (Foto: afghan eyes)

Hamid Karsai zeigt sich gesprächsbereit

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass das angepeilte Taliban-Büro bei dem Spitzentreffen thematisiert wurde. Denn Karsais Sprecher Aimal Faisi hatte der Nachrichtenagentur afp am Samstag gesagt, der Präsident werde über den Friedensprozess in Afghanistan und die Eröffnung einer Vertretung der Taliban in Katar sprechen.

Taliban wollen Karsai "nicht sehen"

Die radikalislamischen Taliban-Rebellen bekräftigten derweil, dass Karsai mit dem Projekt der Vertretung in Doha nichts zu tun habe. Das betreffe nur die Taliban und die Regierung von Katar, sagte ihr Vertreter Sabjullah Mudschahid der Nachrichtenagentur afp. Die bereits in Katar anwesende Taliban-Delegation werde Karsai "weder sehen noch mit ihm sprechen".

Die Taliban lehnen direkte Gespräche mit Karsai ab, den sie als "Marionette" der USA bezeichnen. Seit ihrem Sturz Ende 2001 durch eine von den USA angeführte Invasion kämpfen die selbst ernannten Gotteskrieger gegen die Regierung in Kabul und die ausländischen Truppen in Afghanistan. Zu Jahresbeginn hatten sich die Taliban bereit erklärt, eine dauerhafte Vertretung in Katar zu eröffnen, um Verhandlungen mit den USA zu führen. In Doha geführte Vorgespräche zwischen beiden Seiten waren im März 2012 gescheitert.

Hier wurde die Botschaft der syrischen Opposition eröffnet (Foto: Reuters)

Hier wurde die Botschaft der syrischen Opposition in Katar eröffnet

Die Regierung in Kabul protestierte zunächst dagegen, dass die USA separat Kontakte zu den Taliban aufbauten, um den Konflikt in Afghanistan beizulegen. Angesichts des bis Ende 2014 vorgesehenen Abzugs der NATO-geführten Kampftruppen aus Afghanistan steht Karsai jedoch zunehmend unter Druck, sich mit den Taliban zu arrangieren. Pakistan, das die Herrschaft der Taliban in seinem Nachbarland Afghanistan zwischen 1996 und 2001 unterstützte und als Schlüsselfaktor im Friedensprozess gilt, sprach sich für die Taliban-Vertretung in Doha aus.

Katar als bewährter Vermittler

Der arabische Golfstaat, der als wichtiger Verbündeter der USA gilt, hat schon häufiger in Konflikten in arabischen und muslimischen Ländern vermittelt. Erst am Mittwoch eröffnete die syrische Opposition in Doha ihre erste diplomatische Vertretung. Oppositionschef Ahmed Moas al-Chatib nahm mit dem katarischen Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, Chaled al-Attija, die "Botschaft der Nationalen Koalition Syriens" in Betrieb. Am Dienstag hatte die Arabische Liga ebenfalls in Katar der Nationalen Koalition den vakanten Liga-Sitz Syriens zugesprochen.

kle/nem (afp, rtr)

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