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Wirtschaft

Erfolgsverwöhnte Autobauer mit Sorgen

Bisher hinterlässt die Eurokrise bei den Premiummarken BMW, Audi und Daimler nur Kratzer. Doch der Druck wächst - auch weil die Firmen fürchten müssen, dass das europäische Drama ansteckend ist.

epa03056542 Crown Prince Philippe of Belgium sit in a German BMW 640D Grand Coupe car during the official opening of the 90th edition of the European Motorshow in Brussels, Belgium 11 January 2012. The 90th Belgian motor show will open on 12 January and will run until 22 January 2012 and will have exhibits by 250 manufacturers. EPA/JULIEN WARNAND +++(c) dpa - Bildfunk+++

BMW 640D

Die erfolgsverwöhnten Autobauer BMW, Audi und Daimler bekommen langsam aber sicher die Folgen der Eurokrise zu spüren. Während vom europäischen Geschäft abhängige Massenhersteller wie Peugeot, Opel oder Fiat in Europa mit herben Einbrüchen kämpfen, fahren die Nobelmarken bisher recht unbehelligt auf Rekordkurs. Doch die trübe Wirtschaftslage in vielen Ländern auf dem Heimatkontinent schlägt nun auch der Oberklasse aufs Gemüt. "Die Premiumhersteller können sich da nicht ausklinken", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Und die jüngste Krise 2008 hat gezeigt, wie schnell es plötzlich gehen kann. Doch damit rechnet derzeit niemand.

Ziele noch nicht in Gefahr

Zwar sinken etwa in Italien oder Spanien die Verkaufszahlen von BMW, Audi und Daimler seit längerem, doch die Märkte sind in ihrer Bedeutung für die Konzerne eher überschaubar. Das Minus tut dennoch weh. "Da trifft uns die Härte des Marktes", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Mittwoch (01.08.2012). Bislang gleichen die nach wie vor brummenden Geschäfte in China, den USA oder anderen Boom-Regionen die Schwierigkeiten in Europa mehr als aus. Die Märkte seien derzeit sehr uneinheitlich, sagt Reithofer. Er verkündet am Mittwoch einen herben Gewinnrückgang für das zweite Quartal, hält an seinen Rekordzielen aber fest.

Tatsächlich sind die Zahlen von BMW bei weitem nicht so schlecht wie sie auf den ersten Blick scheinen. Höhere Kosten für neue Produkte, Entwicklungen und Personal drücken das Ergebnis, dazu kommt, dass vor einem Jahr ein Sondereffekt Geld in die Kasse der Münchner spülte. Das Quartal ist das zweitbeste der Firmengeschichte. Man müsse bei aller Sorge um die Zukunft "die Kirche auch mal im Dorf lassen", sagt BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner. Nach dem rasanten Wachstum seit der jüngsten Krise normalisiert sich das Tempo wieder. Geld verdienen Hersteller nach wie vor mit enormen Erfolg.

Dynamik in China lässt nach

"Insbesondere BMW und Audi weisen derzeit noch eine hohe finanzielle Performance auf. Mercedes schafft es dagegen bislang nicht, den Abstand auf BMW und Audi zu verringern", schreibt Auto-Fachmann Professor Stefan Bratzel. Vor allem das Geschäft in China und in den USA treibt die Zahlen. "Allerdings wird davon ausgegangen, dass die Dynamik im zweiten Halbjahr nachlässt und die Absatzrisiken auf für Premiumhersteller steigen", ergänzt Bratzel. Vor allem nach China blicken die Manager etwas bange.

Dort trüben sich die Aussichten ein. Schon locken die Hersteller selbst in China inzwischen mit Rabatten. In Europa ist das bereits eine erprobte Waffe im Kampf um die Kunden. Doch das Risiko ist groß, sich den Erfolg am Markt teuer zu erkaufen. Gerade im Oberklasse-Segment sind die Firmen sehr darauf bedacht, sich die Preise möglichst nicht zu verderben - denn das schadet neben der Kasse auf Sicht dem Image der edlen Marken. "Ganz entziehen können wir uns dem nicht", sagt Audi-Finanzchef Axel Strotbek. Bei Audi kletterten die Vertriebskosten von rund 1,6 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011 auf etwa 2,2 Milliarden in den ersten sechs Monaten 2012. Auch BMW sattelte hier drauf, im ersten Halbjahr wuchsen in der Autosparte der Münchner die Vertriebskosten von 2,4 im Vorjahr auf jetzt 2,8 Milliarden Euro. Dennoch läuft es gerade in Übersee weiter prächtig. "In Europa hingegen sind die Verbraucher verunsichert", sagt Reithofer.

Prognosen mit vielen Fragezeichen

Die Branche selbst will dagegen Sicherheit ausstrahlen. Das Selbstbewusstsein der Konzerne ist ungebrochen. Bis 2020 wollen alle drei an der Spitze sein. BMW will dort bleiben, Audi und Daimler wollen überholen, wobei die Schwaben derzeit mit Abstand hinter den beiden Rivalen herfahren. Potenzial steckt in den Märkten der boomenden Schwellenländer mehr als genug, doch zunächst hängt vieles in den kommenden Monaten von Entscheidungen ab, die die Hersteller kaum beeinflussen können. Der Ausgang der Krise ist ungewiss und die Prognosen gelten nur unter der Bedingungen, dass es nicht schlimmer kommt. "Natürlich können wir heute nicht genau sagen, wie wir rauskommen", sagt Eichiner. Er sei aber "vorsichtig optimistisch".

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