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Wirtschaft

Erfolgsstory mit Macken: Die EBRD in den GUS-Staaten

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung stellt den GUS-Ländern immer größere Summen zur Verfügung. Dabei kann sie auf einige Erfolge verweisen - doch Rückschläge muss sie auch hinnehmen.

Ein Arbeiter in Boyarka in der Nähe von Kiew

Ein Arbeiter in Boyarka in der Nähe von Kiew

Mit mehr als sechs Prozent Wirtschaftswachstum bleibt der postsowjetische Raum die aussichtsreichste Region für die Investoren aus der Europäischen Union. Der Lebensstandard wird höher und der Konsum steigt rasant, stellen die Experten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in dem "Transition Report 2006" fest.

Nach Russland ist die Ukraine inzwischen auf Rang zwei in der Investitionsliste der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung aufgerückt - vor Länder wie Polen oder Rumänien. Während die Investitionen der EBRD in Russland mit jährlich etwa einer Milliarde Euro konstant bleiben, stiegen sie in der Ukraine deutlich. Vor allem nach der "Orangen Revolution" genießt das Land besondere Aufmerksamkeit der Bank, die mit den umfangreichen Investitionen den Reformkurs des Präsidenten Juschtschenko stützt.

Schwere Krise

Viktor Juschtschenko

Viktor Juschtschenko

"Vor fünf Jahren betrug die Summe unserer Investitionen in der Ukraine etwas mehr als 100 Millionen Euro. 2006 werden es bereits um die 700 Millionen sein", sagt Anton Usow, Sprecher des EBRD-Büros in Kiew. " Der EBRD-Präsident Lemierre hat dem ukrainischen Präsidenten Juschtschenko die Bereitschaft der Bank zugesichert, im Jahr 2007 bis zu eine Milliarde Euro zu investieren".

Die ukrainische Wirtschaft hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine schwere Krise durchgemacht - viele kleine und große Fabriken mussten schließen. Nur wenige ausländische Investoren trauten sich in dieser Zeit in die Ukraine. Die meisten Investitionen waren nur mit direkter Beteiligung oder einem Kredit der EBRD überhaupt möglich.

Ein Vorzeigeprojekt der EBRD ist die Glasverpackungsfabrik "Consumers Sklo Sorja" bei Rivne in der Westukraine. Das Unternehmen wurde 1997 in Zusammenarbeit mit kanadischen Investoren gegründet, seit 2001 blieb die Bank als einziger Aktionär. 2005 wurde die Fabrik an die deutsche Saint-Gobain Oberland verkauft. Für die Europäische Bank rentierte sich die Investition: mit dem Gewinn von mehr als 20 Prozent können neue Projekte im Land finanziert werden.

Zum Erfolg geführt

Auch die neuen Eigentümer der Fabrik sind zufrieden. Sie haben nach der Übernahme bereits etwa 30 Millionen Euro in neue Produktionslinien und Maschinen investiert. "Wir kamen Mitte der neunziger Jahre dorthin, damals war die Fabrik in keiner guten Verfassung", sagt Cornelia Banzhaf vom Saint-Gobain Oberland. "Das heißt: die Flaschen und die Konservengläser, die wir dort herstellen, haben dort eine gute Marktposition und gute Ausgangssituation"

Mit ihren Krediten will die EBRD aber auch die Strukturreformen im Agrarsektor unterstützen. Die Ukraine, einmal "die Kornkammer Europas" genannt, hatte nach der sowjetischen Kollektivierung große Schwierigkeiten im Wandel hin zu privatem Unternehmertum auf dem Lande. Auf dem ukrainischen Markt drückt die Regierung die Getreidepreise nach unten. Exporte hingegen sind wegen schlechter Infrastruktur sehr teuer. Mit einem 80 Millionen Euro-Kredit unterstützt die Bank das Projekt des Hamburger Getreidehändlers "Toepfer International". Mit der Finanzierung von Getreideaufkäufen und der teilweisen Vorfinanzierung der Produktion will man den Landwirten in der Ukraine den Zugang zum Weltmarkt erleichtern.

Rückfall in alte Zeiten?

Seit drei Jahren arbeitet das Unternehmen erfolgreich in der Ukraine. Doch Mitte November hat die Regierung des ins Amt zurückgekehrten Premierministers Viktor Janukowitsch den Export von Getreide untersagt - angeblich aus Angst vor zu hohen Preisen auf dem Binnenmarkt. Diesen Regierungsstil aus den Zeiten vor der "Orangen Revolution" glaubten ausländische Investoren längst überwunden - schaden doch solche Eingriffe in den Handel dem Ansehen des Landes und gefährden das Vertrauen der Investoren.

"Für uns sieht es im Moment so aus, dass wir nicht exportieren können. Das kostet unser Unternehmen, wie auch anderen Exporteuren, viel Geld", sagt Karl-Dieter Schumacher von "Toepfer International". "Es liegen zum Beispiel Schiffe voll beladen in den Häfen - sie dürfen nicht abschwimmen. Das schlimme dabei ist, dass die ukrainische Regierung dadurch vor allem den eigenen Landwirten schadet."

Dieser Vorfall ist ein klares Zeichen dafür, dass trotz großer Erfolge der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in der Ukraine, die Investitionen in diesem Land immer noch mit relativ großen Risiken verbunden sind. Stabilere Grundlage für ihre Geschäfte erhoffen sich viele Investoren vom Beitritt der Ukraine zur Welthandelsorganisation, der nach Expertenmeinung bereits im Frühjahr 2007 möglich ist.

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