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Wirtschaft

Erfolgsrezepte der Chemieindustrie

So sehen Spitzenreiter aus: Die deutsche Chemiebranche belegt seit Jahren in allen internationalen Vergleichen die vordersten Plätze. Doch was wird in Zukunft aus den Vorzeige-Unternehmen?

Die aufgehende Sonne taucht am 7.12.2001 das Bayer-Werk in Leverkusen mit seinen Schornsteinen in ein rötliches Licht. Bei trockenem und kaltem Wetter soll am Wochenende wieder die Sonne strahlen, die Temperaturen fallen auf null bis fünf Grad.

Chemiewerk Bayer im Sonnenaufgang

Über Erfolge redet es sich leicht. Entsprechend locker tritt der Chef des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, am Rande der Branchenmesse Achema vor die Presse. "2011 hat die deutsche chemische Industrie den Weltmeistertitel im Export von Chemikalien erfolgreich verteidigt", verkündete der Spitzenfunktionär gut gelaunt und präsentierte anschließend beeindruckende Zahlen: Deutschland führte im letzten Jahr chemische Erzeugnisse im Wert von über 150 Milliarden Euro aus. Damit sicherte sich die Branche mit einem Anteil von gut elf Prozent den Platz eins am globalen Chemieexportmarkt vor den USA, Belgien und China.

Nach Meinung des VCI tragen mehrere einzigartige Faktoren dazu bei, dass sich die deutsche Chemie seit neun Jahren in Folge als Exportweltmeister so gut im internationalen Wettbewerb behaupten kann. Neben der zentralen Rolle der Chemie im insgesamt sehr starken deutschen industriellen Netzwerk hebt Verbandsgeschäftsführer Tillmann besonders die hohe Innovationskraft der Branche hervor.

Forschung und Entwicklung

Weit über acht Milliarden Euro investiere die chemisch-pharmazeutische Industrie jährlich in die Forschung. In den entsprechenden Laboren der Chemieunternehmen arbeiteten mehr als 40.000 Menschen. "Damit ist Deutschland nach den USA und Japan der drittgrößte Forschungsstandort für Chemie und Pharma weltweit", so Tillmann.

Enge Kooperation mit der Wissenschaft und die intensive Ausrichtung der Produktstrategien an Megatrends wie Nachhaltigkeit seien andere entscheidende Stärken. Hinzu käme - quasi als deutsche Spezialität wie in vielen anderen Industriezweigen auch - eine breit gefächerte Basis.

Mittelständler überwiegen

Von den rund 2.000 Chemiebetrieben in Deutschland seien die meisten mittelständisch geprägt: "Über 90 Prozent der Chemieunternehmen haben nicht mehr als 500 Beschäftigte. Insgesamt befindet sich über ein Drittel der insgesamt 437.000 Arbeitsplätze in den rund 1.850 kleinen und mittleren Unternehmen", betont Tillmann. Und diese seien erfolgreich mit ihrer Geschäftsstrategie, denn sie trügen rund ein Drittel zum Gesamtumsatz der Branche bei.

Neben den Erfolgsmeldungen gibt es aber auch wirtschaftliche Risiken für die Chemieindustrie. Tillmann nennt als aktuelle Probleme die ungewisse Entwicklung der Rohstoffpreise und die anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der EU-Schuldenkrise.

Foto zeigt: V.l.: Dr. Klaus-Dieter Juszak, Fachvereinigung Chemieparks; Dr. Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des VCI; Manfred Ritz, VCI (Foto: Verband der Chemischen Industrie)

Utz Tillmann (m.) mit Kollegen vom VCI

Energiewende als Risiko

Auch der Verlauf der Energiewende nach dem Ausstieg aus der Atomkraft werde enormen Einfluss auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit - nicht nur - der Chemiebranche haben.

Wenn die Energiepreise ungebremst stiegen, drohe dem Standort Deutschland in Zukunft sogar eine De-Industrialisierung. "Besonders energieintensive Unternehmen werden sich natürlich überlegen, ob sie hier noch in Zukunft investieren und neue Werke aufbauen", so Tillmann.

Damit es nicht soweit kommt, hofft der Chef des Chemieverbandes auf ein rechtzeitiges Gegensteuern der Politik.

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