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Afrika

Erfolgsrezept für malische Kreditnehmer

Einige Mikrofinanzinstitute in Mali verleihen nicht nur Geld, sondern betreuen auch die Projekte ihrer Kunden. Der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Bauern ernten säckeweise Reis und das Institut bekommt sein Geld zurück.

Erntezeit auf dem Reisfeld (Foto: Aude Gensbittel)

Erntezeit auf dem Reisfeld

Es ist Erntezeit in Mali. Auf den Feldern ernten die Landarbeiter Reis. Ein paar Kilometer weiter im Dorf Morijan kümmert sich Mamadou Coulibaly um die Finanzierung der nächsten Ernte. Er zeigt dem Vertreter des Mikrofinanzinstituts Kafo Jiginew die Säcke, die prall mit Reis gefüllt sind. Der Wert dieser Ernte entspricht der Summe, die die Bauerngenossenschaft des Dorfes sich geliehen hat. Die Genossenschaft könne also ihren Kredit zurückzahlen, sagt der Bauer Mamadou Coulibaly.

Bereits zum dritten Mal haben die Landwirte einen Mikrokredit aufgenommen, um Samen zu kaufen. Und sie können dieses Jahr nicht nur den Kredit zurückzahlen, sondern noch einen kleinen Profit erzielen.

Rundum-Betreuung für Kreditnehmer

Rückzahlungstermin bei der Organisation Jigi (Foto: Aude Gensbittel)

Rückzahlungstermin

Für Kunden, die in entlegenen Regionen Malis wohnen und kaum Sicherheiten zu bieten haben, sind die Mikrofinanzinstitute oft die einzige Möglichkeit, sich Geld zu leihen. Allerdings müssen sie, egal ob als Einzelperson oder als Genossenschaft, zunächst eine gewisse Summe sparen, bevor ein Darlehen erteilt wird. Um das Risiko abzumindern, begleitet das Institut Kafo Jiginew die Kreditnehmer und kontrolliert deren Projekte. Das sichert ihnen hohe Rückzahlungsquoten. Auch die Genossenschaft in Morijan hat ihre Darlehen immer rechtzeitig zurückgezahlt. Jetzt hoffen die Bauern auf einen größeren Kredit, um Agrarmaschinen kaufen zu können.

Neben den etablierten Mikrofinanzinstituten wie Kafo Jiginew vergeben auch Hilfsorganisationen Mikrokredite. Die Nichtregierungsorganisation Jigi, die sich für Gesundheitsvorsorge, Aids-Prävention und Familienplanung einsetzt, arbeitet in den Armenvierteln am Rand der Hauptstadt Bamako und verleiht seit 1997 Geld an bedürftige Frauen. "Am Anfang konnten wir nur fünf Frauen helfen, heute sind es mehrere hundert", erinnert sich Projektleiter Seni Sanogo.

Sozialer Druck als Erfolgsrezept

Erdnussverkäuferin in Bamako (Foto: Aude Gensbittel)

Erdnussverkäuferin in Bamako

Das Geld für die Kleinkredite, die zwischen 10.000 und 20.000 Francs CFA betragen - 15 bis 30 Euro -, kam zuerst aus dem eigenen Kapital. Dann wurde die Organisation vom Weltgebetstag der Frauen unterstützt. "Bei Jigi ist es einfacher, Geld zu leihen, als bei anderen Institutionen, die zu viele Garantien verlangen", sagt die Verkäuferin Safiatou Tounkara, die Brot, Fisch und Pommes an der Straße verkauft. "Die Mitglieder der Organisation kommen zu uns, um uns Kredite zu geben und uns auszubilden, damit wir das Geld besser verwalten", erzählt die 30-Jährige.

Da nur wenige Leute in den Armenvierteln lesen oder schreiben können, ist das Verfahren so unkompliziert wie möglich gehalten: Einmal im Monat gibt es einen festen Termin für die Vergabe neuer Kredite und für deren Rückzahlung. Die NGO habe nicht die nötigen Mittel, um die Kreditnehmerinnen in ihren Geschäften zu begleiten, bedauert Seni Sanogo. Das System funktioniere trotzdem, denn es basiere auf Vertrauen und sozialem Druck. Die Frauen, die in Verbänden organisiert sind, kennen sich untereinander und wissen, dass andere erst von den Mikrokrediten profitieren können, wenn alle ihre Schulden zurückbezahlt haben.

Autor: Aude Gensbittel

Redaktion: Julia Kuckelkorn / Katrin Ogunsade

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