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Wirtschaft

Erfolgsmodell Bundesliga - auch wirtschaftlich

Die Bundesliga hat sich unter den Top-Ligen Europas längst etabliert. Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich. Und was die Beliebtheit angeht sowieso: Nirgendwo kommen mehr Zuschauer.

GROSSASPACH, GERMANY - JULY 13: The official matchball `Torfabrik` during the friendly pre season match between SG Sonnenhof Grossaspach and Schalke 04 at comtech Arena on July 13, 2012 in Grossaspach, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Fußball Torfabrik 50 Jahre Bundesliga

Die Bundesligasaison 2012/13, die fünfzigste Spielzeit der höchsten deutschen Spielklasse, kann als eine Rekordsaison in die deutsche Fußballgeschichte eingehen. "Die Bundesliga schickt sich an, die dominierende Macht in Europa zu werden", sagt Emmanuel Hembert vom Beratungsunternehmen A.T. Kearney in Düsseldorf. Das liege vor allem am Abschluss eines neuen Fernsehvertrages.

Im zurückliegenden April hat die Bundesliga für die Fernsehrechte an ihren Spielen einen neuen Vertrag ausgehandelt: Für die nächsten vier Jahre wird sie 2,5 Milliarden Euro kassieren, das sind pro Saison 625 Millionen Euro. Den Löwenanteil davon bezahlt der Pay-TV-Sender Sky. Das ist ungefähr 50 Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Auch Stefan Ludwig hält diesen Rechtevertrag für einen großen Erfolg. Allerdings weist der Ökonom, Direktor der Sport-Business-Gruppe bei der Unternehmensberatung Deloitte, darauf hin, dass die erste englische Fußballliga, die Premier-League, noch deutlich mehr bekommt. Daher, so Ludwig, werde sie den ersten Platz auch "in den nächsten Jahren halten."

Die Augsburger Spieler feiern den Klassenerhalt 2012 nach dem Spiel in Mönchengladbach. (Foto: dpa)

Auch der FC Augsburg bekommt einen Teil vom Fernseh-Geld ...


Dank der Solidarität

Die Wirtschaftskraft einer Liga bemisst sich, so Stefan Ludwig im DW-Gespräch, an den "Erlösen aus TV-Vermarktung, Sponsoring und Zuschauereinnahmen." Nimmt man diese Kriterien zusammen, dann kommt die Bundesliga auf einen ungefährdeten zweiten Platz unter den sogenannten "Big Five", den Ersten Ligen von England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich.

Den Vorsprung, den die Bundesliga inzwischen vor der spanischen Primera Division erreicht hat, sieht Ludwig nicht gefährdet, weil "Spanien die einzige Liga ist, die noch eine dezentrale TV-Vermarktung hat." Jeder Verein verkauft sich und die Spiele seiner Mannschaft eigenverantwortlich. Das führe dazu, dass die beiden großen spanischen Klubs, Real Madrid und FC Barcelona, das Geschäft fast unter sich ausmachen, und die anderen Erstligisten bei den Lizenzeinnahmen deutlich zurückfallen.

Augsburgs Torwart Simon Jentzsch klärt vor den Münchnern Jerome Boateng (o) und Bastian Schweinsteiger. Foto: Andreas Gebert dpa/lby

.. und kann auch gegen den FC Bayern mithalten.



"Das ist in der Bundesliga anders. Dort gibt es eine relativ gute Verteilung unter den achtzehn Bundesligisten auf Grund des Solidaritätsprinzips", so Ludwig. Die Bundesliga verwaltet die Fernsehrechte zentral und verteilt die Erlöse unter den Profivereinen. So bekommen auch die Teams aus dem Mittelfeld oder der Abstiegszone Geld aus dem TV-Rechte-Vertrag. Zwar kassieren der FC Bayern oder Schalke 04 deutlich mehr als etwa Mainz 05 oder der FC Augsburg, aber die Kleinen gehen immerhin nicht leer aus. Daher ist das wirtschaftliche und sportliche Gefälle innerhalb der Liga nicht so groß wie in anderen Ligen, größere Spannung ist garantiert.

Vernünftig wirtschaften

Ein Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga innerhalb der europäischen "Big Five" hat Stefan Ludwig in der Seriosität ausgemacht, mit der hierzulande gewirtschaftet wird. In Deutschland müssen sich die Vereine einem strengen Lizenzierungsverfahren stellen: Kann ein Verein kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept vorlegen, erhält er keine Lizenz.

Das wird anderswo lockerer gesehen. Dass ein Verein etwa nur einen Teil seiner Einnahmen in die Bezahlung seiner Stars investieren darf, wird oft ignoriert, so Stefan Ludwig. "Wir wissen von Vereinen in Europa, die geben mehr für ihre Spieler aus, als sie einnehmen. Und jeder Verein hat ja noch weitere Kosten."

Video ansehen 01:29

Die Top-Verdiener der Bundesliga


Zurückhaltung auf dem Transfermarkt

Was Investitionen in Transfers angeht, liegt Deutschland traditionell auf einem hinteren Platz. In diesem Sommer könnte die Bundesliga allerdings einen neuen Transferrekord aufstellen, die Transferperiode ist ja noch nicht abgelaufen. Bislang haben die 18 Erstligavereine rund 186 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, das hat die Nachrichtenagentur dpa ausgerechnet. Die bisherige Höchstmarke aus dem Jahr 2007 liegt bei 194 Millionen Euro.

Im internationalen Vergleich ist das aber eher wenig. Die zwanzig englischen Erstligisten haben bisher schon rund 300 Millionen Euro ausgegeben, die Vereine der italienischen Serie A 280 Millionen und die in diesem Jahr besonders spendablen französischen Vereine immerhin auch schon rund 198 Millionen Euro.

Die Fans machen den Unterschied

Die wirtschaftliche Bedeutung der Bundesliga für den heimischen Markt ist nicht zu unterschätzen, meint Stefan Ludwig. Dazu brauche man nur auf die Umsätze zu schauen. Allein die erste Liga mache einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro, "nimmt man die zweite Liga dazu, sind es über zwei Milliarden Euro."

An jedem der 34 Spieltage pilgern fast vierhunderttausend Fans in die Bundesligastadien. Sie essen und trinken, kaufen Fahnen, Wimpel, Schals und Trikots. Wenn sie zu einem Auswärtsspiel fahren, ist ihr Aufwand besonders hoch, sagt Stefan Ludwig: "Man gibt Geld aus für die Anfahrt, für Getränke, für die Unterkunft. Das ist ein enormer Faktor."

Die Fans sind das wichtigste Kapital der Bundesliga, keine Liga in Europa zieht so viele Zuschauer an. Während in England durchschnittlich 35.000 Zuschauer ein Erstligaspiel besuchen, sind es in Frankreich, Italien und Spanien zwischen 20.000 und 28.000. Die Bundesliga verzeichnet dagegen einen Zuschauerschnitt von 44.293 pro Spiel. Das ist in Europa einsame Spitze.

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