1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Erfolg nicht um jeden Preis

Das Spiel gegen Juventus Turin wurde zwar abgesagt, Bayer Leverkusen ist und bleibt aber stolzer Champions League-Zwischenrunde-Teilnehmer. Dennoch: der Erfolg macht den Chemiekonzern Bayer AG nicht verschwenderisch.

default

Profite für den Fussball?

Bayer Leverkusen hat es bis in die Zwischenrunde der Champions League geschafft. Das wegen Nebel abgesagte Spiel gegen Juventus Turin soll am nächsten Mittwoch (28. November 2001) nachgeholt werden.

Das Ziel von Leverkusens Manager Reiner Calmund wäre es, eine europäische Spitzenmannschaft zu formen, aber er weiß, dass das finanziell nicht möglich ist. "Die Bayer AG hat eine andere Philosophie. Sie will nicht mit der Dampfwalze im Sportsponsoring alles platt machen." Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Bayer-Team momentan in der Fußball- Bundesliga auf Platz eins steht und in der Champions League im exklusiven Kreis der 16 besten Clubs Europas mitspielt.

Finanziell kein europäischer Top-Club

Das auf rund 190 Millionen Mark geschätzte Umsatzvolumen der Fußball-GmbH, einer 100-prozentigen Bayer-Tochter, ist Ausdruck dieser Limitierung - im Vergleich sind die Summen fast "peanuts". Liga-Rivale Bayern München schloss das letzte Geschäftsjahr mit einem Umsatz von fast 339 Millionen Mark ab und spielt damit auf dem Finanzniveau des Kult-Clubs Manchester United. In welchen Dimensionen das Profi-Geschäft läuft, zeigt auch das Beispiel Juventus Turin. Weit mehr als 300 Millionen Mark investierte die zahlungskräftige "alte Tante" allein vor dieser Saison in neue Spieler, holte aber auch mit einem Schlag 146 Millionen durch den Verkauf von Superstar Zinedine Zidane an Real Madrid wieder rein.

35 Million Mark für drei Spieler

Bei Bayer gehen da schon Wintereinkäufe wie vor einem Jahr, als mit Lucio, Diego Placente und Dimitar Berbatow drei Akteure für 35 Millionen Mark verpflichtet wurden, an die Substanz. "Es geht nicht darum, Spieler wie Briefmarken zu sammeln", meint Meinolf Sprink, Sportbeauftragter der Bayer AG. Vielmehr gehöre es zur Vereinspolitik, Talente zu entdecken und sukzessive aufzubauen - und zu verkaufen. "In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wäre es auch nicht gut, wenn wir die Bundesliga aufkaufen wollten. Wir wollen nicht mit dem großen Bizeps spielen", ergänzt er. Etwas potenter wird man jedoch mit Blick auf Verstärkungen für die Saison 2002/2003 auftreten können. Schließlich wird durch die Erfolge in der Champions League (mindestens 60 Millionen Mark) und den möglichen Verkauf von Michael Ballack (etwa 30 Millionen Mark) die Bayer-Kasse überproportional gefüllt werden. "Ich bin mit dem Kader zufrieden, aber ich habe gesagt, ich will eine Mannschaft formen, die internationales Topformat hat", formulierte Bayer-Trainer Klaus Toppmöller jüngst seine Ansprüche.

Interessen des Konzerns

Um die Konkurrenzfähigkeit zu halten oder gar zu steigern, hat man aber auch im Bayer-Werk über Möglichkeiten nachgedacht, zusätzlich Geldquellen zu erschließen. Wenn die Preisspirale im Profi-Fußball sich weiter so drehen würde, "könne man darüber nachdenken, einen Partner ins Boot zu bekommen, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten", so Sprink vorsichtig. Bei allen zaghaften Überlegungen zu einer strategischen Partnerschaft müssten die Interessen des Konzerns berücksichtigt und auf die Image fördernde Wirkung beim Fußball geachtet werden. Bei der Bayer AG gebe es nicht zuletzt durch die Folgen des Debakels um den Cholesterinsenker "Lipobay" einige Baustellen. "Deshalb muss man wohldosiert vorgehen", warnt Sprink. "Der Aufsichtsrat von Bayer wäre im Moment nicht begeistert, wenn wir alles auf die Zwölf setzen würden." (im)