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Wissen & Umwelt

Erfolg mit Schatten

Mehr als 33 Millionen Menschen weltweit sind mit dem HI-Virus infiziert. Inzwischen gibt es Medikamente, die es in Schach halten. Wer Zugang dazu hat, kann heute lange mit dem Virus leben. Das wirft neue Probleme auf.

AIDS-Medikamente werden in einer Klinik in Nigeria ausgegeben (Foto: )

Eigentlich ist es eine Erfolgsgeschichte der Medizin. Nach der Entdeckung des AIDS-Virus haben Forscher innerhalb weniger Jahre Wirkstoffe gefunden und entwickelt, mit denen sich die Vermehrung des Virus im Körper unterdrücken lässt. AIDS ist zwar nicht heilbar, aber eine HIV-Infektion ist heute behandelbar. Der Ausbruch der Immunschwäche-Krankheit AIDS lässt sich über viele Jahre hinauszögern.

Blockade gegen Vermehrung

Mit Hilfe einer Kombination mehrere Wirkstoffe gelingt es, das AIDS-Virus daran zu hindern, sich zu vermehren. Die Wirkstoffe blockieren jeweils einen speziellen Schritt im Lebenszyklus des Virus. Doch diese Medikamente haben zahlreiche Nebenwirkungen. Gerade zu Beginn der Behandlung klagen Patienten oft über ganz unterschiedliche Probleme wie Durchfall, Müdigkeit, allergischen Hautreaktionen bis hin zu Gefühlsstörungen oder Nervenschmerzen. Und von einigen Wirkstoffen ist bekannt, dass sie den Fettstoffwechsel durcheinander bringen.

AIDS-Test in Ghana (Foto: dpa)

AIDS-Test in Ghana

Zwar können Ärzte inzwischen unter mehr als zwei Dutzend Medikamenten wählen, um eine gut wirksamen und dabei möglichst verträgliche Kombination zusammen zu stellen. Aber dennoch sind damit nicht alle Probleme gelöst. In den letzten Jahren haben Ärzte festgestellt, dass HIV-Patienten, die ihre Medikamente über Jahre einnehmen, ein höheres Risiko haben einen Herzinfarkt zu erleiden, als andere Menschen. Sie bekommen eher Probleme mit den Nieren, und ihr Risiko für bestimmte Krebserkrankungen steigt.

HIV beschleunigt das Altern

Doch das höhere Herzinfarkt-Risiko oder die erhöhte Anfälligkeit für die Zuckerkrankheit, den Alterdiabetes, lassen sich nicht ausschließlich mit den Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente erklären. Offenbar richtet das HI-Virus weiterhin Schäden im Körper an. Das AIDS-Virus lässt Menschen schneller altern. Auf diese Formel bringt der US-amerikanische Mediziner Prof. Peter Hunt von der Universität von Kalifornien in San Francisco das Phänomen.

Medikamente einer HIV-Infizierten (Foto: dpa)

Medikamentencocktail einer HIV-Infizierten

"Obwohl die Virus-Vermehrung durch die Medikamente erfolgreich unterdrückt wird, zeigen viele unserer Patienten Zeichen einer vorzeitigen Alterung. Und sie bekommen viele Krankheiten, die nichts mit AIDS zu tun haben, schon in jüngeren Jahren", sagt Peter Hunt. Was aber lässt die Alterungsprozesse im Zeitraffer ablaufen? Möglicherweise sind Entzündungsprozesse im Körper dafür verantwortlich. Aber was ist die Ursache für diese Entzündungsreaktion?

Dauerentzündung im Körper

Um das besser zu verstehen, verfolgen AIDS-Forscher mehrere Fährten. Ein Erklärungsmodell ist, dass die AIDS-Viren auch in Zellen ruhen, die sich nicht teilen. Werden diese Zellen aktiviert, dann setzen sie Viren frei, auf die das Immunsystem mit einer Art Entzündung reagiert. Denkbar ist auch, dass HIV-Infizierte auf andere Viren einfach heftiger reagieren, insbesondere auf das so genannte Cytomegalovirus aus der Familie der Herpes-Viren. Eine dritte Ursache für die latente Entzündung im Körper von HIV-Infizierten könnte aber auch im Darm zu finden sein. Zu Beginn der Infektion richtet das AIDS-Virus dort besonders große Schäden an.

Abbildung des HI-Virus (Foto: dpa)

Das Aids-Virus schwächt auf Dauer das Immunsystem

Möglicherweise ändert sich dadurch der Aufbau der schützenden Schleimhaut im Darm. Die Schleimhaut wird durchlässiger, winzige Bruchstücke von Bakterien können so in den Blutkreislauf gelangen. Auch das könnte Entzündungen verursachen. Für Peter Hunt von der Universität von Kalifornien in San Francisco ist klar, dass erst die Ursache für Entzündungen gefunden werden muss, bevor man gezielt gegensteuern kann. Dann wäre es vielleicht auch möglich, die vorzeitige Alterung von HIV-Patienten aufzuhalten.

Autor: Martin Winkelheide

Redaktion: Marlis Schaum

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