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Netzkultur

Erfolg durch Fotografie: Youtube-Star Benjamin Jaworskyj und Fotograf Pavel Kaplun zeigen, wie es geht

Das schnell geknipste Handyfoto ist das eine. Aber es gibt auch noch die echten Fotokünstler - etwa der Youtube-Star Ben Jaworskyj oder Pavel Kaplun. DW-Autorin Leonore Kratz hat sie auf der Kölner Photokina getroffen.

Fotografieren war noch nie so einfach wie heute, das Handy macht's möglich. Doch der Preis ist hoch. Noch nie wurden so viele Bilder geknipst. Noch nie verschwanden so viele Aufnahmen ungenutzt auf irgendwelchen Speichermedien. Ben Jaworskyj hat sich das Fotografieren nach dem Abi selbst beigebracht. Heute ist er ein Youtube-Star mit 200.000 Abonnenten. Sein Stand auf der Photokina, an dem Menschentrauben kleben, ist nicht zu übersehen.

Vor einem riesigen Landschaftsfoto - Jaworskyjs Spezialität - steht ein schwarzer, schmutziger Truck mit rotem #jaworskyj-Aufdruck und dem Nummernschild „B-EN“. Ruhe findet der 29-jährige Fotograf und Youtuber nur selten während der Photokina, der weltgrößten Fotografie-Messe in Köln. Wenn Ben gerade keinen Vortrag hält, signiert er beinahe pausenlos Poster und Bücher für seine Fans. Ob 17 oder 70 Jahre alt – sie alle wollen zu ihm.

Benjamin Jaworskyj hat es geschafft: Er veröffentlicht bis zu 70 Videos und Tutorials im Jahr, dazu kommen 50 Workshops, für die er zusammen mit Hobbyfotografen in den Schwarzwald oder nach Norwegen reist. Sein Kanal "jaworskyjpictures" wurde 2013 mit dem "Webvideo Preis" ausgezeichnet. Nebenbei hat er noch zwei Bücher geschrieben und verkauft Zubehör für Kameras.

Für die Videos reist der Fotograf zusammen mit seinem Kameramann um die ganze Welt, immer auf der Suche nach dem perfekten Landschaftsfoto, erzählt er im Interview mit der Deutschen Welle. "Du bist draußen, auf der Jagd nach dem Licht, es gibt schwierige Wege zu den passenden Locations, das alles kombiniert ist das, was mir am Ende Spaß macht."

Umwege gehören dazu

Aber Jaworskyjs Weg lief nicht immer nur gerade. Bis er mit der Fotografie Geld verdienen konnte, hat es eine Weile gedauert. "Nach dem Abi habe ich mich ein bisschen verloren gefühlt und habe erst mal viele Sachen ausprobiert und rumgejobbt", erinnert sich der Youtuber. Fotografie hätte ihn zwar damals schon interessiert, aber nur als Hobby. Durch einen Zufall landete der Wahlberliner dann bei JAM FM, einem damals kleinen Privatsender in der Hauptstadt. Erst war er Praktikant, später machte er ein Volontariat, zuletzt arbeitete er von Montag bis Samstag als Moderator.

Doch irgendetwas fehlte, weiß Ben heute. Er habe plötzlich gemerkt: "Okay, das ist schon ziemlich toll, aber vielleicht gibt’s ja auch noch andere Möglichkeiten, das zu verwirklichen, was ich mir vorher nicht vorstellen konnte." Also startete der damals 24-Jährige neben seiner 50-Stunden-Woche einen Youtube-Kanal, auf dem er anderen Menschen sein Wissen über das Fotografieren weitergeben wollte. "Das Spannende ist, das zu machen, was man möchte. Wenn du wirklich Lust darauf hast, dann gibt es keine Grenzen." In seinen Videos plaudert der gelernte Moderator locker und authentisch - seine Freude ist spürbar.

Screenshot von Benjamin Jaworskyjs Instagram-Account mit Fotos von einem Strand mit Strandkörben, einem Leoparden, einem Porträt des Fotografen und verschiedenen Wasserläufen (C) Instagram/Jaworskyj

Jaworskyjs Instagram-Account hat üppige 75.700 Abonnenten

Vor drei Jahren kam dann der Sprung ins kalte Wasser: Der Moderator kündigte seinen sicheren Job und konzentrierte sich mit voller Kraft auf seinen Youtube-Kanal. Geld sei ihm dabei nie wichtig gewesen, verrät Jaworskyj. "Du kannst in der Fotografie, genau wie in der Schauspielerei, sehr gutes Geld oder sehr wenig Geld verdienen. Das hängt von dir selber ab, wie du dich vermarktest und was du kannst." Dem gelernten Entertainer gelingt das ziemlich gut.

Fotografie und Lifestyle

Ähnlich wie Jaworskyj sieht es auch der Fotograf Pavel Kaplun. Sein Stand auf der Photokina befindet sich direkt neben dem von Ben. Auch hier ist der Publikumsandrang groß. Heute noch Geld mit Fotografie zu verdienen, sei verdammt schwer, sagt Kaplun, da es sehr viele gute Fotografen gebe. "Man muss mehrere Standbeine haben. Es ist wichtig, sich von der Masse abzuheben und was Besonderes anzubieten."

Porträt des Fotografen Pavel Kaplun. Copyright: Kreativstudio Pavel Kaplun

Pavel Kaplun will sich von der Masse abheben

Kaplun, der gerade erst für den Entertainer Jürgen von der Lippe Albumcover und Plakate gestaltet hat, gelingt das mit ausgefallenen Events. Er bietet Fotografie-Kurse an ungewöhnlichen Orten wie Kasinos oder privaten Schlössern an. "Unser Motto ist: Fotografie erleben, Kreativität genießen", sagt der russischstämmige Fotograf. Und so organisiert er auch gerne mal ein Gin- oder Whiskey-Tasting zum Fotokurs. "Wir bieten immer das an, was andere noch nicht haben."

Wichtig sei außerdem die Handschrift eines Fotografen, die einen von den anderen unterscheidet, findet Kaplun: Wie sehe ich die Motive, wie gestalte ich mein Bild, wie bearbeite ich es nach? "Wenn man sich eine Handschrift erarbeitet hat, ist man auf der sicheren Seite." Genau wie Jaworskyj betreibt auch Kaplun einen Online-Shop und verkauft Bücher, DVDs und sogar seinen eigenen Wein.

Auszeit und Auswandern

Benjamin Jaworskyj will nun erst mal einen Schritt zurücktreten, eine Auszeit nehmen. "Es gibt ja auch noch mehr als arbeiten auf der Welt", stellt der 29-Jährige klar. "Ich möchte ein ausgewogenes Leben haben und mein Leben auch genießen."

Eindrücke von der photokina 2016 in Köln. © picture-alliance/dpa/O. Berg

Eindrücke von der photokina 2016 in Köln

Darum verbringe er den November und Dezember auch nicht in Deutschland, sondern in einem warmen Land. Dort will er sich Gedanken machen, wie es weitergeht. Für das kommende Jahr hat Jaworskyj große Pläne und will auswandern. "Das ist schon ein längerer Traum von mir." Wohin die Reise geht, verrät er noch nicht. Aber eins sei klar, verspricht der Youtuber: Für die Zukunft hat er hat noch viele Ideen.

Die Photokina dauert noch bis 25. September. In diesem Jahr präsentieren rund 1.000 Aussteller ihre Produkte. Die Trends 2016: Virtual Reality, 360 Grad-Filme und alles rund ums mobile Fotografieren. Zu der weltgrößten Fachmesse, der Photokina in Köln werden bis zu 180.000 Besucher erwartet.

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