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Asien

"Erfolg der Ein-Kind-Politik"

Peking sollte seine Ein-Kind-Politik überdenken – meint die deutsche Presse nach den Zahlen der jüngsten Volkszählung in China. Dort allerdings werden die Ergebnisse des Zensus teilweise anders interpretiert.

Ein altes chinesisches Paar auf dem Tiananmen-Platz (Foto: AP)

Menschen über 60 machen mittlerweile gut 13 Prozent der chinesischen Bevölkerung aus

Chinas Gesellschaft altert rapide – und das wird langfristige Auswirkungen haben, meint beispielsweise die in Berlin erscheinende tageszeitung . Für die Kommentatorin macht der Zensus die fatalen Folgen der Ein-Kind-Politik deutlich:

"China hat sein Volk gezählt. Was herauskam, war nicht überraschend: Die Gesellschaft altert schnell. Doch die Ein-Kind-Politik wird trotzdem nicht aufgehoben: Chinas Regierung schaltet, wie in letzter Zeit wieder allzu oft, auf stur. Dabei ist es überfällig, diese Politik nicht nur aufzuweichen, sondern zu beenden. Altsein in China ist jetzt schon eine Strafe, weil immer weniger Junge immer mehr Alte nicht oder nur schlecht versorgen können. Noch mehr aber als die Alten leiden die Frauen unter der Geburtenkontrolle. Seit Mao steht ihnen offiziell die "Hälfte des Himmels", also die Gleichstellung, zu. Doch zur Ein-Kind-Politik gehören bis heute in China Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen. Die Geburtenkontrolle zieht außerdem ein katastrophales Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern nach sich. Der Zensus stellt fest: Nur 48,73 Prozent der Gesamtbevölkerung sind weiblich. Männliche Stammhalter haben wie vor hundert Jahren hundertmal mehr Wert. Weibliche Föten werden abgetrieben, weibliche Säuglinge getötet. Die "kleinen Könige", wie die Einzelkinder heißen, sind auf "Frauen-Import" angewiesen, zum Beispiel aus Vietnam."

Im letzten Absatz stellt die Kommentatorin der taz daher eine deutliche Forderung unter anderem auch an die Adresse der deutschen Bundesregierung:

"Der Westen muss in China auf die Aufhebung der Ein-Kind-Politik drängen, nicht auf die Einhaltung abstrakter Menschenrechte. Damit wäre mehr Personen geholfen als einem einzigen Künstler namens Ai Weiwei."

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmet sich dem Mammut-Zensus in China, bei dem im November sechs Millionen Volkszähler insgesamt 400 Millionen Haushalte besucht hatten. Das Blatt warnt:

"Die Ergebnisse der Volkszählung werden die Anforderungen an die Sozialsysteme ins Unermessliche wachsen lassen. Man wird sehen, ob die Zentralregierung das Problembewusstsein, das in Peking vorhanden ist, auch den Funktionären in den Kommunen und Regionen wird vermitteln können. Wegen der für nationale Minderheiten nicht geltenden Ein-Kind-Politik verschieben sich allmählich die ethnischen Gewichte."

Deutlich positiver wird das Ergebnis in China selbst kommentiert. So interpretiert die englischsprachige Zeitung China Daily die Tatsache, dass das Bevölkerungswachstum sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verlangsamt hat, als Erfolg – wenn auch nicht uneingeschränkt:

"Die zunehmende Belastung, die die alternde Gesellschaft mit sich bringt, ist ein Produkt der erfolgreichen Umsetzung der Ein-Kind-Politik. Gleichzeitig beunruhigt die Tatsache, dass der Bevölkerungsanteil der unter 14-jährigen drastisch schrumpft. Denn sie werden dem Land als Arbeitskräfte fehlen. Und das stellt für die nähere Zukunft eine Gefahr für das Wirtschaftswachstum Chinas dar. Die Volksrepublik muss definitiv an ihrer Taktik festhalten, die Geburtenrate relativ niedrig zu halten. Allerdings kann das Land es sich nicht leisten, dass das Bevölkerungswachstum so sehr zurückgeht wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten."

Und auch die englischsprachige Global Times spricht in Anbetracht der Ergebnisse von einer sich drohend abzeichnenden Krise:

"Chinas Familienpolitik hat das Bevölkerungswachstum effektiv verlangsamt. Aber gleichzeitig haben die schnell alternde Gesellschaft und das wachsende Ungleichgewicht der Geschlechter bei der Geburtenrate alarmierende Ausmaße erreicht und bedrohen die Entwicklung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft."

zusammengestellt von Esther Felden
Redaktion: Ana Lehmann