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Wirtschaft

Erfahren und krisenfest: Bahn-Chef gesucht

Nach dem Rücktritt von Bahnchef Mehdorn sucht die Bundesregierung nun eilig einen Nachfolger. Verkehrsminister Tiefensee sprach sich gegen eine Übergangslösung aus. Gewerkschaften fordern eine Neuausrichtung der Bahn.

Hartmut Mehdorn schlägt die linke Hand über dem Kopf zusammen, hinter ihm DB-Logo (Foto: dpa)

Gibt seinen Hut ab: Bahnchef Mehdorn

Die Nachfolge des zurückgetretenen Bahnchefs Hartmut Mehdorn bleibt offen: Ein Treffen des Kabinetts in der Nacht zu Mittwoch (01.04.2009) blieb ohne Ergebnis. Ohne Erklärungen verließen Kanzlerin Angela Merkel, ihr Stellvertreter Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und die übrigen Minister das Kanzleramt in Berlin.

Obwohl noch offen ist, wer Mehdorns Nachfolger werden könnte, ist die Zahl der möglichen Kandidaten aber überschaubar. Dabei werden immer wieder die Namen Norbert Bensel und Wilhelm Bender genannt. Der eine ist Chef der Logistik-Sparte der Deutschen Bahn, der andere scheidender Vorstandschef der Fraport AG, der Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt am Main.

Die Ansprüche an den oder die Neue(n) im Falle einer möglichen Doppelspitze sind groß: Auf jeden Fall viel Erfahrung mit der Führung eines großen Unternehmens müsse der neue Chef haben, erklärte Bundesverkehrsminister Tiefensee. Eine längere Einarbeitungszeit könne sich die neue Führungskraft angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise nicht erlauben.

Parteibuch unwichtig?

Wolfgang Tiefensee (Foto: ap)

Bundesverkehrsminister Tiefensee will keine Übergangslösung

Zweitrangig soll bei der Suche nach einem neuen Bahn-Chef die politische Meinung sein: "Wir werden nicht nach dem Parteibuch schauen", sagte Tiefensee. Parteipolitik solle die Große Koalition bei dieser Entscheidung nicht behindern: Tiefensee gehe davon aus, "dass wir relativ schnell eine gute, tragfähige Lösung präsentieren können".

Der Bundesverkehrsminister erklärte, der neue Bahn-Chef müsse möglichst schnell das Vertrauen der Kunden und Beschäftigten gewinnen. Deswegen sprach er sich auch klar gegen eine Übergangslösung aus: "Ich glaube, dass wir jetzt eine Person brauchen, die die Langfrist-Strategie im Blick hat", sagte Tiefensee.

Keine Privatisierung

Vorerst vom Tisch scheint die geplante Teilprivatisierung der Bahn: Die Zukunft des Börsengangs kommentierte SPD-Chef Franz Müntefering mit den Worten: "Da ist auf absehbare Zeit überhaupt kein Gedanke mehr dran." In der aktuellen Situation sei daran nicht zu denken, sagte er.

Fahrgastverbände und Gewerkschaften forderten nach dem Rücktritt Mehdorns eine völlige Neuausrichtung der Deutschen Bahn AG. Kernaufgabe der Bahn sei es, "den Kunden guten Service, gute Züge und ein engmaschiges Schienennetz zu bieten", erklärte der Fahrgastverband Pro Bahn. Die Bahn müsse aufhören, sich nur als Weltkonzern für Logistik zu verstehen.

Auch der Verkehrsclub Deutschland forderte, das Schienennetz wieder flächendeckend auszubauen. Zu viele Orte seien von der Bahn abgehängt worden, so eine Sprecherin. Sie warf Mehdorn schwere Fehler vor.

Weitere Rücktritte?

Frank Bsirske vor Mikrofonen (Foto: ap)

ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske will eine Neuausrichtung der Bahn

Der Rücktritt Mehrdorns sei "Anlass für einen grundsätzlichen Kurswechsel", forderte auch Verdi-Chef Frank Bsirske. "Eine überwältigende Mehrheit der Bürger ist gegen eine Privatisierung", betonte er.

Bsirske unterstrich auch den notwendigen Schutz der Beschäftigten vor Ausforschung angesichts der aktuellen Datenaffäre bei der Bahn. Transnet-Chef Alexander Kirchner unterstützte dies. Er schloss sogar weitere personelle Konsequenzen auf der Führungsebene nicht aus. Nach Informationen aus dem "Handelsblatt" will nach Mehdorn auch Finanzvorstand Diethelm Sack die Bahn verlassen. (bea/wa/ako/je/dpa/ap/afp)

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