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Deutsch-türkischer Streit um Deniz Yücel

Erdogan schließt Freilassung Yücels aus

Der Journalist werde, so lange er als Präsident im Amt sei, auf keinen Fall an Deutschland überstellt, sagte der türkische Staatschef. Deniz Yücel nannte er erneut einen Agenten und Terroristen.

Hoffnung auf eine mögliche Überstellung in die Bundesrepublik gibt es für den in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel nicht. Das machte Präsident Recep Tayyip Erdogan deutlich. Dem Sender TGRT in Istanbul sagte Erdogan, Deutschland verweigere die Auslieferung türkischer Staatsbürger. Daher würden Deutsche wie Yücel auch nicht überstellt. "Wenn einer von denen uns in die Hände fällt, werden sie dieselbe Behandlung erfahren." Erdogan nahm damit Bezug auf den von Seiten der Türkei mehrfach erhobenen Vorwurf, dass Deutschland keine türkischen Terrorverdächtigen ausliefert.

Niemals!

Zu einer Freilassung Yücels sagte er wörtlich: "Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals." Es lägen Beweise vor, dass Yücel Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gehabt habe. "Uns liegt Bildmaterial und das alles vor." Erdogan bezeichnete Yücel erneut als "Agenten und Terroristen". Die genannten Beweise für die Vorwürfe legten bislang weder die türkische Justiz noch der Präsident vor.

Mehr als 60 Tage in Einzelhaft

Der Journalist, der die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft hat und für die Tageszeitung "Die Welt" arbeitet, sitzt seit Ende Februar in einer Einzelzelle in Untersuchungshaft, die in der Türkei fünf Jahre dauern kann. Als "Welt"-Korrespondent hat Yücel scharf die autokratische Politik des türkischen Staatschefs gegeißelt, der sich an diesem Sonntag per Referendum weitere Machtbefugnisse geben lassen will.

Die Justizbehörden werfen dem 43-Jährigen wegen seiner Artikel über den gescheiterten Militärputsch im Sommer 2016 und den Kurdenkonflikt "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" vor.  Yücel, seine Zeitung und die Bundesregierung haben diese Vorwürfe als aus der Luft gegriffen zurückgewiesen. Die Bundesregierung fordert die Freilassung des Korrespondenten. Nach wochenlangem Ringen durfte vergangene Woche erstmals ein deutscher Diplomat Yücel in dessen Zelle besuchen.

Flörsheim kämpft weiter für Yücels Freilassung

Aus Solidarität mit Yücel haben am Donnerstagabend im hessischen Flörsheim erneut Dutzende Menschen an einer Mahnwache teilgenommen (Artikelbild). Seine Eltern und Schwester leben in dem Ort.

qu/wa/kle (dpa)

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