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Deutschland

Erdogan dankt deutschen Brandhelfern

Nach der Kritik der letzten Tage fand der türkische Ministerpräsident vor dem von Türken bewohnten Unglückshaus in Ludwigshafen versöhnliche Worte. Die Suche nach der Brandursache mit neun Toten bleibt weiter schwierig.

Erdogan am Ort der Katastrophe (Foto: AP)

Am Ort der Katastrophe

Nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen haben deutsche und türkische Politiker zu Besonnenheit gemahnt. Bei einem Besuch am Unglücksort dankte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstagabend (7.2.2008) den deutschen Rettungskräften ausdrücklich für ihren Einsatz.

Er war gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Nach den Verstimmungen, Verdächtigungen und Spekulationen der vergangenen Tagen schlug er versöhnliche Töne an. Erdogan sagte: "Lassen Sie uns alle helfen, die Freundschaft der Türkei zu Deutschland zu stärken."

Katastrophe oder ausländerfeindlicher Anschlag?

Die Ursache der Katastrophe war auch nach vier Tagen noch nicht geklärt. Die Ermittler schließen sowohl einen technischen Defekt als auch Brandstiftung nicht aus. Bei dem Brand in einem von Türken bewohnten Haus waren am Sonntag neun Menschen ums Leben gekommen, darunter fünf Kinder. 60 Personen wurden verletzt. Besonders in der Türkei wird darüber spekuliert, dass die Katastrophe einen ausländerfeindlichen Hintergrund haben könnte.

Als Indizien dafür gelten die Aussagen von zwei Mädchen, die einen Mann am Tatort beobachtet haben wollen, sowie Nazi-Schmierereien, die in dem ausgebrannten Eckhaus entdeckt wurden. Außerdem wurde auf das Haus im August 2006 ein Anschlag verübt.

Erdogan dankt den Feuerwehrleuten

Besonders genau dürften viele Einsatzkräfte der Ludwigshafener Feuerwehr den Worten Erdogans zugehört haben. Es hatte in den vergangenen Tagen heftige Kritik an ihrer Arbeit gegeben. Vorgeworfen wurde der Feuerwehr unter anderem, zu spät gekommen zu sein. Dabei standen die Löschzüge am Sonntag innerhalb von Minuten vor dem brennenden Haus. Erdogan dankte nun der deutschen Polizei und Feuerwehr. Der Regierungschef betonte, sie hätten alles getan, was in ihrer Kraft gelegen habe. Der Schmerz sei groß, aber ohne das Engagement der Polizei und Feuerwehr wäre es noch größer gewesen, sagte er mit Blick auf die aus dem Haus geretteten Menschen.

Erdogan hofft nun, "dass die Ermittlungen sehr sorgfältig und sehr schnell durchgeführt werden". Die Staatsanwaltschaft dämpfte allerdings Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch. Erdogan, der in Ludwigshafen von mehr als tausend Menschen mit viel Beifall empfangen wurde, sprach auch mit Hinterbliebenen.

Schäuble: "Wir fühlen uns genauso betroffen"

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" vom Donnerstag vor falschen Verdächtigungen. Mit Blick auf die Reaktionen in der Türkei sagte er: "Wir fühlen uns genauso betroffen, dass neun Menschen ums Leben gekommen sind, die bei uns gelebt haben. Wir sind in unserer Betroffenheit über Todesopfer nicht von der Staatsangehörigkeit abhängig." (kap)

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