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Aktuell Europa

Erdogan-Berater tritt auf Demonstranten ein

Nach dem schlimmsten Bergwerksunglück in der Geschichte der Türkei ist die Regierung unter Druck geraten. Tausende Menschen fordern ihren Rücktritt. Ein Berater von Ministerpräsident Erdogan heizt die Empörung weiter an.

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Grubenunglück: Gunnar Köhne in Soma

Die massiven Proteste gegen die türkische Regierung nach dem schweren Grubenunglück in Soma sind mit einer Demonstration in Izmir fortgesetzt worden. Die Polizei ging mit Tränengas gegen rund 20.000 Demonstranten in der westtürkischen Stadt vor, wie die Nachrichtenagentur Dogan meldete. Bei den Zusammenstößen sei der Vorsitzende der Gewerkschaft DISK, Kani Beko, verletzt worden. Er werde im Krankenhaus behandelt. Beko hatte das Unglück gestern als "Massenmord" bezeichnet.

Tritte gegen Demonstranten

Die Regierung ist wegen des schwersten Grubenunglücks in der Geschichte der Türkei mit mehr als 280 Toten unter großen Druck geraten. Kritiker werfen ihr vor, trotz Sicherheitsbedenken eine schützende Hand über das Kohlebergwerk gehalten zu haben.

Mit Tritten auf einen am Boden liegenden Demonstranten am Ort des Grubenunglücks in Soma hat ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan die Empörung weiter angeheizt. Auf einem über soziale Medien verbreiteten Foto ist zu sehen, wie Berater Yusuf Yerkel zum Tritt ausholt, während zwei Sicherheitskräfte einen Mann am Boden festhalten.

Yerkel hatte am Mittwoch Erdogan bei einem Besuch in Soma begleitet. Dabei war es zu Buh-Rufen und Protesten gegen den Ministerpräsidenten gekommen. Yerkel bestätigte dem türkischen Dienst der BBC, dass er auf dem Bild zu sehen sei. Türkischen Medienberichten zufolge sagte Yerkel, bei dem Mann habe es sich um einen militanten Linken gehandelt, der ihn und Erdogan angegriffen und beleidigt habe.

Erdogan muss in Supermarkt flüchten

In der Hauptstadt Ankara und in der Metropole Istanbul hatten am Mittwochabend Tausende Menschen wegen des Grubenunglücks den Rücktritt der Regierung gefordert. In Soma musste Ministerpräsident Erdogan unter Polizeischutz vor wütenden Demonstranten in einen Supermarkt flüchten.

Als Reaktion auf das Grubenunglück haben die türkischen Gewerkschaften zu einer landesweiten Arbeitsniederlegung aufgerufen. Die Beschäftigten sollen die Arbeit ruhen lassen, wie die vier Gewerkschaftsverbände mitteilten. "Hunderte unserer Kollegen in Soma wurden von Anfang an dem Tod überlassen, indem sie gezwungen wurden, unter brutalen Arbeitsbedingungen zu schuften, damit die höchsten Gewinne erreicht werden", heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaften.

Bei dem Grubenunglück in Soma handelt es sich um das schwerste Unglück dieser Art in der Geschichte der Türkei. Mittlerweile ist die offizielle Zahl der Toten auf 282 gestiegen. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Soma Holding wurden insgesamt 450 Kumpel lebend gerettet. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Feuers befanden sich nach Angaben des Energieministers Taner Yildiz 787 Kumpel in der Grube.

Staatspräsident Abdullah Gül sagte bei einem Besuch an der Unglückszeche Aufklärung zu. "Die Untersuchungen haben schon begonnen", sagte er. Den Angehörigen sprach er sein Beileid aus: "Es ist ein großer Schmerz, und es ist unser aller Schmerz."

cr / pg (afp, dpa, rtr)

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