Erdoğan versteht keinen Spaß | Top-Thema – Podcast | DW | 01.04.2016
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Top-Thema – Podcast

Erdoğan versteht keinen Spaß

Seit Recep Tayyip Erdoğan Präsident ist, bekommen viele kritische Journalisten in der Türkei Probleme. Jetzt hat die türkische Regierung sogar versucht, das deutsche Fernsehen zu beeinflussen. ‎

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Erdogan versteht keinen Spaß - das Top-Thema als MP3

Eine Satiresendung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) vom März 2016 stört die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Die Sendung hat sich mit einem kritischen Lied über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan lustig gemacht. „Ein Journalist, der was verfasst, das Erdoğan nicht passt, ist morgen schon im Knast“, heißt es. Oder: „Gleiche Rechte für die Frauen. Die werden auch verhauen.“ Im Video dazu sind Bilder von Polizeigewalt gegen eine Frauendemonstration zu sehen.

Wegen der TV-Satire wurde der deutsche Botschafter in das Außenministerium in Ankara einbestellt. Ankara forderte, dass das Video nicht mehr gezeigt wird. Der deutsche Botschafter erklärte, dass der Schutz der Presse- und Meinungsfreiheit für Deutschland sehr wichtig ist und „es deshalb weder eine Notwendigkeit noch die Möglichkeit für ein Handeln der Bundesregierung gibt.“

In Deutschland kritisierten alle wichtigen Parteien das Verhalten der türkischen Regierung. Sie verurteilten, dass nach türkischen Journalisten nun auch deren deutsche Kollegen und sogar Diplomaten unter Druck gesetzt werden. Die Opposition forderte von der Bundesregierung, dass sie sich gegenüber der Türkei aktiver für Pressefreiheit einsetzt.

Ihr Ziel hat die türkische Regierung nicht erreicht, im Gegenteil: Mit ihrer Reaktion hat sie großes Interesse an der Satire geweckt. Die Redaktion der Satiresendung veröffentlichte deshalb ein Bild Erdoğans mit der Überschrift „Mitarbeiter des Monats“ und bietet jetzt auch englische und türkische Untertitel für den Film an. Das Video wurde im Internet inzwischen von mehreren Millionen Menschen angesehen.



Glossar

keinen Spaß verstehen
– humorlos sein, nicht tolerant sein, mit großer Wut auf etwas reagieren

Satire, -n (f.) – eine Ausdrucksform in der Kunst, in der etwas mit Witz und Ironie kritisiert wird

sich über jemanden/etwas lustig machen – über jemanden/etwas Witze machen, so dass man darüber/über jemanden lacht

etwas verfassen – einen Text schreiben

Knast, Knäste (m.) – umgangssprachlich: das Gefängnis

jemanden verhauen – umgangssprachlich: jemanden oft hintereinander schlagen

Botschafter, -/Botschafterin, -nen – jemand, der sein Land in einem anderen Land politisch vertritt

Außenministerium, -en (n.) – das Ministerium für die internationale Politik des Landes

jemanden ein|bestellen – politische/amtliche Sprache: sagen, dass jemand kommen soll, zum Beispiel vor ein Gericht

Pressefreiheit (f. nur Singular) – das Recht der Medien, frei über Ereignisse zu berichten

Meinungsfreiheit (f. nur Singular) – das Recht, zu sagen, was man denkt

verurteilen – hier: stark kritisieren

Diplomat, -en/Diplomatin – jemand, der sein Land im Ausland vertritt

unter Druck setzen – versuchen, jemanden zu etwas zu zwingen

sich für etwas ein|setzen – für etwas kämpfen

Interesse wecken – neugierig machen

Redaktion, -en (f.) – das Team von Journalisten einer Zeitung oder eines Senders

Untertitel, - (m.) – Text unter einem Film



Fragen zum Text

1. Worüber ist die türkische Regierung wütend?
a) Ein Botschafter wurde ins Außenministerium einbestellt.
b) Ein Journalist ist ins Gefängnis gekommen.
c) Eine Fernsehsendung hat Witze über den Präsidenten gemacht.

2. Was meinte der deutsche Botschafter?
a) Leider kann die deutsche Regierung nichts machen.
b) Die deutsche Regierung muss und kann nichts tun.
c) Die Verstimmung der deutschen Regierung ist genau so groß wie in der Türkei.

3. Was meinten die deutschen Parteien?
a) Türkische Journalisten sind schlimmer als deutsche.
b) Statt der Journalisten sollten Diplomaten unter Druck gesetzt werden.
c) Die Türkei soll weder Journalisten noch Diplomaten unter Druck setzen.

4. Wie kann man diesen Satz NICHT beenden? Ankara forderte, ...
a) das Video nicht mehr zeigen.
b) dass das Video nicht mehr gezeigt wird.
c) das Video nicht mehr zu zeigen.

5. Wie kann man folgenden Satz beenden? Die Regierung kann …
a) dass das Video verboten wird.
b) das Video nicht zu verbieten.
c) das Video nicht verbieten.

Arbeitsauftrag
Was meint ihr? Soll es erlaubt sein, Politiker satirisch zu kritisieren? Gibt es dafür Grenzen?

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