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Asien

Erdbebensicherheit in Japan

100. 000 Mal im Jahr bebt in Japan die Erde. Erst am Mittwoch (09.03.2011) wackelten wieder Häuser. Japan investiert in Technik, die schützen soll. Ein starkes Beben in Tokio hätte trotzdem schlimme Folgen.

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Ein starkes Erdbeben in Tokio könnte verheerende Folgen haben

Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen in Tokio Hauptbahnhof

Wenn die Erde bebt, hält der Shinkansen automatisch an

Wenn die sms kommt, bleiben gut fünf Sekunden. Fünf Sekunden, um etwa unter einen Tisch zu krabbeln und sich dort vor herabfallenden Gegenständen zu schützen. Seit vier Jahren hat Japan ein flächendeckendes Alarmsystem: über die Rundfunksender und Mobilfunkanbieter schickt das japanische Wetteramt seither automatisch eine Erdbeben-Warnung an die Bürger. Das System basiert auf dem Phänomen, dass Erdbeben aus zwei Arten von Wellen bestehen: den P-Wellen und den darauf folgenden, zerstörerischen S-Wellen. Die japanische Technik kann die P-Wellen wahrnehmen und blitzschnell vor den rund fünf Sekunden später auftretenden S-Wellen warnen.

Das Erdbeben in Kobe schreckte die Japaner auf

Erdbeben in Kobe Japan 1995

Brücken und Häuser kollabierten, als 1995 ein Erdbeben Kobe erschütterte

In Japan wackelt die Erde rund 100. 000 Mal im Jahr. Erst am Mittwoch (09.03.2011) kam es in der Präfektur Aomori zu einem Beben der Stärke 7,3 auf der nach oben offenen Richterskala. Das Beben verlief glimpflich, verletzt wurde niemand. 1995, bei dem schweren Erdbeben in Kobe, war das anders. Rund 6000 Personen starben damals. "Erdbeben an sich verursachen keine Erdbebentote. Die Menschen sterben, weil Häuser zusammenbrechen oder weil sie von herabfallenden Gegenständen erschlagen werden," sagt Gottfried Grünthal, Seismologe am Geoforschungszentrum in Potsdam. Nach der Katastrophe in Kobe hat die japanische Regierung massiv in den Ausbau der Technik investiert: Die Elektronik der Shinkansen-Schnellzüge ist mittlerweile mit dem Erdbebenregistrier-System verbunden: die Züge, die mit Höchstgeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometer durch das Land brausen, werden bei einem starken Beben automatisch zum Halten gebracht. Hinzu kommen statische oder bauliche Besonderheiten bei Brücken oder Häusern: elastische Gebäudekonstruktionen schwingen mit den Erdstößen mit, manch ein Hochhaus in Tokio fußt auf einer Art Dämpfer, der die Erdbebenwellen ebenfalls aufnimmt.

In Tokio tickt die Zeitbombe

Erdbeben in Japan

Experten meinen: Japaner müssen sich noch besser gegen Erdbeben schützen

Dennoch tickt in Tokio eine Zeitbombe: Denn ein großes Erdbeben wird in den nächsten Jahren auch für Japans Hauptstadt mit ihren rund 30 Millionen Einwohnern erwartet "Diese Angst ist absolut berechtigt und eine ganz große Gefahr", sagt Grünthal. Nach Schätzungen der japanischen Regierung könnte ein Beben Schäden von bis zu einer Billion Euro anrichten: "Japan hat zwar ausgefallene Techniken, um Gebäude erdbebensicher zu machen. Aber die ist teuer und wird nur für ausgewählte Häuser genutzt", erläutert der Wissenschaftler. Auch in Tokio könnten hunderttausende Häuser einstürzen, befürchtet Grünthal.

Die Technik kann Menschen schützen

Deshalb muss die Technik so schnell wie möglich noch weiter ausgebaut werden: "Leider können wir Erdbeben noch immer nicht vorhersagen," bedauert Grünthal. "Das wäre so, als könnte man in einem Gewitter bestimmen, wann und wo der nächste Blitz einschlägt. Aber so weit sind wir noch nicht." Seiner Meinung nach ist es deswegen unerlässlich, die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben für bestimmte Regionen noch genauer zu bestimmen. Denn wenn die Menschen wissen, wie hoch die tatsächliche Bedrohung ist, sind sie vielleicht auch bereit, weiterhin in teure Maßnahmen zu investieren.

Autorin: Silke Ballweg

Redaktion: Miriam Klaussner