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Afrika

Erbitterter Wettlauf gegen den Hunger

Kaum hat sich Ostafrika von der Hungerkatastrophe erholt, droht nun eine neue Dürre in Westafrika. Vereinte Nationen, Europäische Union und die Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS wollen handeln.

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass die Vereinten Nationen die Hungerkatastrophe in Ostafrika für beendet erklärt haben, da droht schon die nächste Krise. Jetzt ist es der Westen der Sahelzone. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) haben die Länder Niger, Tschad, Burkina Faso, Mauretanien, Mali und Senegal den Notstand ausgerufen. Grund dafür sind die anhaltende Dürre und die hohen Lebensmittelpreise. Insgesamt 12 Millionen Menschen sind betroffen. "Es gibt eine Dürre, aber noch keine Hungersnot. Die kann noch verhindert werden. Dafür haben wir zwei, vielleicht drei Monate Zeit. Aber nicht mehr", erklärte der Direktor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), José Graziano da Silva, am Mittwoch (15.02.2012) bei einem Krisengipfel in Rom.

Unterernährtes Kind in Gesundheitszentrum in Gode/ Südostäthiopien (Foto: dpa)

Lehren aus der Vergangenheit: Dürre am Horn von Afrika

Auch die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hat reagiert. Auf einem Gipfel in der nigerianischen Hauptstadt Abuja einigten sich die Vertreter am Donnerstag (16.02.2012) auf eine Spende von 2,3 Millionen Euro für die Opfer der Nahrungsmittelkrise im Sahel.

Rund 560 Millionen Euro, so hat es das Welternährungsprogramm kalkuliert, brauche man dieses Jahr, um eine Hungerkatastrophe in der Dürreregion in der westafrikanischen Sahelzone abzuwenden. Das Geld soll rund eine Million Kinder unter zwei Jahren und eine halbe Million schwangere Frauen ernähren, die akut von Unterernährung bedroht sind.

Auch Deutschland beteiligt sich mit 12 Millionen Euro an der Notversorgung der hungernden Menschen. Das Auswärtige Amt und das Bundesentwicklungsministerium teilten in Berlin mit, ein Großteil des Geldes gehe an das UN-Welternährungsprogramm, weitere Mittel an deutsche Hilfsorganisationen in der Region und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. “Wir lassen die Menschen in ihrer Not nicht im Stich", so Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel.

Schnelle Hilfe und langfristige Lösungen

Ein Sack Getreide vom Welternährungsprogramm WFP (Foto: AP)

Lebensmittelhilfe des Welternährungsprogramms

Eine der deutschen Hilfsorganisationen vor Ort ist "Brot für die Welt". Sie ist unter anderem im Tschad und im Niger tätig. “Es ist wichtig, die Menschen, die kein Essen und kein Saatgut mehr zur Verfügung haben, für die Zukunft zu wappnen, damit sie in ihren Dörfern bleiben und nicht zu Flüchtlingen werden", erklärt der Pressesprecher von "Brot für die Welt", Rainer Lang. "Sonst müssen sie in einem Lager oder in einer großen Stadt versorgt werden."

Denn aus Fehlern will man lernen. Während der Krise am Horn von Afrika hat es in den vergangenen zwei Jahren Millionen Flüchtlinge gegeben. Nach Rainer Lang sollten die Menschen auch in einer solchen Notsituation so selbstständig wie möglich bleiben und sich mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen selbst versorgen können.

Zudem müsse man langfristige Lösungen für die Region finden. "Brot für die Welt" sorge für eine verbesserte Vorratsspeicherung in den betroffenen Regionen und verbreite spezielles dürreresistentes Saatgut. "Somit kommen die Menschen jetzt besser mit der Dürre zurecht", so Lang.

Auch EU-Kommissarin Kristalina Georgieva ist dieser Ansicht: “Wenn wir in der Sahel-Zone erfolgreich sein wollen, müssen wir über den aktuellen Bedarf hinaus die Region für solche Notfälle resistenter machen.“

Die dritte Dürre in einem Jahrzehnt

Ein Arbeiter entlädt einen LKW mit Getreidelieferungen des WFP (Foto: AP)

Verteilung von Lebensmitteln in Niger (2005)

Laut Welternährungsprogramm ist die aktuelle Dürre in Westafrika bereits die dritte in einem Jahrzehnt. Während in den beiden letzten Dürren 2005 und 2010 hauptsächlich die Länder Niger und Tschad betroffen waren, hat sich die diesjährige Hungerkrise auf die gesamte Region vom Tschad bis zum Atlantischen Ozean ausgebreitet.

In der Sahelzone gibt es nur einmal pro Jahr eine Regenphase. Letztes Jahr kam diese sehr spät und war unbeständig. Dadurch fiel die Ernte geringer aus als gewöhnlich, das Vieh starb und die Menschen hatten weniger Nahrung. Sie begannen, ihr Saatgut zu essen. Hinzu kommt, dass im Vergleich zum Jahr 2010 Nahrungsmittel wesentlich teurer geworden sind. Im Niger ist die Lage besonders kritisch, weil sich die Menschen von der letzten Dürre 2010 noch nicht erholt haben. Zudem haben sie weniger Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können.

Ein Dorf der Dogon in Mali (Foto: EPA)

Zentral-Mali hat Erfahrung mit häufigen Dürreperioden

Überraschend kommt die Nachricht von der Dürre nicht. Bereits im November 2011 hatte das Welternährungsprogramm vor einer Hungerkrise im Sahel gewarnt. Vier Monate ist nichts geschehen. Allahta Ngariban ist Vertreter von "Brot für die Welt" in N'djamena im Tschad. Er kritisiert die Tatenlosigkeit der Politik: “Wir sind jedes Jahr auf eine solche Krise gefasst. Eigentlich müssten wir besser vorbereitet sein. Aber unglücklicherweise ist das nicht der Fall. Die zuständige Politik hat einfach versagt.“

Anfang des Jahres geriet die internationale Gemeinschaft schon einmal in die Kritik. Die britischen Hilfsorganisationen "Save the Children" und "Oxfam" warfen der Gemeinschaft vor, auf die Krise am Horn von Afrika zu spät reagiert zu haben. Nach Angaben von Hilfswerken verhungerten dadurch in Kenia, Somalia und Äthiopien zwischen 50.000 und 100.000 Menschen.

Autorin: Claudia Zeisel
Redaktion: Stefanie Duckstein

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