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Aktuell Welt

Erbitterter Kampf um Aleppo

In Aleppo läuft die seit Tagen erwartete Großoffensive der syrischen Armee. Das Assad-Regime will die Stadt von den Rebellen zurückerobern. Aktivisten sprechen von den schwersten Kämpfen seit Beginn der Revolte.

Unterstützt von Flugzeugen, Helikoptern und schwerer Artillerie rücken Panzer und Soldaten gegen die Stellungen der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA) vor. Aktivisten berichteten von heftigen Kämpfen vor allem im südwestlichen Außenbezirk Salaheddin. Gefechte wurden auch aus anderen von der FSA beherrschten Stadtteilen gemeldet.

Kampfflugzeuge der syrischen Armee beschossen Aleppo den Angaben zufolge aus der Luft. Außerdem seien gepanzerte Fahrzeuge in Stellung für einen Sturm auf die Stadt in Stellung gebracht worden.

Unklare Gefechtslage

#video#Laut Rebellen ist es den Assad-Truppen noch nicht gelungen, in die von ihnen gehaltenen Viertel einzudringen. Das staatliche Fernsehen meldete unterdessen, die Regierungssoldaten hätten "Gruppen von Terroristen" schwere Verluste zugefügt. Die Informationen lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, weil die Medien in Syrien nur sehr eingeschränkt arbeiten können.

Die regierungstreue Zeitung "Al Watan" bezeichnete die Kämpfe als "Mutter aller Schlachten". Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach von den bisher schwersten Kämpfen seit dem Ausbruch des Aufstands gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad im März 2011.

Strategisch bedeutende Metropole

Verbände der Rebellen waren erstmals vor gut einer Woche in Aleppo eingerückt und hatten mehrere Stadtbezirke unter ihre Kontrolle gebracht. Die Millionenstadt und Geschäftsmetropole ist nur 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Wegen der strategischen Bedeutung Aleppos liegt dem Regime viel daran, die Rebellen von dort zu vertreiben. In den vergangenen Tagen hatte es Tausende Soldaten aus anderen Landesteilen zusammengezogen und vor Aleppo in Stellung gebracht. Aber auch die FSA verstärkte sich mit zusätzlichen Kämpfern, vor allem aus der Nachbarprovinz Idlib.

Die Kämpfe in Aleppo strahlen auch auf den benachbarten, ohnehin instabilen Libanon aus. In der nördlichen Küstenstadt Tripoli stießen Anhänger und Gegner des syrischen Regimes zusammen.

"Internationale Gemeinschaft muss handeln"

Syrien-Sondervermittler Kofi Annan und Frankreichs Präsident Francois Hollande mahnten bei der Weltgemeinschaft ein gemeinsames Vorgehen an. Die Vereinten Nationen müssten so schnell wie möglich handeln, denn "Assad wird bis zum Ende Gewalt anwenden", sagte Hollande. Die Arabische Liga appellierte an die Regierung in Damaskus, den "Kreislauf des Tötens und der Gewalt zu stoppen und die Belagerung syrischer Wohnviertel zu beenden".

Russland, ein langjähriger Verbündeter der syrischen Regierung, warnte vor einer drohenden Tragödie in Aleppo. Gleichzeitig erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow jedoch, es sei unrealistisch, von den syrischen Streitkräften zu erwarten, dass sie tatenlos zusähen, wie die Rebellen wichtige Städte einnehmen.

Der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu sagte, dass das Regime eine Stadt zerstöre, zeige, welches Ausmaß die Unterdrückung in Syrien erreicht habe.

Kurden wittern Morgenluft

Die in Syrien seit Jahrzehnten unterdrückten Kurden erlangen derweil ungeahnte Freiheiten. Denn unter dem Druck des Aufstands zieht die Führung um Assad Truppen aus dem Kurdengebiet in die Kampfzonen ab.

Nach Medienberichten fallen die syrischen Kurden nun teilweise unter den Einfluss der in der benachbarten Türkei aktiven Guerillatruppe der PKK, die von der Türkei als Terrororganisation bekämpft wird. Angeblich haben einige Gruppierungen den Plan gefasst, mit Assad über einen Kurdenstaat in Nordsyrien zu verhandeln.

gri/wl/se (dpa, dapd, rtr, afp)