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Kultur

Erbauung durch Entbehrung

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen oder trinken, dazu Enthaltsamkeit tagsüber – für Muslime weltweit ist dies jetzt wieder Realität. Denn der islamische Fastenmonat Ramadan hat begonnen.

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Beten und Fasten

In Deutschland leben rund 3,4 Millionen Muslime. Etwa die Hälfte feiert nach Schätzungen des Zentralrats der Muslime in Deutschland den Fastenmonat Ramadan. Weltweit fasten über eine Milliarde Muslime. Während in islamischen Ländern das ganze öffentliche Leben dem Ramadan angepasst wird, bemerkt man auf Deutschlands Straßen nicht, dass der Fastenmonat begonnen hat. Außerdem gebe es das Gerücht, nur Muslime dürften an den Zeremonien des Ramadan teilnehmen: "Fastenbrechen ist keine geschlossene Veranstaltung. Es finden viele Fastenbrechen auch zusammen mit Nicht-Muslimen statt", betont Aiman Mazyek, Pressesprecher des Zentralrats der Muslime in Deutschland, im Gespräch mit DW-WOLRD.

Der Mond bestimmt den Ramadan

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders, der sich nach dem Mond richtet. Daher verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um zehn bis elf Tage nach hinten und durchschreitet so allmählich die Jahreszeiten. Nicht immer ist sich die islamische Welt einig, wann der Fastenmonat genau beginnt. In Libyen aus hat der Ramadan bereits am Dienstag (06.11.02) begonnen – die Libyer behaupten, schon vor allen anderen die neue Mondsichel gesichtet zu haben, die den Ramadan einläutet.

In Deutschland legt eine Expertenrunde, der "Deutsche islam-wissenschaftliche Ausschuss der Neumonde" (DIWAN), fest, wann der Fastenmonat beginnt, und stimmt sich dann mit den europäischen Kollegen aus Frankreich, Spanien und Holland ab. Dieses Jahr wurde der Ramadan-Beginn zum ersten Mal aus einer Mischung von astronomischen Berechnungen und der tatsächlichen Sichtbarkeit der schmalen Mondsichel nach der Neumondnacht bestimmt.

Fasten: Säule des Islams

Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams und gehört zu den Hauptpflichten eines Muslims. Die vier anderen Säulen sind das Bezeugen der Einheit Gottes und der Prophetenschaft Muhammads, das täglich fünfmalige Gebet, die Pilgerfahrt nach Mekka und das Entrichten der Zakat, einer Almosenspende. Im Ramadan soll der Fastende seine Seele reinigen und sich seines Glaubens vergewissern:

Fasten als Dialog zwischen dem einzelnen und Gott. Doch auch die Gemeinschaft der Muslime rückt näher zusammen, so Mazyek: "Im Ramadan ist das Gemeindeleben am pulsieren. Es ist ein gesellschaftliches Ereignis. Man sieht sich jeden Tag in der Moschee und redet viel miteinander." Auch viele der jüngeren Leute, die sich sonst nicht für Religion interessierten, würden fasten und sich dem Rhythmus des Ramadan anpassen: Frühes Frühstück bevor die Sonne aufgeht und das Mahl des Fastenbrechens, nachdem sie untergegangen ist. Den Tag über ist Enthaltsamkeit das Gebot.

Fasten am Arbeitsplatz

Für viele berufstätige Muslime in Deutschland ist es jedoch schwierig, pünktlich zum Sonnenuntergang das "zweite Frühstück" einzunehmen. Sie behelfen sich dann mit einer Kleinigkeit: einer Dattel, einer Süßigkeit oder einem Getränk. Doch selbst diese abgespeckte Version des Fastenbrechens ist nicht an jedem Arbeitsplatz möglich. Daher nehmen sich viele Muslime vor allem während der letzten zehn Tage des Ramadan frei, um sich ganz den religiösen Zeremonien, dem Fasten und dem Beten widmen zu können.

29 oder 30 Tage dauert der Ramadan. Das genaue Ende wird – ebenso wie der Beginn – erst kurz davor festgelegt. Je nachdem, wann der Mond wieder verschwindet.

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