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Kultur

Er war der harte, blonde Cowboy

Der Hollywood-Star Richard Widmark ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Er wurde vor allem durch Western- und Thriller-Rollen bekannt.

Richard Widmark, AP

Blond, kantig, attraktiv: So kannten die Zuschauen Richard Widmark

Er spielte den harten Kerl in klassischen Western und starke Charaktere in vielen großen Geschichten: Der amerikanische Schauspieler Richard Widmark ist tot. Er wurde 93 Jahre alt. Nach Angaben seiner Familie starb Widmark bereits am Montag (24.3.08) in seinem Haus im US-Bundesstaat Connecticut, wo er seit Jahren zurückgezogen lebte, berichtete die Filmzeitschrift "Hollywood Reporter" am Mittwoch. Richard spielte unter anderem in Filmen berühmter Regisseure wie Elia Kazan, John Ford, Stanley Kramer und Sidney Lumet.

Widmark gehörte zu den letzten Stars einer großen Epoche Hollywoods. 1991 stand der Held unzähliger Western und Kriegsfilme zum letzten Mal vor der Filmkamera - in dem Politthriller "Der Preis der Macht". Widmark feierte 1947 in Henry Hathaways längst klassischem Thriller "Der Todeskuss" ein fulminantes Kinodebüt als psychopathisch-sadistischer Killer. Mit dieser Rolle wurde der Schauspieler und Rundfunksprecher auf einen Schlag berühmt. Es war die Geburtsstunde des "Mörders mit den eisblauen Augen" und dem schaurig-heiseren Lachen.

Vom Schurken zum Multitalent

Oft mit kritischem Blick: Widmark im Film 'Madigan', Quelle: AP

Oft mit kritischem Blick: Widmark im Film 'Madigan'

In der Folgezeit hatte Widmark allerlei Schurken zu verkörpern. Doch er entkam schließlich diesem Typklischee und wurde in den 50er Jahren einer der ganz großen Westenhelden Hollywoods. Für den Tierreund waren das die schönsten Rollen: "Ich bin ein Naturmensch, und das Schönste an den Dreharbeiten zu den Western war immer, dass wir uns viel unter freiem Himmel aufhielten", sagte er einmal. Mit Kazans Thriller "Unter Geheimbefehl" (1950) konnte Widmark als Polizeiarzt seine Wandlungsfähigkeit beweisen. Weitere Paraderollen hatte er in "Das Urteil von Nürnberg" (1961), "Mord im Orient-Express" (1974) und 1987 in Volker Schlöndorffs Gesellschaftsdrama "Ein Aufstand alter Männer".

Widmarks Mitwirkung in etlichen Kriegsfilmen hing mehr mit seinem markanten Äußeren zusammen als eigenen militärischen Erfahrungen. Denn wegen eines Defekts am Trommelfell war er vom Soldatendienst im Zweiten Weltkrieg freigestellt. 1937 hatte Widmark Deutschland

mit dem Rad durchkreuzt.

Pferdenarr und erbitterter Vietnam-Gegner

Der Nachfahre schwedischer Bauern und Sohn eines Händlers aus dem US-Staat Minnesota war neben einem Sprach- und Politikstudium zunächst als Hobby-Schauspieler auf kleinen Bühnen aufgetreten, bevor er ein Star wurde. In den 60er Jahren fiel der erbitterte Vietnamkriegs-Gegner durch politisches Engagement auf. Privat war er ein Pferdenarr, der mit seiner Familie auf Ländereien in Kalifornien und an der Ostküste lebt. Widmarks erste Ehe mit der Drehbuchautorin Jean Hazlewood endete erst nach 55 Jahren mit deren Tod. 84-Jährig heiratete er 1999 die Schauspielerin Susan Blanchard, Ex-Frau der Hollywood-Legende Henry Fonda.

Richard Widmark

Im Alter lebte Widmark zurückgezogen, Hollywoods Glamour war nicht seine Welt

Vom Party-Leben in Hollywood hielt sich Widmark fern. Er wurde in einer Zeit groß, in dem Stars seines Kalibers Profis vom Scheitel bis zur Sohle waren. "Die machten ihre Arbeit, gingen nach Hause und hielten den Mund." Gerne zitierte Widmark die Worte seines legendären Kollegen Humphrey Bogart: "Das Einzige, was du deinem Publikum schuldest, ist, gute Arbeit zu leisten."

Kritik an der Film-Industrie

Von Hollywood-Produktionen der Gegenwart hielt der alte Leinwandkämpe nicht viel. Vor allem vermisste er die gleichberechtigte Teamarbeit, die in Hollywood einst Trumpf war: "Ich empfinde es als Untugend, wenn bei einem Film die besonders gute Kameraführung auffällt oder einige Darsteller alle anderen an die Wand spielen. Das raubt dem Film die künstlerische Einheit." Er haderte mit der Entwicklung bei Film und Fernsehen: "Das, was wir einmal Unterhaltung nannten, ist zu einem blasierten und zynischen Geschäft geworden." Ruhm und Ansehen Richard Widmarks sind davon unbefleckt geblieben. (tos)

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