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Nahost

Er kommt auf den Punkt - Nuri al-Maliki im Porträt

Er gilt als geradlinig, durchsetzungsfähig und ausgesprochen pragmatisch. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Allerdings ist das in einem ethnisch wie religiös zersplitterten Land wie dem Irak auch nötig.

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Erster Mann im Staat Irak

Damit verfügt der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki über ganz andere Eigenschaften als sein Vorgänger Ibrahim al Dschaafari, der häufig als zu zurückhaltend und umständlich kritisiert wurde. Als langjähriges Führungsmitglied der größten schiitischen Partei im Irak, Dawa, kennt Al-Maliki die Probleme seines Landes aus erster Hand. In einem Land, in dem viele Iraker sagen, man brauche eine starke Führungspersönlichkeit, um zu regieren, erscheint vielen Al-Maliki als der richtige Mann.

Unter Saddam Hussein zum Tode verurteilt

Geboren wurde er am 1. Juli 1950 in Hindija, einer kleinen Ortschaft südlich der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela. Er schloss sich der Dawa an, der größten schiitischen Oppositionsgruppe gegen die Herrschaft Saddam Husseins, und wurde dafür zum Tode verurteilt. 1980 floh Al-Maliki zusammen mit einem Großteil der Dawa-Führung zunächst in den Iran. Dort änderte er seinen Vornamen in Dschawad, inzwischen nennt er sich jedoch wieder Nuri. Al-Maliki hat einen Abschluss in arabischer Literaturwissenschaft.

Während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren spaltete sich die Dawa auf: Die eine Fraktion trat dafür ein, die iranischen Streitkräfte im Kampf gegen den Irak zu unterstützen, die andere lehnte dies ab. Al-Maliki gehörte der zuletzt genannten Gruppe an und ging zusammen mit Al Dschaafari nach Syrien. Dort leitete er das so genannte Dschihad-Büro, das die Aktivitäten der Opposition im Irak koordinierte.

Zurück in die irakische Politik nach dem Saddam-Sturz

Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 kehrte Al-Maliki in sein Heimatland zurück und wurde in den Nationalrat berufen. Bei der ersten Wahl im Januar 2005 wurde er als Vertreter der schiitischen Allianz ins Parlament geschickt, wo er den Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung leitete. Er gehörte außerdem der Kommission zur Entbaathifizierung an, die für den Ausschluss ehemaliger Gefolgsleute Saddam Husseins und von Mitgliedern der Baath-Partei aus allen öffentlichen Ämtern zuständig war.

Im monatelangen Ringen um einen Verfassungsentwurf 2005 war Al-Maliki als Vertreter der schiitischen Allianz maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt. Die Verfassung wurde schließlich im Oktober in einer Volksabstimmung verabschiedet. Der führende sunnitische Politiker Saleh al Mutlak bezeichnete Al-Maliki im Vergleich zu Al Dschaafari als "wesentlich stärkeren, nachdrücklicheren und pragmatischeren Mann". "Er ist weniger ein Hardliner und kommt auf den Punkt", sagte Mutlak, der gemeinsam mit Al-Maliki an dem Verfassungsentwurf arbeitete. "Er bemüht sich sehr darum, dass seine Zuhörer verstehen, was er zu sagen versucht."

Förderung des Dialogs

Im April 2006 beauftragte Staatspräsident Dschalal Talabani Al-Maliki mit der Regierungsbildung. Al Dschaafari hatte zuvor seinen Anspruch auf eine weitere Amtszeit unter massivem Druck aufgegeben. Al-Maliki kündigte bei seinem Amtsantritt einen entschlossenen Kampf gegen Terrorismus und die Förderung des Dialogs unter Schiiten, Sunniten und Kurden an. Sein Ziel sei ein Irak ohne ethnische oder religiöse Diskriminierung. (kap)