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Filme

Eröffnet: die 66. Berlinale beginnt mit der Filmgroteske "Hail, Caesar!"

Das Staraufgebot war gewaltig. Berlinale-Chef Dieter Kosslick hatte gerufen und alle waren gekommen. Auf dem Roten Teppich tummelten sich die Stars des Eröffnungsfilms - der hätte nicht besser ausgewählt sein können.

Dieter Kosslick hatte im Vorfeld der 66. Berlinale (11.2.-21.2.) stets betont, das Festival werde Filme zur Flüchtlingsthematik und zu anderen Krisen der Welt zeigen, solle aber auch Spaß machen. Nun weiß man, was gemeint war. "Hail, Caesar!" macht Spaß. Und zwar gewaltig.

Eröffnungsfilme von großen Festivals haben immer die schwere Last zu tragen, direkt zu Beginn einer solchen Großveranstaltung für gute Laune zu sorgen, andererseits aber auch die ästhetischen Ansprüche der Filmliebhaber zu befriedigen. Die US-amerikanischen Brüder Joel und Ethan Coen sind diesbezüglich Meister.

Meister der Filmhandwerks: die Coen-Brüder

Sie sorgen für beste Unterhaltung auf der Leinwand und selbst dann, wenn ihre Filme federleicht daherkommen oder auch ein wenig albern sind, kann man sich an der großen handwerklichen Qualität ihrer Arbeit, der wunderbar agierenden Schauspieler und den exakt geschriebenen Dialogen erfreuen.

In "Hail, Caesar!" blicken die Coens hinter die Kulissen Hollywoods zu Beginn der 1950er Jahre. Im Mittelpunkt steht Eddie Mannix (Josh Brolin), Produktionsleiter eines großen Hollywood-Studios. Mannix ist für nichts anderes da, als allen aus der Patsche zu helfen. Er kümmert sich um alles, was schief läuft bei den verschiedenen Filmprojekten des Studios. Und es läuft vieles schief.

Filmstill Hail, Caesar! Eröffnungsfilm 66.Berlinale

Er muss alle Probleme am Set lösen: Eddie Mannix (Josh Brolin)

Da wird die große Bibel-Verfilmung "Hail, Caesar!" mit Superstar Baird Whitlock (George Clooney) gedreht, doch plötzlich verschwindet der smarte Whitlock vom Set. Er ist entführt worden, das Studio wird erpresst. Ausgerechnet von amerikanischen Kommunisten - eine Anspielung auf die McCarthy-Ära in den USA der 1950er Jahre. Mannix kümmert sich um den Fall.

Ein tumber Cowboy soll Dialoge aufsagen...

Ein anderes Projekt leidet darunter, dass ein Schauspieler abgesprungen ist und nun schnell Ersatz gefunden werden muss. Ein junger Star ist schnell aufgespürt, doch das Problem ist, dass es sich bei dem Film um ein gediegenes Melodrama handelt, der Ersatzschauspieler aber nur Erfahrung als singender Cowboy hat. Mehr als fünf zusammenhängende Wörter bringt er kaum zustande.

Mannix wird auch gerufen, wenn es im Privatleben der Stars etwas zu verbergen gibt. Da ist die verwöhnte Diva (Scarlett Johannson), die ein uneheliches Kind hat - was keinesfalls mit ihrem Image an die Öffentlichkeit dringen darf.

Damit nicht genug der Probleme. Mannix muss sich mit zwei berüchtigten Hollywood-Klatschreporterinnen (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) herumschlagen, versucht sich gerade das Rauchen abzugewöhnen und hat zudem ein Jobangebot des Flugzeugherstellers Lockheed. Das Filmgeschäft sei eh bald passé angesichts der neuen Konkurrenz Fernsehen, versucht der Lockheed-Manager den schwankenden Mannix in die andere Branche zu locken.

Berlinale Eröffnung Roter Teppich Cohen Brüder (Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch)

George Clooney rockt den Roten Teppich

"Hail, Caesar!" ist ein Film übers Showgeschäft

Mannix steht so im Film ununterbrochen im Auge des Orkans - doch er bleibt die Ruhe selbst. "Trotz des Stresses blüht er darin auf, ein Studio-Polizist und gleichzeitig an einer Millionen Orte zu sein", beschreibt Hauptdarsteller Josh Brolin seine Rolle: "Es ist Showgeschäft, aber es ist auch ein Geschäft."

Bis in die kleinesten Nebenrollen ist "Hail, Caesar!" großartig besetzt, viele Darsteller spielen ganz bewusst gegen ihr eigentliches Image an. "Die Figur des Baird Whitlock ist vielleicht die dümmste Figur, die ich für sie (die Coen-Brüder, Anmerk. der Redaktion) gespielt habe", sagt George Clooney über seine Filmfigur und fügt selbstironisch hinzu: "Er ist nur ein planloser Filmstar, was es im wahren Leben natürlich niemals gibt, nicht wahr?"

Die 66. Berlinale beginnt mit einem Film übers Filmen

"Hail, Caesar!" bringt das Kunststück fertig, einerseits ein gnadenlos lustiger Film über die Tiefen des Filmgeschäfts zu sein. Er zeigt die lächerlichen Seiten der Branche, schaut auf die Eitelkeiten der Stars und die Machtbesessenheit der Studiobosse. Er nimmt die funkelnden Fassaden des Filmgeschäfts, hinter denen sich Geldgier, Heuchelei und Narzissmus verbergen, aufs Korn.

Gleichzeitig schaffen es die Coen-Brüder aber, sich vor der Kunstfertigkeit und der handwerklichen Perfektion des Studiofilms der großen Zeit Hollywoods zu verbeugen. Gleich ein halbes Dutzend Filmgenres zitieren sie in "Hail, Caesar!" und man merkt ihnen an, wie groß ihre Wertschätzung vor gutem Filmhandwerk ist. Wunderbare Film-im-Film-Sequenzen sind in "Hail, Caesar!" im Dutzend eingebaut: Western und Melodrama, Kriegsfilm und Musical, Film Noir und Historienschinken.

Filmstill Hail, Caesar! Eröffnungsfilm 66.Berlinale

Baird Whitlock alias George Clooney in"Hail Ceasar"

Und manche Szenen dürften schon jetzt ihren Ehrenplatz in der Geschichte der Filmkomik sicher haben. Etwa wenn Mannix einen dunklen Schneideraum im Studio betritt, wo die Cutterin C.C. Calhoun (Frances McDormand) ihre neuen Muster vorführt. Das lange Halstuch der kettenrauchende Calhoun, die schlafwandlerisch sicher mit all den Knöpfen und Hebeln ihres Arbeitsgeräts umgeht, verfängt sich plötzlich zwischen den Filmspulen. Was folgt, ist eine aberwitzig und grotesk inszenierte Szene.

George Clooney will Angela Merkel treffen

"Hail, Caesar!" mag keinen in die Tiefe gehenden Anspruch haben, ist an manchen Stellen schlichtweg ein wenig albern und setzt sich kaum ernsthaft mit den Abgründen des Filmgeschäfts auseinander. Doch solch einen witzigen, unterhaltsamen und vergnüglichen Film muss man erst einmal zustande bringen.

Die schwere Kost wird dann in den nächsten Tagen die Berlinale-Kinos erreichen. George Clooney kündigte schon einmal an, dass er sich während der Berlinale mit Angela Merkel treffen wolle - auch um über die Flüchtlingskrise zu sprechen.

"Derzeit läuft vieles in der Welt falsch", sagte der US-Star vor der Presse. Doch im Kino beschäftige man sich erst immer mit Verzögerung mit solchen Themen. Die seien zurzeit auch in den Nachrichtensendungen besser aufgehoben. In seinem Land würde die Krise um die Flüchtlingsströme auch nicht hinreichend erklärt, kritisierte Clooney die US-Medien. Am Abend zeigte Clooney dann auf dem Roten Teppich wieder sein gewohnt charmantes Lächeln. Die Berlinale hat halt zwei Gesichter.

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