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Politik

Epidemien bedrohen Goma

Nach dem verheerenden Vulkanausbruch nahe der kongolesischen Stadt Goma steigt in der Region die Seuchengefahr. Zudem droht eine humanitäre Notlage, da zahlreiche Kinder ihre Eltern verloren haben.

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Heiße Lava: Eine Tankstelle geht in Flammen auf

Experten befürchten aufgrund des Zusammenbruchs des Trinkwassersystems die Ausbreitung von Epidemien. "Die Hauptgefahr ist sicherlich die Cholera", sagte Werner Schultheis vom Ärztlichen Dienst der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) am Montag in einem dpa-Interview. Ausbreiten könnten sich aber auch andere Krankheiten, die über Darmkeime übertragen werden. Dazu gehörten Typhus, Amöben- und Bakterienruhr sowie Hepatitis. Daneben halten Experten die chemische Belastung des Kivu-Sees durch Lava und Gase für mindestens ebenso gefährlich. Aus dem Seewasser wird für die Stadt Goma gewöhnlich das Trinkwasser gewonnen.

Kein Brennholz

Schützen könnten sich die Menschen vor Krankheiten wie Cholera lediglich durch das Abkochen des Trinkwassers oder den Einsatz von Wasserentkeimungstabletten. "Das Ausbrechen von Seuchen lässt sich aber sicherlich schwer verhindern, da es vermutlich nicht nur an Brennholz zum Erhitzen von Wasser fehlt", sagte Schultheis. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung der Cholera sei eine schnelle Diagnose und eine Therapie mit Antibiotika. Der große Flüssigkeitsverlust müsse zudem ersetzt werden.

Cholera ist eine Infektionskrankheit, die von dem Erreger Vibrio cholerae (Vibrionen) hervorgerufen wird. Die Bakterien setzen sich im Dünndarm fest und sondern ein Gift ab, das zu starkem Erbrechen und Durchfall führt. Große Flüssigkeitsverluste können Kräfteverfall, Herzrhythmusstörungen und Kollaps verursachen. Unbehandelt führt die Infektion häufig zum Tod.

Elternlose Kinder

Unterdessen befürchtet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, dass während der Massenflucht aus Goma nach dem Vulkanausbruch am Donnerstag zahlreiche Kinder ihre Eltern verloren haben. Unicef geht von rund 350.000 flüchtenden Menschen aus. Rund 200.000 von ihnen seien Kinder, davon die Hälfte unter fünf Jahren, hieß es in einer am Montag in Nairobi veröffentlichten Erklärung. Unicef und andere Hilfsorganisationen bemühten sich derzeit in der kongolesisch-ruandischen Grenzregion, unbegleitete Kinder zu identifizieren und mit ihren Familien zusammen zu führen.

Soforthilfe der EU

Schon am Sonntag hatte die Europäische Union für die vom Vulkanausbruch im Osten des Kongo betroffene Bevölkerung fünf Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Damit sollen UN-Organisationen, das Rote Kreuz und Hilfswerke unterstützt werden, teilte die EU-Kommission mit. Vier Experten des EU-Büros für humanitäre Hilfe seien innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Ausbruch in der Krisenregion gewesen. Die EU habe bereits in der Vergangenheit in der Region Hilfsprojekte begonnen. So stünden für das laufende Jahr 32 Millionen Euro für die Region zur Verfügung, im vergangenen Jahr seien es 35 Millionen Euro gewesen. (mik)

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  • Datum 22.01.2002
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