1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

E.ON: Zufrieden und gescheitert

Das Bieten war vergeblich: E.ON hat nach dem erbitterten Übernahmekampf um den spanischen Stromversorger Endesa einer Aufteilung zugestimmt - zur Zufriedenheit aller.

Andere reden bei Endesa mit: E.ON-Chef Wulf Bernotat

E.ONs Übernahmetraum ist vorbei

Nach intensiven Verhandlungen mit dem italienischen Versorger Enel und dem Mischkonzern Acciona verständigten sich die Unternehmen am Dienstag (3.4.) auf eine Aufteilung von Endesa. E.ON-Chef Wulf Bernotat zeigte sich auf einer Pressekonferenz in Madrid zwar enttäuscht, bezeichnete die Vereinbarung mit Enel und Acciona aber als "vernünftige Lösung". Sie verhindere eine weitere Eskalation der Auseinandersetzung und schaffe Klarheit für alle Beteiligten.

E.ON-Chef Wulf Bernotat , Quelle: AP

Andere dürfen mitreden: E.ON-Chef Wulf Bernotat

Die Vereinbarung sieht vor, dass E.ON ein Beteiligungspaket mit Endesa-Aktivitäten in Spanien, Frankreich und Italien in einer Größenordnung von 10 Milliarden Euro erhält. Das soll dann geschehen, wenn Enel und Acciona eine Kontrollmehrheit bei Endesa erhalten. Dies wird laut Bernotat noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Für die beiden Unternehmen könnte sich die Übernahme von Endesa nach Schätzungen aus Branchenkreisen auf einen Wert von 34 Milliarden Euro belaufen. E.ON hatte zuletzt gut 42 Milliarden Euro für Endesa geboten.

Zufrieden mir Erreichtem

Der Rückzug aus dem Bietergefecht ließ an der Börse die E.ON-Aktie um mehr als sieben Prozent in die Höhe schießen. Die Regierungen der betroffenen Länder begrüßten die Vereinbarung. Vor dem Hintergrund der festgefahren Situation bei Endesa zeigte sich auch Bernotat mit dem Erreichten zufrieden: Das Beteiligungspaket verschaffe E.ON den Markteintritt in Spanien, die Position in Italien und Frankreich werde verbessert. In Spanien würde das Unternehmen mit der Übernahme von Viesgo die Nummer vier, in Frankreich und Italien jeweils die Nummer drei auf dem Markt sein.

Die Endesa-Beteiligungen sieht E.ON zugleich als künftige Wachstumsplattform in diesen Ländern. "Wir sind noch nicht zufrieden mit den erreichten Marktpositionen", sagte er. So werde sich das Unternehmen nicht auf dem nun Erreichten ausruhen. E.ON verfüge weiterhin über eine hohe Finanzkraft, die Handlungsspielräume eröffne. Dabei nannte er unter anderem Märkte in Osteuropa, Russland und die Türkei.

Italien und Spanien zufrieden

Italienische Medien feierten Enel unterdessen als den klaren Sieger des Übernahmekampfes. Dabei sei besonders erfreulich, dass eine langwierige juristische Auseinandersetzung vermieden worden sei. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi begrüßte den Rückzug von E.ON. Auch die spanische Regierung begrüßte die Einigung. Das Übereinkommen erlaube es, dass Endesa auch in Zukunft ein "starkes und unabhängiges Unternehmen" bleibe, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes. Die Bundesregierung hoffe, dass die Vereinbarung rasch umgesetzt wird, erklärte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

EU klagt weiter

Ungeachtet des Rückzugs von E.ON hält die EU-Kommission an ihrer Klage gegen Spanien fest. "Unsere Entscheidung bleibt bestehen", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Kommission hatte Spanien in der vergangene Woche vor dem Europäischen Gerichtshof wegen illegaler Übernahmehürden für E.ON verklagt.

Der Übernahmekampf um Endesa hat für E.ON fast eineinhalb Jahre gedauert. Von Anfang an sah sich der Konzern massiven Widerständen von Seiten der spanischen Regierung gegenüber, der auch nachgesagt wird, bei dem Übernahmeangebot von Enel und Acciona die Fäden zu ziehen. Zuletzt artete die Übernahmeschlacht in einen juristischen Grabenkrieg aus: Die Kontrahenten hatten sich wechselseitig mit einer Vielzahl von Klagen überzogen. (sams)

Die Redaktion empfiehlt