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Wirtschaft

Entwicklungsländer im demographischen Wandel

Auch die Bevölkerung der Entwicklungsländer wird immer älter: Eine erfreuliche Nachricht. Doch ähnlich wie in den Industrieländern entstehen dadurch auch Probleme. Markus Loewe zeigt Lösungsmöglichkeiten auf.

Symbolbild: Gastkolumne vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Am Samstag (4.7.) war Weltbevölkerungstag – für viele Anlass, um über die jüngsten Projektionen der Vereinten Nationen zur Entwicklung der Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten nachzudenken (UNDESA: World Population Prospects: The 2008 Revision). Mit Recht wurde da gefragt, wie viele Einwohner die Erde eines Tags haben wird und ob die vorhandenen Ressourcen hierfür ausreichen; wie realistisch die in Kyoto vereinbarten Klimaziele in Anbetracht einer nochmals um drei, vier, fünf oder sechs Milliarden Menschen wachsenden Weltbevölkerung sind.

Bevölkerungsexplosion gebremst

Die Prognosen der Vereinten Nationen zeigen aber nicht nur, dass die Weltbevölkerung mindestens bis 2050 weiter wachsen und insbesondere der Anteil der in den Städten lebenden Menschen ansteigen wird. Sie zeigen auch, dass die Wachstumsrate der Weltbevölkerung ihren Höhepunkt überschritten hat, die Zahl der Erdbewohner also von Jahr zu Jahr immer langsamer wächst. Dies gilt natürlich nicht für alle Länder der Welt im gleichen Maße. In vielen afrikanischen Ländern ist das Bevölkerungswachstum nahezu ungebremst, während es in Südasien, Lateinamerika und vor allem Ostasien schon stark rückläufig ist, in Westeuropa bei null liegt und in Osteuropa schon in den negativen Bereich gegangen ist (dort schrumpft die Bevölkerung um bis zu einem halben Prozent pro Jahr).

So geht auch in den Entwicklungsländern die Zahl der Kinder pro Frau zurück. Allmählich werden sich auch dort die Menschen der Tatsache bewusst, dass eine bessere Hygiene, Medizin und Ernährungsversorgung einen höheren Anteil der Kinder überleben lässt, so dass Paare nicht mehr viele Kinder auf die Welt bringen müssen, wenn wenigstens zwei oder drei mit hoher Wahrscheinlichkeit überleben sollen. Zudem gibt es mittlerweile auch in einigen Entwicklungsländern Alterssicherungssysteme, so dass ältere Menschen dort nicht mehr vollständig von der Versorgung durch die eigenen Kinder abhängig sind.

Altersstrukturen im Wandel

Dass die Geburtenraten fast überall auf der Welt zurückgehen und die medizinische Versorgung immer besser wird, hat allerdings eine Auswirkung von hoher Brisanz, die bei der Betrachtung der Bevölkerungsprognosen oft übersehen wird. Dadurch ändert sich nämlich auch die Altersstruktur der Bevölkerung.

Zunächst treten Jahr für Jahr mit unveränderter Dynamik immer mehr junge Menschen auf den Arbeitsmarkt und suchen nach einer Erwerbstätigkeit, während die Zahl der Neugeborenen immer weniger ansteigt. Das bedeutet, dass die Zahl der Menschen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren, in dem man üblicherweise erwerbstätig ist, stärker wächst als die Gesamtbevölkerung. Denn die Zahl der Minderjährigen wächst nicht mehr so stark wie in den Jahren des höchsten Bevölkerungswachstums.

Für Länder, in denen stark in Produktionsanlagen, Bildung und Know-how investiert wird, ist diese Entwicklung gut. Diese Länder können ihren vielen Schulabgängern auch tatsächlich eine produktive Erwerbstätigkeit anbieten und so einen wachsenden Teil der Bevölkerung beschäftigen. Hinzu kommt, dass die Frauen, die immer weniger Kinder auf die Welt bringen, auch nicht mehr so viel Zeit mit deren Erziehung verbringen müssen und vermehrt erwerbstätig sein können. Und da die Familien immer weniger Kinder ernähren müssen, können sie mehr Geld sparen bzw. in eine bessere Bildung der Kinder investieren. Der schnelle wirtschaftliche Aufschwung von China und anderen ostasiatischen Ländern in den letzten Jahren geht mit auf diese Entwicklung zurück: Die Familien arbeiten mehr, sparen mehr und geben mehr für Bildung aus; und das von einer Generation auf die nächste vererbte Vermögen wird pro Kopf immer größer, weil es nicht mehr auf eine so große Zahl von Kindern verteilt werden muss. Die Gesellschaften wachsen also qualitativ statt quantitativ.

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