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Wirtschaft

Entwicklungshilfe für Macherinnen

Der Unternehmerinnentag im Ruhrgebiet feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Diesmal stellt das Forum für selbständige Frauen das Thema Investitionen in den Mittelpunkt.

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Selbstständige Frauen holen auf

Noch 1954 glaubte man beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): "Die Unternehmerinnen sind eine Kriegsfolgeerscheinung und werden in wenigen Jahren wieder ganz von der Bildfläche verschwunden sein." So jedenfalls belegt es ein historisches Zitat. Doch die Herren irrten. Immer mehr Frauen drängten in den vergangenen Jahrzehnten in die Selbständigkeit. Von den 3,7 Millionen Selbständigen in Deutschland sind nach Angaben des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) derzeit rund 1,6 Millionen Frauen.

Spaß am Unternehmertum

Indien Bombay Geschäftsfrau

Eine indische Geschäftsfrau in Mumbai (Bombay)

Die Entwicklung freut die Veranstalterinnen des Unternehmerinnentages im Ruhrgebiet, die noch mehr Frauen "Lust auf Mittelstand" machen wollen. Der Unternehmerinnentag in Deutschlands größter Industrieregion feiert seinen zehnten Geburtstag, wenn er am 18. März in Essen stattfindet. Spaß am Unternehmertum zu vermitteln, das wollten auch schon die Treffen der vergangenen Jahre - allerdings haben sich dabei die Themenschwerpunkte verlagert, wie die Organisatorinnen wissen.

Ging es anfangs vor allem um praktische Tipps für Existenzgründer, so stehen heute strategisches Denken und Arbeiten für bereits tätige Unternehmerinnen, Netzwerkbildung und Kooperationen im Vordergrund. Auch der Typ der Unternehmerin habe sich in den vergangenen zehn Jahren gewandelt. "Es gibt viele, die heute selber ihre Unternehmen aufbauen", sagt Birgit Unger, eine der Veranstalterinnen. "Es sind nicht mehr die Ehefrauen verstorbener Unternehmer, die ins Geschäft einsteigen, sondern es sind heute hauptsächlich Frauen, die selber gründen, mit einer ganz klaren Idee und einem Ziel, das sie verwirklichen können."

Skepsis bei den Banken

Obststand im Supermarkt

Klassische Rolle: Konsumieren und Sparen

"Klug investieren" - unter diesem Motto wird die Tagung 2006 stehen. "Kann investieren Sünde sein?" lautet, ein wenig provokant, der Titel eines Workshops. Und der wurde ganz bewusst gewählt, denn für viele Frauen sei der Umgang mit größeren Geldsummen noch immer ungewohnt, sagt die Mitveranstalterin Cornelia Sperling: "Die traditionelle Rolle ist ja mehr die Rolle, Konsumentin zu sein - entweder Geld zusammenzuhalten oder eben das Geld auszugeben." Investieren erfordere dagegen meist Kredite. Weil Frauen bei Schulden noch immer häufig Bedenken hätten, sei ein kulturelles Umdenken erforderlich.

Dieses Umdenken fordern die Frauen unter anderem auch von den Banken. So begegneten viele Kreditinstitute Existenzgründerinnen oder Unternehmerinnen immer noch mit Skepsis und Vorbehalten, heißt es. Einer Frau werde auch eher von einer Investition abgeraten als einem Mann.

"Wo ist der Chef?"

Der Unternehmerinnentag will dagegen die Frauen ermuntern, selbstbewusster zu werden - und setzt deshalb auf den Austausch zwischen jungen Selbstständigen und erfahrenen Vorbildern. Eine Frau, die sich heute fragt, wie sie am besten eine Existenz gründen und erfolgreiche führen kann, soll auf der Tagung erfahren, dass es dazu nicht den einen Weg, sondern ganz viele, individuelle Möglichkeiten gibt.

Sie wird vermutlich aber auch zu hören bekommen, dass selbst die moderne deutsche Gesellschaft männliche Unternehmer immer noch anders behandelt als weibliche. Birgit Unger, die zusammen mit zwei Partnerinnen eine Agentur für Kommunikation und Veranstaltungs-Management in Essen leitet, kann dazu Geschichten aus ihrem Geschäftsalltag erzählen: "Ich gehe an die Tür und es wird nach dem Chef gefragt. Es kommt gar keiner auf die Idee, dass die Chefin vor ihnen stehen kann."

Blick in andere Weltregionen

Keineswegs wollen die Organisatorinnen des Unternehmerinnentages in die so genannte "Emanzen-Ecke" gedrängt werden, wie sie selber sagen. Dennoch sei ein eigenes Forum für weibliche Chefs angesichts der gesellschaftlichen Realität weiterhin nötig, sagt Cornelia Sperling. "Solange der Anteil von Chefinnen nur bei knapp 30 Prozent liegt - das ist ja noch nicht einmal eine qualifizierte Minderheit - muss man das einfach thematisieren."

Doch der Blick geht weit über den deutschen Tellerrand hinaus. Zur Tradition des Unternehmerinnentages gehört es auch, jedes Jahr Chefinnen aus anderen Regionen der Welt einzuladen. Zum Treffen 2006 werden zwei Unternehmerinnen aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh erwartet: eine Produzentin von Kleinbussen und die Vorsitzende eines europäisch-indischen Unternehmerinnen-Netzwerkes. Das mag manche überraschen - zu Unrecht. "Man darf nicht glauben, Frauen außerhalb Europas können was von uns lernen", sagt die Organisatorin Unger. "Was die Persönlichkeit und die Bewältigung von Schwierigkeiten angeht, konnte ich mir von diesen Frauen immer eine Scheibe abschneiden. Das ist ein kostbarer Austausch."

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