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Asien

Entwicklungshelfer im Visier der Entführer

Zwei deutsche Entwicklungshelfer werden seit ein paar Tagen im Norden Afghanistans vermisst. Bisher fehlt von ihnen jede Spur. Es wäre nicht das erste Mal, dass Entwicklungshelfer in Afghanistan entführt werden.

Straßenkreuzung in Kabul (Foto: Pajhwok Afghan News)

Eingeschränkte Sicherheit für Ausländer in Kabul

Entführungen gehören in Afghanistan mittlerweile zum Tagesgeschäft - es ist Alltag geworden. Viele kriminelle Banden betreiben dieses Geschäft seit Jahren und erpressen damit große Summen Geld. Ausländische oder einheimische Entwicklungshelfer und Regierungsvertreter sind dabei bevorzugte Opfer der Kidnapper.

Ausländisch, weiblich, gefährdet

Die immer unsicher werdende Sicherheitslage hat ausländischen Arbeitern in großen Teilen des Landes - aber auch in Kabul - sensibilisiert. Besonders Frauen fühlen sich zunehmend unsicher, sagt Frank Hantke. Er leitet das Kabuler Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Ich merke, dass meine Mitarbeiterinnen seit vier oder halb fünf nervös werden und nach Hause wollen. Man kann schon nicht mehr normale Taxis nehmen, weil das bei Nachbarn schräg auffällt, wenn man aus einem Auto steigt."

Alleine durch die Anwesenheit von Ausländern werden Orte zu potentiellen Anschlagszielen. Deshalb meiden Einheimische Plätze, an denen sich Ausländer aufhalten.

Videobotschaft des entführten Deutschen Rudolf Blechschmidt 2007 (Foto: Tolo TV)

Der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt wurde 2007 von den Taliban entführt und kam drei Monate später nach der Lösegeldzahlung wieder frei

Seit 2008 ist Bente Aika Scheller, Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Kabul, im Land am Hindukusch. Sie selbst fühlt sich einigermaßen sicher in der Stadt. "Ich denke, man muss sich dort auf jeden Fall mit großem Bewusstsein bewegen und immer wieder schauen, wie die Lage ist. Das ist zum Teil tagesabhängig, wie sich Situationen gestalten. Man muss wirklich aufpassen, dass man mit der Zeit nicht unvorsichtig wird." Dieses Jahr sei zudem eine große Zahl an Anschlägen zu beobachten gewesen.

Mehr als 400 Meter zu Fuß gehen ist gefährlich

Ausländische Entwicklungshelfer in Afghanistan führen ein eingeschränktes Leben. Das war nicht immer so. Freizeitbeschäftigungen im Freien oder Sport waren vor ein paar Jahren noch möglich. "Kollegen haben mir erzählt, dass sie früher durch Kabul gejoggt sind. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen", erzählt Hantke lachend.

Ein UN-Fahrzeug passiert eine Schranke (Foto: AP)

Ausländische Entwicklungshelfer sind potentielle Entführungsopfer

Seit dem sich die Anschläge und Entführungen gehäuft haben, kann auch er sich nicht ohne Weiteres Freiheiten herausnehmen. "Die Sicherheitsexperten sagen uns, dass wir nicht mehr als 400 Meter zu Fuß gehen sollen. Das tue ich im Wesentlichen auch nicht. Da ich nur ein Jahr hier bin, habe ich mich also im Gästehaus in der Nähe des Büros eingemietet und pendle meist zwischen Gästehaus und Büro."

Zwei Deutsche Entwicklungshelfer verschwunden Seit Dienstag (23.08.2011) gelten zwei Deutsche in Afghanistan immer noch als vermisst. Die beiden Männer waren in der Bergregion zwischen Parwan und Baghlan – nördlich von Kabul - wandern. Noch ist unklar, ob sie entführt worden sind oder ob es überhaupt Lösegeldforderungen gibt. Einer von ihnen soll ein Mitarbeiter der staatlichen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sein.

Autorin: Waslat Hasrat-Nazimi
Redaktion: Chi Viet Giang

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