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Politik & Gesellschaft

Entwicklung braucht Bildung

Die Staaten tun zu wenig für Bildung, kritisiert die deutsche UNESCO-Kommission anlässlich des Weltalphabetisierungstages. Dabei ist Bildung die Voraussetzung für die Teilhabe in der Gesellschaft.

Erwachsenenbildung in Ägypten (Foto: Egyptian Authority for Literacy)

Erwachsenenbildung in Ägypten

"Man braucht keinen Doktor in Rechtswissenschaft zu haben, um zu wissen, dass die Regierung in diesem Land repressiv und korrupt ist", schreibt der ägyptische Autor Alaa al-Aswani in seinem soeben auch in Deutschland erschienenen Buch "Am Vorabend der Revolution". Tatsächlich seien die Gefühle der einfachen Leute in Ägypten oft näher an der Wahrheit als die Ansichten und langwierigen Debatten der Gebildeten. Zum Aufbau der Demokratie aber setzt er doch lieber auf die 40 Millionen Ägypter mit Schulbildung, statt auf die rund 20 Millionen Analphabeten im Land.

Nicht nur in Ägypten, sondern weltweit ist es für Analphabeten schwer an der Entwicklung ihres Landes teilzunehmen. Die 793 Millionen erwachsenen Analphabeten rund um den Globus gehören meist zu den Ärmsten ihrer Gesellschaften, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Das Recht auf Bildung jedoch ist ein Menschenrecht und seine bessere Umsetzung seit Jahrzehnten Thema internationaler Konferenzen. Die Weltalphabetisierungsdekade von 2003 bis 2013 sollte weltweit eine Wende bringen. Die von der UN-Kulturorganisation UNESCO koordinierte Kampagne hat das Ziel, die Analphabetenrate bei Erwachsenen bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Aber schon jetzt ist klar, dass das Ziel kaum noch zu erreichen sein wird.

Zu wenig Fortschritte

(Grafik: DW)



"Vor 20 Jahren waren wir bei über einer Milliarde Menschen, die nicht lesen und schreiben konnten", berichtet UNESCO-Sprecher Dieter Offenhäuser in Bonn. Zwar gebe es inzwischen durchaus Fortschritte, vor allem in China, aber auch in Indien, in Pakistan und Bangladesh. Allerdings sei die Analphabetenrate durch die sprunghaft wachsende Bevölkerung in diesen Ländern nur wenig gesunken. Auch in den Ländern mit gewaltsamen Konflikten - in Somalia, im Jemen und Afghanistan aber auch in einigen Regionen Afrikas - sei die Anzahl der Analphabeten hoch.

Die Hauptgründe für die unbefriedigende Bilanz sind offenkundig: Schlechte Regierungsführung, mangelndes Engagement und fehlende Bildungsprogramme, schreiben die Autoren des diesjährigen Weltbildungsberichts der UNESCO.

Zu knappe Budgets

(Grafik: DW)




In 21 der ärmsten Länder der Welt sind die Ausgaben der Staaten für das Militär dokumentiert, die diejenigen für die Bildung deutlich überschreiten. Bildung aber sieht die UNESCO als wesentliche Voraussetzung für menschliche Entwicklung, Frieden und für die Überwindung von Armut. Nur wenn die Schultüren für Jungen und Mädchen offen stehen, die Lehrer gut ausgebildet und angemessen bezahlt werden, wenn die Schule erreichbar und der Schulweg sicher ist, entsteht für die nachwachsende Generation eine Perspektive. Bildung wäre eine Alternative zum Austragen von Konflikten mit der Waffe. Würde jedes dieser Länder nur 10 Prozent des jeweiligen Militärbudgets stattdessen in Bildung investieren, könnten fast zehn Millionen mehr Kinder eine Grundschulausbildung erhalten.

Knappe Budgets für die Bildung sind jedoch nicht nur in den Entwicklungsländern ein Problem. So beklagte der Generalsekretär der deutschen UNESCO-Kommission, Roland Bernecker, in dieser Woche: "Weltweit geben Regierungen zu wenig Geld für Bildung aus." Und die Finanzkrise habe diese Situation weiter verschärft.

Zu wenig politischer Wille

Deutschunterricht in einer Grundschule in Frankfurt (Oder) (Foto: picture alliance / dpa)

Deutschunterricht in einer Grundschule in Frankfurt (Oder)

Auch für die Industriestaaten ist Analphabetismus längst eine gesellschaftliche und menschenrechtliche Herausforderung. 2,3 Millionen Menschen in Deutschland können kaum schreiben, weitere fünf Millionen tun sich schwer mit dem Verstehen von Texten, so eine aktuelle Studie. Diese sogenannten funktionalen Analphabeten haben zwar in der Schule lesen und schreiben gelernt, aber diese Fähigkeit im Laufe des Lebens wieder verloren. "Einfach weil sie keine Anwendung dafür gefunden haben", so Claudia Lohrenscheit vom Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin.

"Aus der Forschung wissen wir," - so Lohrenscheit weiter - "dass Kinder die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben vor allem dann ganz schnell wieder verlieren, wenn sie den Unterricht als Instrument der Unterdrückung erleben, zum Beispiel wenn er nicht in der Muttersprache stattfindet, oder wenn mit dem Erlernten kein Einfluss auf die Verbesserung der eigenen Lebensbedingungen möglich ist."

Ohne Perspektive kein Anreiz zum Lernen. Dabei setzt sich nicht nur in den westlichen Industrieländern die Vorstellung vom lebenslangen Lernen durch, um Menschen zur aktiven Beteiligung an der Gesellschaft zu motivieren. Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe sind aber nur möglich, wenn Menschen lesen und schreiben und sich damit auch besser informieren können.

Autorin: Ulrike Mast-Kirschning
Redaktion: Helle Jeppesen

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