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Wissen & Umwelt

Entwarnung: Vergiftung durch Aluminium beim Grillen unwahrscheinlich

Zum Start der Grillsaison schreckt eine Meldung die Deutschen auf: Aus Grillschalen könne "giftiges" Aluminium ins Essen gelangen. Eine Vergiftung ist aber eher unwahrscheinlich. Hier die Fakten.

Eine Recherche des ARD-Magazin Plusminus brachte es ans Licht: Wer sein Fleisch auf Schalen aus Aluminium grillt, nimmt in Kauf, dass das Leichtmetall ins Grillgut gerät. Die Journalisten hatten Laboruntersuchungen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Der Aluminiumanteil in rohem, mariniertem Hähnchenfleisch lag vor dem Grillen bei 3,4 Milligramm pro Kilogramm, danach bei 9,1. Bei Fisch stieg der Wert von 2,7 auf 10,6. Vor allem Marinade löse Aluminium aus den Schalen heraus, so dass es ins Fleisch gelange.

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Plusminus betont in dem Fernsehbeitrag, dass das eine Steigerung des "giftigen" Metalls um 168 bzw. fast 300 Prozent sei. Das klingt für Laien gefährlich - aber ist es das auch?

Acht Kilo Grillfleisch pro Woche

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schätzt, dass eine durchschnittliche wöchentliche Aufnahme von einem Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht (tolerable weekly intake, TWI) durch Essen und Trinken unbedenklich sei. Das macht bei einem erwachsenen Mann mit 80 Kilogramm Körpergewicht 80 mg Aluminium. Um diesen Wert zu erreichen, müsste man etwa acht Kilogramm Grillfleisch pro Woche verspeisen - und das regelmäßig über einen langen Zeitraum.

Neben Grillfleisch gibt es noch andere Aluminiumquellen, die in die Gesamtberechnung einfließen, etwa Trinkwasser. Besonders hoch ist die Aluminiumbelastung bei Laugengebäck: Brezeln erreichen ähnlich hohe Werte pro Kilogramm Gewicht wie Fleisch nach dem Grillen.

Insgesamt rechnet die EFSA damit, dass durchschnittliche Europäer zwischen 0,2 und 1,5 mg Aluminium pro Woche aufnehmen. Damit liegen die Spitzenreiter über dem als verträglich angesehen TWI-Wert - eine Vergiftung droht ihnen aber noch lange nicht.

Aluminium in Deos

Auch viele Kosmetika, besonders schweißunterdrückende Deos enthalten oft Aluminiumsalze. Das Bundesinstitut für Risikogefährdung (BfR) schätzt, dass die Menge, die über die Haut aufgenommen wird, in etwa der Menge entspricht, die man über Nahrung zu sich nimmt.

Damit ist der TWI-Wert womöglich allein durch die regelmäßige Deobenutzung schon erreicht. Das BfR empfiehlt Verbrauchern, die täglich solche Kosmetika anwenden, die Doppelbelastung zu berücksichtigen: Sie sollten auf aluminiumhaltiges Kochgeschirr und Alufolie verzichten.

Fränkische Bratwurst auf einem Grill

So nicht! Wenn das Fett auf die glühende Holzkohle tropft, entstehen krebserregende Stoffe.

Wie giftig ist Aluminium?

Aluminium steht im Verdacht, das Nervensystem zu schädigen, die Fruchtbarkeit einzuschränken und Kinder im Mutterleib zu gefährden. Die akute Toxizität des Metalls ist laut BfR gering. Allerdings reagieren einige Menschen allergisch auf aluminiumhaltige Kosmetika.

Grundsätzlich reichert sich Aluminium im Körper an, insbesondere in der Lunge und den Knochen. Aber das geschieht sehr langsam, denn der größte Teil des aufgenommenen Aluminiums scheidet der Mensch wieder aus. Nur etwa ein Prozent verbleibt im Körper.

Problematisch kann eine erhöhte Aluminiumaufnahme allenfalls für Menschen sein, die unter chronischer Niereninsuffizienz leiden. Weil die Niere für das Ausscheiden des Metalls verantwortlich ist, können diese Menschen Aluminium nicht mehr abtransportieren - es reichert sich umso stärker an.

Alzheimer- und Brustkrebs-Verdacht

Studien haben versucht, einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Aluminium und der Alzheimer-Krankheit herzustellen. Das BfR betont allerdings, dass die Datenlage diese Schlussfolgerung wissenschaftlich nicht zulasse.

Ähnlich verhält es sich mit dem Verdacht, dass aluhaltige Deos Brustkrebs verursachen könnten. Auch das ist bisher wissenschaftlich nicht belegbar.

Gemüse auf Spießen liegt auf einer Aluschale auf einer Feuerstelle Foto: picture-alliance/dpa/R.Goldmann

Wer Gemüse statt Fleisch in der Schale grillt, lebt natürlich noch gesünder

Mit Aluschale grillen oder ohne?

Die Toxikologen des BfR empfehlen, die Aufnahme von Aluminium zu verringern, wo es möglich ist. Daher bietet es sich an, Grillschalen aus Edelstahl oder Keramik zu verwenden, die nach dem Grillen in die Spülmaschine und nicht in den Müll kommen.

Ist aber nur eine Aluschale und keine aus Edelstahl verfügbar, dann gilt: Besser die Aluschale benutzen als gar keine. Denn die Giftgefahren sind beim Grillen direkt auf dem Rost um ein vielfaches höher als mit Unterlage. Wenn Fett in die glühende Holzkohle oder auf die elektrische Heizschlange trifft, entstehen viele hochgiftige Stoffe, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) - und die sind zweifellos krebserregend. Werden die Würstchen zu lange bei großer Hitze gegrillt, entstehen darin heterozyklische aromatische Amine und bei gepökeltem Fleisch zusätzlich Nitrosamine - beide Substanzklassen sind ebenfalls krebserregend.

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