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Wirtschaft

Entwarnung für Lateinamerika

Im Gegensatz zu früheren Krisen wird sich der wirtschaftliche Kollaps Argentiniens nicht auf den gesamten Kontinent ausweiten. Manche Staaten könnten sogar von der Krise profitieren.

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"Nein zur Abwertung!" – Zeitungsprotest in Argentinien

Die schwere Wirtschaftskrise Argentiniens wird nach Einschätzung von Experten nicht auf andere lateinamerikanischen Länder übergreifen. Die wirtschaftliche Schieflage Argentiniens sei seit langem absehbar gewesen, weshalb sich ausländische Anleger und Investoren frühzeitig darauf einstellen konnten, betonten Lateinamerika-Experten. Zudem könne man die Situation Argentiniens nicht auf die gesamte Region übertragen, hieß es.

Keine Ansteckungsgefahr

"Die Ansteckungsgefahr ist seit geraumer Zeit nicht mehr gegeben", sagte Günter Köhne, Volkswirt der Dresdner Bank Lateinamerika AG. Im Gegensatz zu früheren Krisen betrachteten Investoren nicht mehr die gesamte Region als potentielles Risiko, was regelmäßig zu Investitions- und Kreditstopps für ganz Lateinamerika geführt habe. Dadurch gerieten immer auch eigentlich unbeteiligte Länder unter Druck. "Die internationalen Investoren haben gelernt, zwischen den Ländern des Kontinents zu unterscheiden," sagte Köhne. Deshalb wirke sich die gegenwärtige Krise Argentiniens kaum auf die wichtigsten Staaten der Region, Brasilien und Mexiko, aus.

Auch Nicolas Schlotthauer, Lateinamerika-Experte der DGZ-Deka Bank, befürchtet kein Übergreifen der Krise auf andere Länder. Die Nachbarländer Argentiniens und die internationalen Investoren hätten schon vor Monaten damit begonnen, sich wirtschaftlich von dem krisengeschüttelten Land abzukoppeln. Allerdings könne das Wachstum von Ländern mit engen Wirtschaftskontakten zu Argentinien schwächer als geplant ausfallen. Für Argentinien selbst prognostiziert Schlotthauer jedoch ein "weiteres bitteres Jahr".

Finanzmärkte verursachten frühere Krisen

Auslöser vergangener Krisen waren nach Ansicht der Experten jeweils die Finanzmärkte "Die Ansteckungsgefahr kam stets von den Kapitalmärkten, nicht von der Realwirtschaft, also dem Austausch von Gütern", sagte Köhne. Ein weiterer Unterschied zu früheren Krisen in den sogenannten "Emerging Markets" sei der Verlauf des Szenarios. Die Argentinien-Krise sei als schleichender Prozesses aufgetreten, im Gegensatz zur Asienkrise 1997. Deshalb sind beide Krisen Schlotthauer zufolge auch nicht vergleichbar.

Brasilien im Aufwind

Während das wirtschaftliche Schwergewicht Brasilien im ersten Halbjahr wegen der Krise im Nachbarland unter sinkenden Auslandsinvestitionen litt, hat sich die Lage inzwischen wieder verbessert. Mittlerweile verzeichne Brasilien sogar wieder zunehmende Auslandsinvestitionen von Investoren, die sich aus Argentinien zurück gezogen hätten, sagte Schlotthauer.

Mexiko auf USA ausgerichtet

Völlig unbeschadet von der Krise in Argentinien ist nach Experten-Ansicht die mexikanische Volkswirtschaft. Schlotthofer zufolge ist das mittelamerikanische Land wirtschaftlich ganz auf die USA ausgerichtet. "Mexiko ist die verlängerte Werkbank der USA und hat sich längst in großem Maße von den lateinamerikanischen Wirtschaftsraum abgekoppelt."

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  • Datum 10.01.2002
  • Autorin/Autor Michael Knigge
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1giy
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