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Kultur

Entthronung eines Supermodels

Der Kokain-Skandal um Topmodel Kate Moss schlägt nun doch höhere Wogen. Nach anfänglichen Loyalitätsbekundungen distanzieren sich die ersten Werbepartner von der Catwalk-Schönheit. Promis sprechen ihr dagegen Mut zu.

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Ihr Drogenkonsum brachte Moss wieder auf die Titelblätter

Derzeit reiht sich eine Modewoche an die andere. Auf den Winterschauen in London, Mailand und Paris werden die neuesten Trends präsentiert und doch ist es ein alles andere als glamouröses Thema fernab der strahlenden Laufstegwelt, das die internationale Modeszene beherrscht.

Galerie Bild 8: Bread & Butter

Die Modeszene wird öfters mit Drogen in Verbindung gebracht

Im Grunde geht es um einen Sachverhalt, der der bunten Glitzerwelt schon öfters Schlagzeilen bescherte. Dabei fing die ganze Geschichte so harmlos an. Eine junge Frau ist für kurze Zeit zu Besuch im Tonstudio ihres Freundes. Beide sind seit einigen Monaten zusammen und laut eigenen Angaben so schwer verliebt, dass sie versuchen, jede freie Minute miteinander zu verbringen. Nur leider beschäftigt sich die junge Frau an jenem "verhängnisvollen" Tag vor Ort weniger mit ihrem Freund und seiner Musik als mit einer ganz speziellen Substanz. Einige Tage später fragt sich schon eine renommierte englische Zeitung, ob sie deswegen nun mit ihrer Karriere endgültig am Ende steht.

Riesiges Medienecho

Die junge Frau ist nämlich nicht einfach irgendwer, sondern das britische Topmodel Kate Moss und die Substanz in dem Londoner Tonstudio ist auch nicht irgendein Stoff, sondern reines Kokain. Leider waren beide zur falschen Zeit am falschen Ort und lieferten damit der britischen Presse einen handfesten Skandal, der seit dem 16. September 2005 die Titelseiten sämtlicher Zeitungen dominiert.

Pete Doherty

Für viele der Sündenbock: Kate Moss' Freund Pete Doherty

Während Blätter wie der "Daily Mirror" noch spekulierten, ob Moss' Freund Pete Doherty, der ebenfalls als drogensüchtig gilt, nun für den bösen "Abstieg" des Topmodels verantwortlich zu machen sei und die britische Polizei erste Ermittlungen einleitete, traf Moss von anderer Seite zunächst auf uneingeschränkte Solidarität. "Wir werden ihr eine zweite Chance geben", erklärte ein Sprecher der Bekleidungskette H&M nach einem schleunigst organisierten Krisengipfel mit Kate Moss nur einen Tag nach bekannt werden der pikanten Fotos. Schadensbegrenzung lautete offenbar das Stichwort. Schließlich sägt man nicht an dem Ast, auf dem man sitzt.

Ähnliches dachte sich wohl auch das Kosmetikunternehmen Rimmel, ein weiterer wichtiger Werbepartner von Kate Moss, der zu dem US-Kosmetik-Giganten Coty gehört. Der Vertrag mit Moss bleibe bestehen, ließ die Firma noch tapfer verlauten, als die Kokain-Affäre immer weiter hoch kochte. Offenbar wusste man auch dort Kate Moss' Wert als publicityträchtiges Zugpferd zu schätzen. Immerhin gilt die Britin als eines der letzten Supermodels aus der Ära Claudia Schiffer. Ihr Bekanntheitsgrad drückt sich in einem geschätzten Jahreseinkommen von sechs Millionen Euro Werbeeinnahmen pro Jahr aus.

Zusammenarbeit geplatzt

Jil Sander Frühling-Sommer Kollektion 1996 getragen von Kate Moss

Kate Moss als Repräsentantin der Jil Sander Kollektion im Jahr 1996

In der vergangenen Woche drehte sich aber plötzlich der Wind. Den "Absprung" von Kate Moss und den Drogen wagte zuerst H&M. "Wir haben uns von ihr getrennt, weil ihre Handlungen nicht zu unserer Anti-Drogen-Haltung passen", ließ Unternehmenssprecherin Liv Asarnoj wissen, nachdem man sich immerhin fünf Tage lang mit dem Gebaren von Moss noch ganz gut arrangieren konnte.

Das Luxus-Modehaus Burberry, das für den Herbst ebenfalls eine Werbekampagne mit der 31-Jährigen geplant hatte, ergriff daraufhin ebenfalls die Flucht. Kate sei zwar "immer ein fantastisches Model" gewesen, das "hochprofessionell mit Burberry gearbeitet" habe, aber "unter den aktuellen Umständen" sei es nicht angemessen, die Zusammenarbeit fortzusetzen, so ein Sprecher des Unternehmens. Plötzlich war auch Rimmel "schockiert und bestürzt" über das Verhalten des britischen Supermodels und verkündete eine Überprüfung des laufenden Vertrags.

Auch wenn die Distanzierung der Werbepartner von Kate Moss angesichts eines befürchteten Imageverlusts durchaus nachvollziehbar ist, mutet diese abrupte Kehrtwende eine Woche nach Veröffentlichung der Kokainfotos doch ein wenig ironisch an.

Mutter des "Heroin Chic"

Kate Moss mit Heroin Chic

"Heroin-Chic" á la Kate Moss

Ausgerechnet das Supermodel, das zusammen mit einigen Kolleginnen, denen ebenfalls Drogengeschichten nachgesagt wurden, den "Heroin Chic" mit Augenringen, fettigen Haaren und ausgemergelter Figur Ende der 1990er-Jahre populär machte, verfängt sich nun in moralischen Stolperfallen, die diejenigen auslegen, die mit vom Junkielook und dem Hype um Kate Moss profitiert haben.

Zudem sind Moss' Drogenprobleme eigentlich ein alter Hut, also ganz sicher keine plötzliche Überraschung für ihre Werbepartner. Kate Moss, die bereits im Jahr 1988 als Model entdeckt wurde und mit gerade mal vierzehn Jahren ihre Laufstegkarriere begann, führte nie ein Leben, das nicht schlagzeilenträchtig gewesen wäre. Affären, Partys und Drogenexperimente begleiteten ihren kometenhaften Aufstieg in den 1990er-Jahren. Trotz ihres Zusammenbruch im Jahr 1998 und einem Aufenthalt in einer privaten Entzugsklinik wurde sie immer wieder gebucht.

Die jetzige Entrüstung bei Medien und Werbepartnern gegenüber dem Verhalten des Supermodels erinnert daher eher an eine Farce, zumal sich die Modewelt im Verhältnis dazu wenig überrascht von den neuesten Enthüllungen zeigte. "Es ist ein Problem der Branche, das war es schon immer und wird es auch immer bleiben", kommentierte das 20-jährige Model Olga Serowa bei der Londoner Modewoche die Kokain-Affäre ihrer Kollegin.

Drogen und Mode

Auf dieses Problem und die dahinter stehende Doppelmoral hatte im Jahr 1997 auch schon die Mode-Fotografin und ehemalige Designerin Francesca Sorrenti aufmerksam gemacht. Ihr Sohn Davide Sorrenti, ebenfalls Modefotograf und Bruder von Mario Sorrenti, der bezeichnenderweise die Fotos für die Werbekampagne zum Calvin-Klein-Duft "Obsession" mit Kate Moss schoss, starb im Alter von 20 Jahren an einer Überdosis Heroin.

Seitdem kämpft seine Mutter gegen eine Branche, die ihrer Meinung nach die dunklen Seiten des Geschäfts verharmlost. Nach ihren Angaben in der Berliner Zeitung würden viele Agenturen sichtbare Zeichen der Sucht bei ihren Models einfach ignorieren, statt ihnen Hilfe anzubieten. "Solange der Umsatz stimmt, bleibt die Moral in diesem schnellen, anstrengenden Geschäft auf der Strecke", wird Sorrenti in dem entsprechenden Artikel in der Berliner Zeitung zitiert.

Cathérine Deneuve

Cathérine Deneuve kritisierte die Medienkampagne gegen Kate Moss

Es gibt also zwei Seiten der Medaille im Modegeschäft. Wie sich die Geschichte für Kate Moss weiterentwickelt, bleibt noch abzuwarten. Das Topmodel hat sich mittlerweile offiziell für den Kokain-Skandal entschuldigt und erklärt, sie habe bereits einen "schwierigen, aber notwendigen" Schritt eingeleitet, um "verschiedene persönliche Probleme" zu lösen. Prominente wie die französische Schauspielerin Cathérine Deneuve stellten sich derweil hinter Kate Moss.

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