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Wirtschaft

Enttäuschte SAP-Kunden proben den Aufstand

Etwa 100 Kunden des Software-Anbieters SAP üben ungewöhnliche Kritik: Sie stellen öffentlich das Verhalten ihres Geschäftspartners an den Pranger. Von Preisdiktaten und Erpressung ist die Rede.

Das undatiertes Archivbild zeigt die Zentrale der SAP AG in Walldorf, Nordbaden. (AP Photo/HO)

Unter vielfachem Beschuss der Kunden: die SAP-Zentrale in Walldorf südlich von Heidelberg

Etwas vergleichbares hat es im deutschen Wirtschaftsleben wohl noch nicht gegeben: Etwa 100 Unternehmen schließen sich zusammen, um ihre Kritik gegen den Software-Hersteller SAP zu bündeln und auf diese Weise eine Preiserhöhung abzuwehren.

SAP will ab 2009 die jährlichen Wartungspreise schrittweise über vier Jahre auf 22 von derzeit 17 Prozent des Lizenzpreises erhöhen. Im Gegenzug sollen der Umfang der Wartung und die Beratung der Kunden verbessert werden. Den neuen Service wollen und brauchen viele Kunden jedoch überhaupt nicht. SAP lässt ihnen jedoch keine Wahl.

Gang an die Öffentlichkeit

Zu den SAP-Kritikern gehört auch die Krones AG. Der bayerische Maschinenbau-Spezialist arbeitet vor allem für Getränkehersteller. IT-Chef Michael Kranz lässt nur vorsichtig erahnen, dass das Verhältnis zu seinem wichtigsten Software-Lieferanten kräftig in Schieflage geraten ist. "Normalerweise war es so", sagt Kranz, "dass wir mit der SAP immer ein sehr partnerschaftliches Verhältnis hatten und über neue Dinge immer reden konnten. Und man hat dann auch immer eine Lösung gefunden". Auch hier habe man Gespräche gesucht - diesmal freilich ohne jeden Erfolg. "Deshalb sahen wir uns gezwungen, das Problem in der Öffentlichkeit darzustellen."

Krones ist nur eines von etwa 100 Unternehmen, das diesen ungewöhnlichen Gang an die Öffentlichkeit gewählt hat, um Druck auf SAP auszuüben. Zu den Kritikern gehören unter anderem auch die Getränkehersteller Bitburger und Gerolsteiner, die Jenoptik AG, der Hausgerätehesteller Miele und die Münchener Stadtwerke. Von "Ausnutzung der Marktmacht" spreche man bei Miele, berichtet die Nachrichtenagentur DPA, von "reiner Geldmacherei" bei der Drogeriekette dm. Und Spar Österreich wird mit dem Satz zitiert: "Wir fühlen uns erpresst."

"So nicht!"

Die Unternehmen kommen aus allen Branchen und sind über ganz Deutschland verteilt. Für Mittwoch (10.12.2008) haben sie zu einer Kundgebung ins Steigenberger Parkhotel nach Düsseldorf eingeladen. "Dieses gemeinsame Vorgehen", heißt es in der Einladung zu dem Treffen, "richtet sich nicht nur gegen eine unangemessene Preispolitik der SAP, sondern die Anwender wollen sehr deutlich machen, dass die Art und Weise des Umgangs der SAP mit ihren Kunden, speziell aus dem Mittelstand, so nicht akzeptiert werden kann!"

Leo Apotheker und Henning Kagermann reichen sich lachend die Hände. Foto: Uli Deck dpa/lsw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Haben gut lachen, wenn sie ihre Preiserhöhung durchkriegen: die beiden SAP-Vorstandssprecher Leo Apotheker (l.) und Henning Kagermann

Ein SAP-Sprecher stand für ein Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zur Verfügung.

Nach Recherchen der "Financial Times Deutschland" beherrscht der Walldorfer Konzern mehr als die Hälfte des Marktes für Unternehmenssoftware. Für viele Unternehmen in Deutschland bildet SAP-Software das organisatorische Rückgrat. Die Programme reichen in alle wichtigen Betriebsbereiche - ob Personalverwaltung oder Einkaufsoptimierung. Entscheidet ein Unternehmen sich für die Einführung von SAP, passen Mitarbeiter der Software-Schmiede ihre Programme an die jeweiligen Anforderungen des Unternehmens an. Das ist aufwändig und teuer. Wer erst einmal investiert und implementiert hat, kommt von SAP daher nur mit hohem Aufwand wieder los. "Wer sich einmal für SAP entschieden hat, ist den Walldorfern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert", meint die "Financial Times Deutschland".

Langfristige Partnerschaft

Auch Krones ist mit SAP eine hautenge Beziehung eingegangen. "Das ist eine Softwareinstallation, die die Kernbereiche der Unternehmensprozesse abbildet", sagt Kranz. Er möchte die Partnerschaft mit SAP darum gerne verlängern, jedoch nicht um jeden Preis.

Weil das Verhältnis von Krones zu SAP so langfristig angelegt sei, stört Kranz auch die vergleichsweise kurzfristige Ankündigung der Preiserhöhung seitens SAP. Diese erfolgte aus Sicht der Unternehmen völlig überraschend im Sommer. Da ein Unternehmen keine Chance hat, innerhalb eines halben Jahres ein neues IT-Gerüst zu bauen, bleibt ihm vorerst wohl nur eines übrig: In den sauren Apfel einer Gebührenerhöhung zu beißen.

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