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Wirtschaft

Entsteht die "Deutsche Warenhaus AG"?

In der deutschen Warenhaus-Branche zeichnet sich ein beispielloser Umbruch ab. Einen Tag nach dem endgültigen Aus von Hertie prüfen Kaufhof und Karstadt eine Fusion als gemeinsamen Weg aus der Krise.

Kaufhof-Plastiktasche vor einer Karstadtfiliale (Foto: AP)

Verschwindet einer der Schriftzüge?

Man sei überein gekommen, dass eine Fusion "grundsätzlich ein vernünftiger Weg für die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland sein kann", teilten Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und Metro-Chef Eckhard Cordes nach einem ersten Sondierungsgespräch in Düsseldorf mit. Die beiden Handelsriesen prüfen seit Donnerstag (21.05.2009) einen möglichen Zusammenschluss ihrer Warenhausketten Kaufhof (Metro) und Karstadt (Arcandor).

Aus den beiden deutschen Marktführern könnte ein großer gemeinsamer Warenhauskonzern geschmiedet werden. Voraussetzung dafür sei, dass ein tragfähiges und betriebswirtschaftlich sinnvolles Konzept erarbeitet werde, erklärten die Vorstandschefs. Beide Parteien verabredeten der Mitteilung zufolge bereits ein weiteres vertiefendes Gespräch. Nähere Details dazu wurden nicht bekannt.

Arcandor droht die Insolvenz

Der Innenraum mit Rolltreppen einer Karstadt-Filiale am Bahnhofsplatz in München (Foto: dpa)

Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ist in einer finanziellen Schieflage

Zu dem ersten Sondierungsgespräch hatte Arcandor-Chef Eick eingeladen und damit seinen Widerstand gegen ein Zusammengehen der beiden Marktführer nach tagelangem Gezerre aufgegeben. Eick steht unter Druck wegen der drohenden Pleite des Essener Konzerns. Mit einem Verkauf von Karstadt könnte Eick die Last für Arcandor senken.

Die Warenhäuser in Deutschland verlieren seit Jahren an Bedeutung, vor allem wegen des Vormarschs der reinen Modeketten. Am Mittwoch hatte die Gläubigerversammlung das Aus für Hertie mit 54 Häusern und rund 2600 Mitarbeitern beschlossen. Angesichts der Probleme war immer wieder über ein Zusammengehen der beiden großen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof spekuliert worden. Zusammen betreiben beide Ketten über 200 Häuser mit fast 60.000 Beschäftigten.

Staatsbürgschaft beantragt

Mitarbeiter mit Regenschirmen vor der Zentrale des Karstadt Mutterkonzerns Arcandor in Essen (Foto: AP)

Arcandor hofft auf eine Staatsbürgschaft und Kredite

Parallel zu den Verhandlungen mit Metro beantragte Arcandor bei der Bundesregierung eine Bürgschaft, denn bis zum 12. Juni muss Arcandor seinen wichtigsten Kredit über 650 Millionen Euro verlängern. Nach Angaben Eicks benötigt das Unternehmen kurzfristig diese Staatsbürgschaft und zusätzlich einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW über 200 Millionen Euro.

Der Vorsitzende der Unionsfraktionen im Bundestag, Volker Kauder, dämpfte jedoch die Hoffnungen auf staatliche Hilfen. Die Bundesregierung werde nicht jedem Unternehmen Bürgschaften oder Kredite gewähren können, sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Staatsgelder könne nur bekommen, wer durch die Finanzkrise vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei und ansonsten ein tragfähiges Geschäftsmodell habe. Bei Arcandor könne er dies bisher nicht erkennen, so Kauder.

Verdi will Auswirkungen einer Allianz genau prüfen

Menschen auf einer Rolltreppe eines Kaufhauses (Foto: dpa)

Könnte eine Fusion zum Abbau von Arbeitsplätzen führen?

Die Metro will der Einschätzung von Beobachtern zufolge die missliche Lage des Essener Rivalen für eigene Pläne einer Deutschen Warenhaus AG nutzen und den Konkurrenten ausschalten. Metro-Chef Cordes habe seine Pläne bereits mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erörtert, verlautete aus Regierungskreisen. Das Bundeskartellamt in Bonn kündigte an, dass es eine Allianz aus Karstadt und Kaufhof sehr genau unter die Lupe nehmen werde.

Die Gewerkschaft Verdi will nicht grundsätzlich gegen ein mögliches Zusammengehen der Warenhausriesen Front machen. Eine Sprecherin sagte am Donnerstag, die Konzepte würden allerdings genauestens auf ihre Auswirkungen auf die Beschäftigten geprüft. (kis/HF/fw/dpa/ap/rtr)

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