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Politik

Entsetzen und Schuldzuweisungen nach Blutbad in Kabul

Nach dem schwersten Anschlag in Kabul seit 2001 hat die Suche nach den Verantwortlichen begonnen. Dass es ausgerechnet die indische Botschaft traf, scheint kein Zufall. Stecken etwa pakistanische Agenten dahinter?

Aufräumarbeiten nach dem Selbstmordattentat auf die indische Botschaft in Kabul

Der Selbstmordattentäter sprengte sich in einem Auto in die Luft

Der Attentäter sprengte sich zum Dienstbeginn der Diplomaten am Montagmorgen (7.7.) vor der indischen Botschaft in der Kabuler Innenstadt in einem Wagen die Luft. Aus dem afghanischen Innenministerium hieß es, dabei seien mindestens 44 Menschen getötet und über 140 weitere verletzt worden. Das Gesundheitsministerium teilte mit, unter den zahlreichen getöteten Zivilisten seien Kinder und Frauen. Auch mehrere afghanische Polizisten kamen ums Leben, außerdem viele Afghanen, die für ein Indien-Visum anstanden. Unter den vier indischen Toten sind der Militärattaché und der politische Berater an der Botschaft.

Bewaffnete afghanische Polizisten bewachen den zerstörten Eingang zur indischen Botschaft

Bewaffnete afghanische Polizisten bewachen den zerstörten Eingang zur indischen Botschaft

Auch wenn sich zu dem Anschlag zunächst niemand bekannte, trägt das Blutbad laut Experten die Handschrift der Taliban. Diese hätten damit einmal mehr bewiesen, dass sie selbst in der zur Festung ausgebauten Hauptstadt zuschlagen können. Die 2001 von der Macht vertriebenen Islamisten hatten angekündigt, in diesem Jahr mehr Selbstmordanschläge zu verüben.

Tiefe Abneigung zwischen Taliban und Indien

Präsident Hamid Karsai

Auch hinter dem Taliban-Anschlag auf Präsident Hamid Karsai vermutet Afghanistan den pakistanischen Geheimdienst als Drahtzieher

Dass ausgerechnet die indische Botschaft ins Visier der Attentäter geriet, scheint auf den ersten Blick verwunderlich. Schließlich engagiert sich Neu Delhi beim Wiederaufbau in Afghanistan und stellt keine Soldaten in dem Land am Hindukusch.

Doch Indien und die Taliban verbindet eine tiefe Abneigung. Denn Neu Delhi unterstützte einst die Nordallianz, die gegen das vom indischen Erzfeind Pakistan geförderte Taliban-Regime kämpfte. Der afghanische Präsident Karsai wird von Indien unterstützt. Hinzu kommt, dass für viele Extremisten der Dschihad nicht nur den Kampf gegen die USA in Afghanistan bedeutet, sondern auch den Kampf für den Anschluss des aus ihrer Sicht "besetzten" indischen Teils von Kaschmir an Pakistan.

Zeit der Schuldzuweisungen

Ein bewaffneter und maskierter Taliban-Anhänger

In Pakistan haben sich viele Taliban-Anhänger verschanzt

Zahlreiche Extremisten, die zuvor im indischen Teil Kaschmirs für den Anschluss der Region an Pakistan kämpften, sind inzwischen in Afghanistan aktiv. Indische Projekte und ihre Mitarbeiter in Afghanistan sind in den vergangenen Jahren mehrfach zum Ziel von Rebellen geworden. Während sich die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan in den vergangenen Jahren verbessert haben, gelten die afghanisch-pakistanischen Beziehungen als extrem angespannt.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Schuldzuweisung des afghanischen Innenministeriums zu sehen: Dieses machte Terroristen zusammen mit einem "Geheimdienst in der Region" für den Anschlag verantwortlich, ohne ein konkretes Land zu benennen. Gemeint ist aber der pakistanische ISI. Pakistan wies die Vorwürfe zurück und verurteilte die Tat. Zuletzt hatte Afghanistan den ISI beschuldigt, Drahtzieher eines Taliban-Angriffs auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai Ende April bei einer Militärparade in Kabul gewesen zu sein.

Gemeinsam gegen den "gemeinsamen Feind"

Unterdessen reagierte die internationale Gemeinschaft mit Entsetzen auf den blutigen Anschlag in Kabul. Die Vereinten Nationen nannten den Anschlag "feige und abscheulich". Der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Kai Eide, teilte mit: "In keiner Kultur, keinem Land und keiner Religion gibt es eine Entschuldigung oder eine Rechtfertigung für solche Taten." Die Europäische Union verurteilte den "grauenvollen" Selbstmordanschlag "mit größter Entschiedenheit". Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Gordon Johndroe, sagte am Rande des G8-Gipfels in Toyako (Japan), sein Land stünde Seite an Seite mit den Völkern Afghanistans und Indiens gegen den "gemeinsamen Feind".

Der afghanische Präsident Karsai betonte, die "Feinde Afghanistans" wollten verhindern, dass sein Land die Freundschaft zu Indien ausbaue. Die Beziehungen würden durch solche "höllischen Taten" aber nicht beschädigt. Das Außenministerium in Neu Delhi teilte mit, der "feige Terrorangriff" werde Indien nicht davon abbringen, seine Zusagen an Afghanistan zu erfüllen. (ag)

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