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Pressefreiheit

Entsetzen nach Anschlag auf Daphne Caruana Galizia

Nach dem Autobombenanschlag auf die maltesische Investigativjournalistin zeigen sich europäische Politiker und Journalistenverbände bestürzt. Galizias Sohn macht Maltas Regierung für die Tat verantwortlich.

Malta Trauer nach Anschlag auf Bloggerin Daphne Caruana Galizia (Getty Images/AFP/M. Mirabelli)

Trauernde Malteser zünden Kerzen für Caruana Galizia an

Die EU-Kommission verurteilte das Attentat auf Daphne Caruana Galizia, die mit ihren Enthüllungen mehrfach maltesische Politiker in Bedrängnis gebracht hatte, scharf. Die Behörden des Inselstaates müssten jetzt ihre Arbeit tun, so Chefsprecher Margaritis Schinas in Brüssel. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, der Fall sei ein tragisches Beispiel für eine Journalistin, die ihr Leben geopfert habe, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Der Europaabgeordnete der Grünen Sven Giegold sagte, die Umstände des Anschlags erinnerten ihn "an Putins Russland, nicht an die Europäische Union". Caruana Galizia hatte vor dem Untersuchungsausschuss des Europaparlaments zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung ausgesagt. Ihre Rolle bei der Aufdeckung schwerwiegender Vorwürfe sei entscheidend gewesen, so Giegold.

Maltesische Bloggerin getötet Daphne Caruana Galizia (Getty Images/AFP/M. Mirabelli)

Daphne Caruana Galizia

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und Reporter ohne Grenzen (ROG) forderten Aufklärung. "Die Verantwortlichen für dieses abscheuliche Verbrechen müssen schnell und und ohne politische Rücksichten bestraft werden, damit auf Malta kein Klima der Straflosigkeit und Einschüchterung entsteht", erklärte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Malta steht seit längerem wegen seines Steuersystems in der Kritik. Caruana Galizia, die auf ihrem Blog unter anderem offenlegte, dass Regierungsmitglieder in Panama geheime Firmen aufgezogen hatten, war für maltesische Politiker wohl die unbequemste Journalistin. Ihre immer neuen Enthüllungen hatten im Frühjahr eine Krise ausgelöst, die zu Neuwahlen führte. 

"Die Regierung ist verantwortlich"

Maltas Regierungschef Joseph Muscat äußerte sich zum Tod der 53-Jährigen: "Jedem ist bewusst, dass Frau Caruana Galizia politisch und persönlich einer meiner schärfsten Kritiker war." Das rechtfertige aber in keiner Weise die "barbarische Tat". Auf Malta stehe die Rechtsstaatlichkeit über allem und jedem.

Dagegen schrieb Caruana Galizias Sohn in einem emotionalen Facebook-Beitrag: "Die Regierung von Malta hat es möglich gemacht, dass sich eine Kultur der Straflosigkeit entwickelt hat." Seine Muter sei ermordet worden, weil sie in einem mutmaßlichen Korruptionsskandal recherchiert habe, so Matthew Caruana Galizia.

Maltesische Bloggerin getötet (Getty Images/AFP)

Daphne Caruana Galizia starb durch einen Sprengsatz, der unter ihrem Wagen befestigt war

In ihrem letzten Blogbeitrag, den sie noch kurz vor dem Autobombenanschlag veröffentlichte, warf Caruana Galizia Kabinettschef Keith Schembri erneut vor, er sei ein "Betrüger", der seinen Einfluss auf die Regierung nutze, um sich selbst zu bereichern.

In der Hauptstadt Valetta zogen zahlreiche Malteser vor den Justizpalast, um Gerechtigkeit für Caruana Galizia zu verlangen. Am Montagabend hatten sich mehrere tausend Menschen zu Mahnwachen versammelt. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen und Beileidsbekundungen nieder. Unterdessen zog sich die Vorsitzende Richterin aus dem Mordfall zurück, weil die Familie der Journalistin ihr eine zu große Nähe zur Regierungspartei vorgeworfen hatte.

ie /jj ( afp, dpa)