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Aktuell Europa

Entsetzen über Exekutionen in Weißrussland

Ungeachtet internationaler Proteste hat das weißrussische Regime auch den zweiten angeblichen U-Bahn-Attentäter von Minsk hingerichtet. Die Beweise waren nicht eindeutig - die Zweifel an der Schuld bleiben.

Die internationale Kritik, Proteste und Sanktionen haben nichts bewirkt: Die weißrussische Führung hat nach Wladislaw Kowaljow nun auch seinen mutmaßlichen Komplizen Dmitri Konowalow mit einem Genickschuss hingerichtet. Beide Todesurteile seien vollstreckt, berichteten Staatsmedien am Sonntag.

Den beiden 26-Jährigen wurde vorgeworfen, im April 2011 ein Attentat in der Minsker Metro verübt zu haben. Dabei kamen 15 Menschen ums Leben, mehr als 160 wurden verletzt.

Wann die Hinrichtungen stattgefunden haben, ist bislang noch unklar. Am Samstag hatte zunächst nur Kowaljows Mutter ein Schreiben des Obersten Gerichts vorgelegt, wonach das Urteil vollstreckt sei.

Scharfe Kritik aus dem Ausland

Gegen die Exekutionen hatten die Europäische Union und Deutschland scharf protestiert. Weißrussland vollstreckt als einziges Land in Europa bis heute die Todesstrafe - durch Genickschuss. Die Todesstrafe sei "unwiderruflich, unmenschlich und erniedrigend", die Europäische Union lehne sie "unter allen Umständen" als grausam und unmenschlich ab, sagte der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz. Bundesaußenminister Guido Westerwelle und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußerten sich besorgt über die Lage der Menschenrechte in dem osteuropäischen Land. Beiden mutmaßlichen Tätern sei das Recht auf einen fairen Prozess vorenthalten worden, sagte Ashton in Brüssel.

Der Prozess gegen die beiden Angeklagten war umstritten. Aus Sicht von Experten war die Schuld der Männer nicht erwiesen. Die weißrussische Justiz steht in der Kritik, Beweise zu manipulieren, Geständnisse unter Folter zu erzwingen und Willkürurteile zu fällen. In dem Prozess sei es nicht um die Ermittlung der wahren Täter und deren Bestrafung gegangen, sagte die Osteuropaexpertin der Grünen, Marieluise Beck. Es sei darum gegangen, "Spuren zu verwischen, die in das Zentrum von Lukaschenkos Regime selber verweisen." Bis heute halten sich Gerüchte, wonach die Führung in Minsk das Blutbad selbst inszeniert haben könnte.

Keine Gnade in Weißrussland

Der als letzter Diktator Europas kritisierte weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko hatte zuvor eine Begnadigung der beiden abgelehnt. Er regiert das zehn Millionen Einwohner zählende Land seit fast 18 Jahren.

nis/haz (afp, dpa, rtr)

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