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Politik

Entsetzen über blutige Taliban-Attacke

Kanzlerin Merkel hat den Überfall auf die Bundeswehr in Afghanistan als "verabscheuungswürdig" verurteilt. Verteidigungsminister Guttenberg unterbrach angesichts des Todes von drei deutschen Soldaten seinen Osterurlaub.

Abzeichen eines Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Foto: AP)

Für die Bundeswehr war es einer der folgenschwersten Kämpfe seit ihrem Bestehen: Wie der deutsche ISAF-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger, mitteilte, waren deutsche Soldaten am Freitag beim Minenräumen im Unruhedistrikt Char Darah von etwa 100 Aufständischen angegriffen worden. Daraufhin wurden die Soldaten in stundenlange Gefechte verwickelt.

Zivilisten als Schutzschild

Die Taliban waren nach Militär-Angaben mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten ausgerüstet. Die Bundeswehr habe hingegen keine schweren Waffen einsetzen können, weil sich die Taliban-Schützen in Häusern von Zivilisten verschanzt hätten, berichteten Augenzeugen. Außerdem explodierte ein Sprengsatz unter einem Bundeswehr-Fahrzeug.

Der ISAF-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger (Foto: dpa)

Brigadegeneral Frank Leidenberger

Traurige Bilanz: Drei Tote und acht Verletzte, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mitteilte. Zunächst war von fünf Verwundeten die Rede gewesen. Die Opfer wurden geborgen und mit Hubschraubern in die deutschen Lager Kundus und Masar-i-Scharif gebracht.

Char Darah gilt als gefährlichster der sechs Distrikte in der nordafghanischen Provinz Kundus. Von dort aus feuerten die Taliban in der Vergangenheit wiederholt Raketen auf das deutsche Lager ab. Im Norden Afghanistans sind derzeit etwa 4500 deutsche Soldaten stationiert.

Opfer dürfen "nicht umsonst" sein

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Foto: AP)

Gefährliche Mission: Deutsche Soldaten in Nord-Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg äußerten sich bestürzt. "Meine Gedanken sind bei den betroffenen Familien, bei den Verwundeten und bei unseren in Afghanistan gefallenen Soldaten", erklärte die Kanzlerin. Minister Guttenberg, der seinen Osterurlaub in Südafrika vorzeitig beendete, ergänzte: "Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes wird deutlich, wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist." Ähnlich äußerte sich Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, der sich zurzeit in Afghanistan aufhält.

Brigadegeneral Leidenberger betonte, er sehe keinen Anlass für einen militärischen Strategiewechsel in Afghanistan. "Die Lage ist unverändert", sagte der Kommandeur. "Es ist auch ganz klar, dass die Opfer, die gebracht werden, nicht umsonst sein dürfen." Die Bundeswehr werde ihren Auftrag, die afghanische Bevölkerung vor den Taliban zu schützen, weiter durchführen. "Es ist sicher eine schwierige Phase, aber wir sind hier, um diesen Auftrag zu einem erfolgreichen Ende zu führen."

Bundeswehr tötet versehentlich afghanische Soldaten

Nach dem Gefecht mit den Taliban töteten Bundeswehr-Soldaten versehentlich fünf afghanische Soldaten. Das teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam am Samstag (03.04.3010) mit. Demnach fuhren zwei zivile Kraftfahrzeuge am Freitagabend in der Nähe von Kundus auf eine Gruppe von Bundeswehrsoldaten zu. Die Afghanen hätten auch nach allen "von deutscher Seite durchgeführten Sicherheits- und Identifizierungsverfahren" nicht angehalten, um sich überprüfen zu lassen. Daraufhin habe ein deutscher Schützenpanzer auf eines der Fahrzeuge gefeuert. Später habe sich herausgestellt, dass es sich um zivile Fahrzeuge der afghanischen Armee gehandelt habe. Die Bundeswehr bedauere den Vorfall zutiefst, sagte ein Sprecher. Das Geschehen werde überprüft.

Eine "Lebenslüge"

Karl Theodor zu Guttenberg (Foto: AP)

Karl Theodor zu Guttenberg

Der frühere deutsche Verteidigungsminister Volker Rühe übte scharfe Kritik am Afghanistan-Einsatz. Diesen als Friedens- und Stabilisierungsmission zu bewerten, sei eine "Lebenslüge" der Politik, sagte er noch vor den jüngsten Gefechten bei Kundus. "Das Abenteuer Afghanistan muss beendet werden", forderte Rühe in einer Dokumentation des Zweiten Deutschen Fernsehens, die kommende Woche ausgestrahlt wird.

Auch der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, äußerte sich kritisch. "Der Konflikt in Afghanistan ist aus dem Ruder gelaufen", sagte er dem "Hamburger Abendblatt" (Samstagsausgabe). Schon seine Amtsvorgängerin Margot Käßmann hatte deutliche Kritik am Krieg in Afghanistan geübt. Am Karfreitag demonstrierten zudem bundesweit mehrere tausend Menschen auf den traditionellen Ostermärschen für ein Ende des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan.

Autor: Christian Walz (dpa, ap, rtr, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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