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Wirtschaft

Entscheidende Tage für Lufthansa und Swiss

Drei Jahre nach dem Neustart könnte die Swiss schon bald in deutschen Besitz kommen: Die Lufthansa will die ins Trudeln geratene Schweizer Airline übernehmen. Allerdings müssen die Aktionäre noch zustimmen.

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Bei den Fluggesellschaften bahnt sich eine Firmenehe an - im zweiten Versuch

Am Montagabend (14.3.2005) sollen die 29 Großaktionäre der Swiss über den Deal mit der Lufthansa unterrichtet werden. Sie halten 86,1 Prozent des Aktienkapitals. Die beiden Gesellschaften bestätigten in gleichlautenden Communiqués, dass sie "konstruktive Verhandlungen über eine Übernahme und Integration der Swiss in den Lufthansa-Konzernverbund" führen.

Übernahme wäre die einzige Rettung

Für den Luftfahrt-Experten Sepp Moser ist die Übernahme der einzig gangbare Weg für die Swiss. Die Fluggesellschaft sei im Prinzip mittellos, auch wenn es kein technischer Bankrott sei. "Die Swiss verliert Marktanteile, fast jeder Angestellte schaut sich nach einem anderen Job um." Wenn nichts geschehe, werde die Swiss innerhalb kürzester Zeit zusammenbrechen, sagte Moser.

Ein Sprecher der Schweizer Regierung sagte am Sonntag, der Bundesrat habe am Freitag über die Situation bei der Swiss und mögliche Optionen gesprochen. Entscheidungen seien bei dieser Sitzung allerdings nicht gefallen. Die Regierung hatte jedoch vor kurzem erklärt, eine Übernahme der Swiss durch die Lufthansa zu unterstützen.

Zweiter Ansatz zur Firmenheirat

Lufthansa Jumbo

Der Jumbo unter den Airlines will die Swiss übernehmen - ein Angebot gibt es, die Aktionäre und Aufsichtsgremien müssen es noch absegnen

Über die Übernahme der Swiss durch die Lufthansa war schon mehr als ein Jahr lang spekuliert worden. In einem ersten Anlauf hatte die Swiss das Lufthansa-Angebot abgelehnt und stattdessen versucht, sich dem Bündnis um die British Airways anzuschließen.

Lediglich 14 Prozent der Swiss-Aktien befinden sich in Streubesitz. Der Rest liegt in den Händen der Schweizer Regierung (20,4 Prozent), der Kantone (2,1 Prozent) sowie institutioneller Investoren. Darunter sind die Großbanken UBS (10,4 Prozent), Crédit Suisse Group (10 Prozent) und AMAG (6,8 Prozent). Weitere Investoren sind Nestlé, Novartis, Roche und Kudelski.

Was bekommen die Großaktionäre?

Wie sich die Großaktionäre verhalten und wie diese entschädigt werden sollen, bleibt offen. Es kann sein, dass sie sich mit einem symbolischen Preis zufrieden geben. Im Gegenzug würde die Lufthansa laut den Gerüchten auf eine Kapitalerhöhung der bisherigen Aktionäre verzichten. Bestätigt wurde nichts.

Die Kleinaktionäre der Swiss sollen von der Lufthansa einen Preis "in Höhe des Durchschnittskurses der letzten Wochen" erhalten. Das wären derzeit insgesamt rund 65 Millionen Franken (44,4 Millionen Euro).

Am Montagmorgen war die Swiss-Aktie mit 11,90 Franken bewertet, 14,4 Prozent höher als am Freitag. Die Lufthansa-Aktie startete am Montagmorgen in einem schwächeren Gesamtmarkt mit einem deutlichen Plus von 1,52 Prozent.

Marke Swiss soll bleiben

Die Swiss solle "ihre Eigenständigkeit weitestgehend behalten", betonte Lufthansa-Sprecher Thomas Ellerbeck. Eckpfeiler seien, dass die Luftverkehrsverbindungen der Schweiz und die Marke Swiss aufrechterhalten würden. Die Swiss wollte sich nicht zum weiteren Vorgehen äußern. Es werde aber Sitzungen mit allen Stakeholders geben.

Gewerkschaften fühlen sich verschaukelt

Die Gewerkschaften reagierten verärgert: Es gehe nicht an, dass sie über die Übernahmeverhandlungen aus den Medien erfahren müssten. Wie die Swiss mit dem Personal umspringe, sei eine Katastrophe, sagte Urs Eicher, Präsident der Kabinenpersonalgewerkschaft Kapers.

Für Daniel Vischer von der Gewerkschaft VPOD ist es nun wichtig, dass die Arbeitsplätze in der Schweiz langfristig gesichert werden. Ein Zusammengehen mit der Lufthansa könnte nach Angaben aller Gewerkschafter aber auch Chancen bieten. Auch die Schweizer Parteien sorgen sich vorab um Arbeitsplätze und Direktverbindungen.

Edle Motive - und dann die Realität

Schweizer Gigant am Boden

Swissair am Boden: Die Vorgängergesellschaft der Swiss ging am Defizit zugrunde, wurde aber gerettet - und zur Swiss umbenannt

Die Kommentare der Schweizer Presse reichen vom "Ende der Träumereien" bis zu "nur nichts überstürzen". Der Kommentator der Basler Zeitung schreibt, die Motive für die Rettung der alten Swissair unter neuem Namen seien edel gewesen. Doch die Realität sehe anders aus: "Vier Milliarden Franken verschlang das Projekt. Von den 10.000 Swissair-Stellen hat die Swiss bloß 6600 gerettet. Das Streckennetz wurde redimensioniert. Die banale Erkenntnis aus dem ganzen Abenteuer: Der Markt weiß es besser als die Politik."

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