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Aktuell Amerika

Entscheidende Phase im Prozess gegen Boston-Attentäter

Im Prozess gegen den überlebenden Attentäter vom Bostoner Marathonlauf haben die Verhandlungen über das Strafmaß begonnen. Die Staatsanwaltschaft will die Todesstrafe für den "reuelosen" Bombenleger.

Die Geschworenen hatten den 21-jährigen Dschochar Zarnajew bereits in einem ersten Urteil wegen des Terroranschlags für schuldig erklärt. Er hat vor zwei Jahren gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamarlan den Sprengstoffanschlag auf die traditionsreiche Sportveranstaltung im Zentrum von Boston verübt haben. Jetzt geht es darum, ob gegen Dschochar Zarnajew die Todesstrafe oder lebenslange Haft als Strafe verhängt wird.

Die Anklage versuchte zum Auftakt der Verhandlung, Zarnajew als reuelosen Mörder darzustellen. Seine Taten seien "unerträglich, unbeschreiblich, unentschuldbar", sagte die Staatsanwältin Nadine Pellegrini. Der Charakter des jungen Mannes sei von Unmenschlichkeit und Gleichgültigkeit geprägt. Die Opfer der Islamisten, darunter ein acht Jahre alter Junge, hätten "Zeit gehabt, Schmerzen zu fühlen, erschrocken und verängstigt zu sein", so Pellegrini. Aber die Opfer hätten keine Zeit gehabt, Abschied zu nehmen." "Er hat an den Terrorismus geglaubt und er hat seine Überzeugungen mit seinem Bruder geteilt", fuhr die Staatsanwältin fort. Als erste Zeugin rief sie eine Frau auf, die bei dem Anschlag am 15. April 2013 beide Beine verloren hatte. Drei Menschen waren bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 getötet worden, 264 wurden verletzt.

Richter mahnt Augenmaß an

Richter George O'Toole wies die Geschworenen an, ein "vorsichtiges, überlegtes und begründetes" Urteil zu fällen. Er betonte, dass ein einzelnes Argument gegen die Verhängung der Todesstrafe schwerer wiegen könnte als zahlreiche schwere Gründe dafür. Es gebe keine "mathematische" oder "mechanische" Formel, die zu einem Urteil führe. Sie sollten nicht darüber spekulieren, was die Familien der Opfer wollen. "Sie können über die angemessene Strafe in diesem Fall entscheiden." Für die Verhängung der Todesstrafe ist ein einstimmiges Votum der Geschworenen erforderlich.

Die Anwälte des Angeklagten räumten in dem Prozess die Beteiligung ihres Mandanten ein. Allerdings argumentierten sie, dass Dschochar Zarnajew unter dem Einfluss seines sieben Jahre älteren Bruders gestanden habe.

Die sieben Frauen und fünf Männer der Jury des Bundesgerichts in Boston hatten den aus einer tschetschenischen Familie stammenden jungen US-Bürger vor einigen Wochen nach der ersten Prozessphase in allen 30 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter der Einsatz von Massenvernichtungswaffen.

Demo gegen Todesstrafe

Vor dem Gerichtsgebäude in Boston demonstrierten Gegner der Todesstrafe. "Warum töten wir Leute, um zu zeigen, dass töten nicht gut ist?", stand auf einem Schild. Der Bundesstaat Massachusetts, in dem Boston liegt, hat die Todesstrafe abgeschafft. Der Fall wird aber nach US-Bundesrecht verhandelt.

Im Fall einer Verurteilung würde dem jungen Mann immer noch eine Reihe von Rechtsmitteln zur Verfügung stehen, ein langwieriger Gang durch die Instanzen wäre garantiert. Die Vollstreckung von Todesurteilen auf US-Bundesebene ist äußerst selten, seit Ende der 1980er Jahre wurden nur drei Häftlinge auf der Basis des amerikanischen Bundesrechtes hingerichtet.

qu/wl (dpa, afp, APE)