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Bangladesch

Entschädigung für Opfer von Fabrikeinsturz in Bangladesch

Vor fast einem Jahr stürzte das Fabrikgebäude Rana Plaza in Bangladesch ein. Nun bekommen Verletzte und Angehörige der Todesopfer Entschädigungszahlungen. Dazu hat auch eine deutsche Institution beigetragen.

Kurz vor dem ersten Jahrestag des Einsturzes des Fabrikgebäudes Rana Plaza gibt es endlich einen internationalen Entschädigungsfonds. Die Angehörigen der 1135 Todesopfer und die mehr als 1500 Verletzten sollen Kompensationsleistungen bekommen. Bis zum Jahrestag des verheerenden Unfalls am 24. April sollen alle Antragsteller eine erste Vorableistung von 50.000 Taka - knapp 470 Euro - erhalten.

Später folgen noch drei Teilzahlungen, erklärt Frauke Banse vom deutschen Netzwerk "Kampagne für Saubere Kleidung", das zur internationalen "Clean Clothes Campaign" gehört. Seit Jahren setzt sich das Netzwerk für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein. Es war auch an der Gründung des internationalen Entschädigungsfonds für die Opfer von Rana Plaza beteiligt.

Zögerliche Beteiligung

Weitere Zahlungen hängen jedoch davon ab, wie viele Textilfirmen sich an dem Fonds beteiligen. Der "Rana Plaza Trust Fund" ist unter Federführung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gegründet worden und hat Gewerkschaften, die "Clean Clothes Campaign", Produzenten und Auftraggeber zusammengebracht, um eine Entschädigungsregelung für die Opfer zu finden.

Bisher seien erst 5 der angestrebten 29 Millionen Euro auch eingezahlt oder fest zugesagt worden, so Monika Kemperle von der internationalen Gewerkschaft Industrial Global Union, die ebenfalls an der Gründung des Fonds beteiligt ist. In den Fonds kann jeder freiwillig einzahlen - und selber entscheiden, ob er seinen Namen genannt haben oder anonym bleiben möchte.

Shopping beim irischen Billiganbieter Primark in Berlin (Foto: Getty Images)

Viele Firmen aus Europa und den USA ließen im Gebäude Rana Plaza produzieren

Bisher stehen zwölf europäische Firmen namentlich auf der Liste der Spender. US-Firmen, so Kemperle, haben sich dagegen mit einer Sammelzahlung beteiligt.

Bescheidene US-Beteiligung

Das sei positiv, da sich die US-Firmen bisher geweigert hätten, sich an dem Fonds zu beteiligen, so Kemperle im DW-Gespräch. Doch prozentual zahlten die US-Konzerne nicht den Beitrag ein, der von ihnen zu erwarten sei - im Verhältnis zu ihrer Beteiligung an der Produktion im eingestürzten Gebäude, in dem mehrere Fabriken untergebracht waren, so Monika Kemperle.

Auch die europäischen und deutschen Firmen beteiligen sich nicht in dem Maße, das die "Kampagne für saubere Kleidung" angemessen findet. "Bisher", so Frauke Banse, "ist der Fonds noch nicht einmal zu einem Viertel gefüllt. Hier geht es um das Überleben von Menschen, die für einen Hungerlohn produziert haben."

GIZ unterstützt Entschädigungsfonds

Dass der Fonds elf Monate nach der Katastrophe überhaupt arbeitsfähig ist, schien vorher eher unwahrscheinlich. Erst als die ILO die deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) einschaltete, war es möglich, die bürokratischen Hürden für den Fonds zu überwinden.

Textilarbeiterinnen in Dhaka (Foto: AP)

Eine Textilarbeiterin in Bangladesch verdient etwa 50 Euro im Monat - nach dem neuen Mindestlohn-Gesetz

Nachdem die Gründung des Entschädigungsfonds im November 2013 beschlossen worden war, stellte sich heraus, dass die ILO die nötigen Verträge nicht abschließen kann - wegen der unterschiedlichen Rechtslage in Europa und Bangladesch.

"Deswegen hat die ILO uns angefragt, ob wir helfen können, die Verträge mit den lokalen Organisationen abzuschließen", sagt Hans-Hermann Dube von der GIZ. Dank der Kontakte, die die GIZ in ihrer jahrzehntelangen Arbeit in Bangladesch aufgebaut hat, ist es dann gelungen, seriöse lokale Partner für die Verwaltung der Entschädigungen zu finden. Mittlerweile gibt es ein Lokalbüro, das sich um die Hinterbliebenen und Opfer kümmert, ihnen Beratung und Hilfe anbietet.

"In den Büros haben sich die ersten Personen schon registriert, die Prüfungen der Fälle hat angefangen. Die ersten Auszahlungen werden vor dem Jahrestag des Einsturzes vorgenommen", so Dube.

Pilotprojekt für ILO-Konvention

Für alle Beteiligten ist der "Rana Plaza Trust Fund" ein Pilotprojekt. Es ist das erste Mal, dass ein solcher Fonds eine transparente und verbindliche Regelung nach der ILO-Konvention 121 für Arbeitsunfälle regelt. Wenn alles gut gehe, so Monika Kemperle, könne das Modell auch in anderen Fällen angewendet werden - zum Beispiel für die Opfer des Brands in der Textilfabrik Tazreen.

Wichtig sei, dass die Firmen, die in Rana Plaza produzieren ließen, nun auch einzahlen. Sie erhofft sich einen Motivationsschub am Jahrestag des verheerenden Unfalls. Denn je mehr Zeit vergeht, "desto mehr wird er vergessen. Und desto weniger verantwortlich fühlen sich dann jene, die die Verantwortung tragen."

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