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Politik

Entschädigung für Hurrikan-Opfer

Die Opfer des Wirbelsturms "Katrina" haben vor Gericht einen Teilerfolg errungen. Die Richter gaben dem Ingenieurskorps der US-Armee eine Mitschuld an den Überflutungen in New Orleans. Eine Klagewelle könnte folgen.

Das überflutete New Orleans (Foto: dpa)

Das überflutete New Orleans im August 2005

Gut vier Jahre nach der Katastrophe im Mississippi-Delta hat ein Bezirksgericht der Klage von sechs Anwohnern und einem Unternehmen stattgegeben, die dem Ingenieurskorps der Streitkräfte schwere Mängel bei der Wartung des Kanalsystems vorwarfen. Die Kläger erhalten zusammen 720.000 Dollar Entschädigung (etwa 482.000 Euro).

Das Korps sei für den Bau eines Abflusskanals in New Orleans verantwortlich gewesen, habe diesen aber nicht ausreichend gewartet, so dass "Katrina" freie Bahn auf seinem zerstörerischen Weg gehabt habe, sagte Richter Stanwood R. Duval bei der Urteilsverkündung am Donnerstag (19.11.2009). Der Kanal habe bei dem Hochwasser nach dem Wirbelsturm wie ein "Trichter" gewirkt. Das habe zur Flutung der Bezirke Lower Nith Ward und St. Bernard Parish geführt. Allerdings könne das Ingenieurkorps nicht für die Überschwemmung des Ost-Teils von New Orleans verantwortlich gemacht werden, schrieb Duval in seinem 159-seitigen Urteil.

Aus Kostengründen verworfen

Weinendes Hurrikanopfer neben einem Toten (Foto: AP)

Opfer des Hurrikans "Katrina"

Richter Duval schränkte weiter ein, dass das Ingenieurkorps nicht für die fehlerhafte Konstruktion des Kanals verantwortlich sei, der 1965 als Abkürzung zwischen dem Mississippi und dem Golf von Mexiko gebaut worden war. Laut Duval war sich die Armee aber der Gefahr bewusst und habe auch über Abhilfe nachgedacht, diese Idee dann aber aus Kostengründen verworfen. Das Ingenieurskorps hätte dafür sorgen müssen, dass der Kanal keine Gefahr für Mensch und Umwelt sei, so der Richter.

Vertreter des US-Armee hielten vor Gericht dagegen, die Dämme der Stadt seien das Problem gewesen. Sie hätten der Gewalt von "Katrina" nicht standhalten können. Diesem Argument gab der Richter nicht statt.

Präzedenzfall

Bush am 2. September 2005 vor Trümmern im Mississippi-Delta (Foto: AP)

Tage nach dem Sturm besuchte der damalige US-Präsident Bush das Katastrophengebiet

Die Anwälte der Kläger begrüßten das Urteil. Es sei das allererste Mal überhaupt, dass das Ingenieurskorps für "seine monumentale Fahrlässigkeit" zur Verantwortung gezogen werde, sagte Verteidiger Pierce O'Donnell. "Jetzt werden die Menschen hier entschädigt werden", sagte sein Kollege Joe Bruno. Die Anwälte sind der Ansicht, dass das Urteil von heute Klagen von mehr als 100.000 Anwohnern und Geschäftsleuten nach sich ziehen kann. Sie wollen erreichen, dass der US-Kongress einen Fonds zur Entschädigung der "Katrina"-Opfer einrichtet.

In der Folge könnten auf Washington Forderungen über mehrere zehn Millionen Dollar zukommen, berichtete die "New York Times". Es werde allerdings erwartet, dass die US-Regierung das Urteil anfechten wird.

1,3 Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen

Trümmer ein Jahr nach dem Hurrikan (Foto: AP)

Ein Jahr nach dem Sturm waren die Schäden vielerorts noch lange nicht behoben

"Katrina" wütete im August 2005 in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama. Mehr als 1800 Menschen kamen damals ums Leben. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verloren ihre Existenz. Insgesamt verursachte der Sturm rund 125 Milliarden Dollar Gesamtschaden. Die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush war nach der Naturkatastrophe unter starken Druck geraten. Weil die Lage zunächst völlig unterschätzt wurde, dauerte es Tage, bis umfassende Bundeshilfe anrollte.

Autor: Ulrike Quast (dpa,ap)

Redaktion: Anna Kuhn-Osius