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Welt

Entführungsserie in Mali

Timbuktu gilt unter Reisenden als "Perle der Wüste". Doch die Idylle in der Touristenstadt ist durch eine Entführungsserie getrübt. Innerhalb von zwei Tagen wurden fünf Europäer entführt, einer wurde sogar erschossen.

Boot auf dem Niger (Foto:AP)

Eine Entführungsserie zerstört die Idylle in Malis Touristenstadt Timbuktu

Die Lage in Malis historischem Zentrum Timbuktu hat sich zugespitzt. Fünf Europäer wurden in den vergangenen Tagen entführt. Ein weiterer - ein Deutscher - wurde bei einer Entführung sogar ermordet. Die Situation ist ernst und Malis Regierung will kein Risiko mehr eingehen. Deswegen werden seit Samstag (26.11.2011) alle Touristen in Nachbarstädte ausgeflogen.

Trotz der eindringlichen Warnungen vieler westlicher Staaten zieht die Stadt am südlichen Rande der Sahara immer wieder neue Besucher an. Einige möchten sogar in dieser gefährlichen Situation die Stadt nicht verlassen. "Ich bin nicht sehr glücklich zu gehen, aber ich muss", beklagte sich ein holländischer Tourist kur vor seiner Ausreise.

Lage eskaliert

Al-Quaida Entführer mit ihren Geiseln (Foto:AP)

Seit 2010 befinden sich vier Franzosen in der Gewalt von Al-Quaida-Terroristen

Die Entführungswelle begann in der Nacht zum Donnerstag. Mit Waffengewalt zwangen die Kidnapper zwei französische Geologen, ihre Hotelzimmer zu verlassen und mitzukommen. Schauplatz der Entführung war ein Hotel unweit von Timbuktu. Tags darauf versuchten Kidnapper, vier weitere Europäer zu entführen. Zwar war der Ort ein anderer – ein Restaurant am zentralen Platz von Timbuktu -, doch die brutale Vorgehensweise war die gleiche. Als die Entführer ihre Opfer in ein Auto zerren wollten, leistete einer von ihnen Widerstand. Der Mann aus Deutschland wurde sofort erschossen. Die anderen drei sind zwar vermutlich noch am Leben, befinden sich aber seit zwei Tagen in den Händen der Entführer an einem unbekannten Ort.

Wer steckt hinter der Entführung?

Die Vorgehensweise trägt die Handschrift der terroristischen Organisation Al-Quaida des islamischen Maghreb. Diese ist ein Ableger des bekannten Terrornetzwerks und hat im Norden Malis zahlreiche Operationsbasen. Man mutmaßt, dass auch die entführten Franzosen dorthin verschleppt wurden. Die Terrorvereinigung bekannte sich schon in der Vergangenheit zu zahlreichen Entführungen. 2008 hatten bewaffnete Angreifer ein Touristenehepaar in Tunesien verschleppt. Erst nachdem finanzielle und politische Forderungen erfüllt worden waren, wurden die Entführungsopfer nach neunmonatiger Gefangenschaft freigelassen. Die Terrorzelle wird auch für die Entführung von vier weiteren Europäern verantwortlich gemacht, von denen nur drei lebend aus den Händen ihrer Kidnapper entkommen konnten.

Anti-Terror Kommando(Foto:AP)

Frankreich schickt Soldaten nach Mali, um die Entführungsopfer zu befreien

Die Al-Quaida des islamischen Maghreb wird von der US-Behörde als besonders gefährlich eingestuft. Zwar gehen die Mitgliederzahlen der Organisation zurück, weil die algerische Regierung rigoros gegen sie ankämpft. Jedoch verfügt die AQMI über ein sehr großes Waffendepot. Während des libyschen Bürgerkriegs wurden die AQMI-Krieger von den libyschen Rebellen unter anderem mit Munition beliefert.

Hoffung auf Rettung

Ob dieses Mal die Entführung so glimpflich wie im Jahr 2008 verlaufen wird, ist völlig unklar. Fest steht, die französische Regierung lässt keine Zeit verstreichen, um zur Rettung der Opfer zu eilen. Am Freitag trafen zahlreiche französische Soldaten in Mali ein, um der malischen Armee bei der Suche zu helfen. Am Samstag folgte noch weitere militärische Unterstützung aus Frankreich.

Autorin: Alina Alpert (afp, dapd, dpa)
Redaktion: Martin Schrader