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Kultur

Entführungsdrama nimmt kein Ende

Auch nach dem Tod einer Geisel wird das Dunkel um die monatelange Entführung in der Sahara kaum aufgehellt. Ist die mögliche Ankunft in Mali ein Hoffnungsschimmer? Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Nachrichtensperre.

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Freilassung der Sahara-Geiseln nicht in Sicht

Mit dem Tod einer 45-jährigen Geisel hat das monatelange Entführungsdrama um die 15 Sahara-Urlauber eine dramatische Wende genommen. Die Mutter von zwei Kindern starb an einem Hitzschlag in der algerischen Wüste. Ihr ehemaliger Ehemann bestätigte deutschen Medien, dass die Polizei ihn über den Tod seiner ehemaligen Frau informiert habe. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte die Berichte bisher nicht bestätigen oder dementieren.

Mörderische Hitze

Die Frau soll bereits vor einigen Wochen an den Strapazen in der Sahara gestorben sein. Die Entführer begruben ihre Leiche angeblich in der Wüste. Bislang wurden zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer in der Sahara vermisst. Sie waren bereits zwischen Ende Februar und Mitte März 2003 verschleppt worden. Die 45-Jährige hatte zu einer vierköpfigen Gruppe aus Augsburg gehört.

Bereits zuvor freigelassene Geiseln schilderten die gesundheitlichen Folgen der monatelangen Geiselhaft in der Wüste als verheerend. "Die Hitze ist mörderisch", sagte der österreichische Reiseleiter Gerhard Wintersteller. Bei bis zu 60 Grad Celsius helfe selbst ständiges Trinken nicht. Insektenstiche könnten bei fehlenden Medikamenten nur unzureichend heilen. Abgesehen von den körperlichen Entbehrungen kommt zudem noch die schwierige psychologische Situation der Geiseln hinzu. 17 von ursprünglich 32 entführten Wüsten-Urlaubern waren bereits Mitte Mai 2003 aus der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe GSPC befreit worden.

Wie wird es weitergehen?

Die übrigen Sahara-Geiseln sollen nach Spekulationen algerischer Medien bereits seit Tagen mit ihren Entführern in Mali sein. Der Druck, die Gefangenen lebendig freizubekommen, ist mit dem Tod der Augsburgerin noch größer geworden. Die Regierungen der Länder haben keine Zeit mehr zu verlieren. Von Forderungen der Geiselnehmer ist aber nach wie vor nichts bekannt. In algerischen Zeitungen halten sich hartnäckig Spekulationen über ein Lösegeld.

Im modernen Kommunikationszeitalter haben die Entführer viele Möglichkeiten, Nachrichten aus Europa auch in den entlegensten Gegenden zu erhalten - und können danach ihre Strategie definieren. Damit ist auch das Schweigen des Auswärtigen Amts zu erklären. "Es geht hier um Menschenleben", sagte ein Sprecher. "Im Interesse der Betroffenen, die sich nach wie vor in einer sehr schwierigen Lage befinden, kann die Bundesregierung keinerlei Angaben machen." Allerdings unternehme die Bundesregierung alles in ihrer Macht stehende, um den Betroffenen zu helfen, betonte der Ministeriumssprecher. Im Gegensatz zum Geiseldrama auf der philippinischen Insel Jolo im Jahr 2000, als Fernsehteams im Lager der Kidnapper die Tortur der Geiseln filmten, entscheidet sich das Schicksal der Sahara-Geiseln fernab der Medien-Öffentlichkeit.

Mali – ein Hoffnungsschimmer?

Aus dem Schweizer Außenministerium kam inzwischen die Nachricht, dass in Malis Hauptstadt Bamako bereits ein Stab von Beamten aller drei betroffenen Länder arbeitet. Offiziell dementiert die Regierung in Bamako jedoch, dass sich der Schauplatz des Dramas in den kaum kontrollierbaren Norden ihres Staatsgebiets verlegt haben soll. Doch die mögliche Ankunft der Gruppe in Mali gibt Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des bald fünf Monate andauernden Martyriums. Die Beziehungen zwischen Deutschland und dem gemäßigt islamischen Mali, das einen stringenten Demokratisierungskurs verfolgt, gelten als sehr gut. Vertieft wurden sie im Januar 2002 durch einen Staatsbesuch von Bundespräsident Johannes Rau in Bamako.

Zum Ansehen Deutschlands in Mali trägt die Entwicklungshilfe bei. Allein 2001/2002 hatte Berlin 46 Millionen Euro zugesagt. Ein Schwerpunkt ist der Norden Malis, wo sich die Sahara ausbreitet. Mit deutschen Mitteln soll dort die wirtschaftliche Lage der Tuareg- Nomaden verbessert werden. Angeblich sollen nun frühere Tuareg- Führer helfen, die Geiseln freizubekommen. (fro)

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